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Frauenforum in GMHütte Schmale Lillifee, gut genährter Käpt’n Sharky

Von Claudia Sarrazin | 17.11.2014, 15:01 Uhr

Mit aktuell gängigen Rollenbildern von Jungen und Mädchen und deren Folgen befassten sich die Teilnehmer des 24. Frauenforums Georgsmarienhütte am Wochenende im Rathaus an der Oeseder Straße.

Als erste sprach am Samstag Stevie Meriel Schmiedel, Dozentin für Genderforschung und Gründerin von Pinkstinks . „Pink ist eine ganz wunderbare Farbe“, stellte Schmiedel zu Beginn klar. Davon abgesehen sei Rosa früher als „das kleine Rot“ und eine starke machtvolle Farbe früher Jungen zugewiesen worden, während ein „zartes Marienblau“ eine Mädchenfarbe gewesen sei. Erst in den 1930er Jahren habe sich dies geändert. Was sie am Trend „Pink für Mädchen und Blau für Jungs“ ärgere sei das Rollenbild, das dahinter stehe. Sie machte dies an zwei bekannten Beispielen fest: „ Lillifee ist so schmal und zart, dass kein Muffin durch ihren Hals passt, und sie pflegt und hegt ihre Tiere“, erklärte Schmiedel. Käpt’n Sharky hingegen habe „deutlich gut gefrühstückt“, säße auf einer Schatzkiste, während sich seine Tiere um ihn kümmerten. Sein Blick sei nach vorne ausgerichtet, und er selbst sei auf Abenteuer aus. Ein ähnliches Bild würde auch die Werbung vermitteln: „Mädchen müssen süß und zart sein und machen keine richtigen Ansagen“, so Schmiedel, die anschließend – für einige Zuschauerinnen überraschende – aktuelle Schönheitsideale von Mädchen präsentierte. So stellte eine 72-jährige Zuschauerin später überrascht fest: „Dass sich alle ihre Beine rasieren, ich wusste nichts davon.“

Schmiedel wiederum machte unter anderem an zwei Zahlen fest, dass die Rollenklischees der Spieleindustrie und Werbung die Mädchen prägten: 2006 hätten sich in einer repräsentativen Umfrage 70 Prozent der Mädchen wohl in ihrer Haut gefühlt. Doch 2012 seien nur noch 47 Prozent der 16- bis 17-jährigen Mädchen mit ihrem Aussehen zufrieden. Davon abgesehen habe jedes dritte Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren ein gestörtes Verhältnis zum Essen.

„Wir Mädels sind Macherinnen, aber als solche sehr selten in der Werbung zu sehen“, stellte Schmiedel fest, und erklärte anschließend, wie ihre Organisation Pinkstinks versuche, dies mit Protestaktionen, Theaterstücken, Büchern, Petitionen und einem Gesetzesvorschlag zu ändern.

Im zweiten Teil ging auch Claudia Wallner, Pädagogin und Autorin, auf mediale Bilderwelten und deren Rollenverständnis ein. „Die Botschaft ist: Mädchen sind selbstbewusst, cool und wuppen ihr Leben.“ Außerdem sei es sehr wichtig skinny, sprich dünn, und sexy zu sein. Auf entsprechende Rollenbilder und daraus resultierende Interessen der Mädchen müsse die pädagogische Arbeit mit Mädchen eingehen. Rappen, Tanzen und Street-Art-Aktionen mit Foto-Shootings seien beispielsweise Jugendkulturangebote und Ausdrucksformen, die hip seien und Mädchen ansprächen.

„Großartig hat es mir gefallen, und Frau Schmiedel hat mir sehr aus dem Herzen gesprochen“, erklärte Besucherin Andrea Kreft. Mädchen würden ganz falsch geprägt werden. „Das merkt man auch in der Berufsberatung“, stellte Kreft fest. Hier hätten junge Frauen teilweise wieder sehr traditionelle Vorstellungen. Und Regina Meyer-Kietzmann fügte hinzu: „Was mir gefallen hat, war, dass sich Weiblichkeit und der Einsatz für Pinkstinks nicht ausschließen.“ So hätte Schmiedel beispielsweise ihr Anliegen auf sehr charmante Weise präsentiert.