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Festansprache zum Stadtgeburtstag über Herausforderungen im Ehrenamt GMHütter Stadtgeburtstag: „Sinn führt zu Glück, nicht umgekehrt“

Von Wolfgang Elbers | 20.09.2011, 15:02 Uhr

„Denken Sie immer daran: Ehrenamtliche leben glücklicher!“, beendete Johannes Buß, Leiter der Oeseder Landvolkhochschule, am Montagabend seine Festansprache beim GMHütter Stadtgeburtstags. Knapp 20 Minuten hatte er zuvor die Probleme thematisiert, mit denen Jugendliche und junge Erwachsene konfrontiert sind, wenn sie sich ehrenamtlich engagieren wollen.

Er wies eingangs darauf hin, dass 2011 das Europäische Jahr der Freiwilligenarbeit ist und dass es Untersuchungen gebe, die belegen, dass jemand, der sich engagiere, fast immer selbst große Befriedigung aus seiner Tätigkeit ziehe. „Durch freiwilliges Engagement wächst das Interesse der Menschen aneinander, und durch Mittun im Dorf, in der Gemeinde, in der Kirche, im Verein erfahren wir, wie wir positiv zum sozialen Miteinander beitragen“, stellte er heraus und fuhr fort: „Sinn führt zu Glück, nicht umgekehrt.“

Über ein Drittel der Deutschen über 14 Jahren, nämlich 36 Prozent, engagierten sich nach seinen Ausführungen laut Freiwilligensurvey 2009, der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend alle fünf Jahre in Auftrag gegeben wird, ehrenamtlich. Als 1999 die ersten Ergebnisse erhoben worden seien, habe die Engagementquote bei den 14- bis 24-Jährigen mit 37 Prozent noch über dem Durchschnitt gelegen. Zehn Jahre später sei dies auf 35 Prozent in dieser Altersgruppe zurückgegangen, während es in nahezu allen anderen Altersgruppen zum Teil sogar deutlich zugenommen habe. Buß zu den Gründen des leichten Rückgangs bei Jugendlichen: „Deutlich wird, dass es am fehlenden Willen der Jugendlichen nicht liegen kann, das zeigt die Quote der Engagement-Bereitschaft. 49 Prozent der 14- bis 24-Jährigen sagen, sie seien zur Übernahme einer freiwilligen Tätigkeit bereit.“ Seine Frage: „Wieso gelingt es nicht, dieses Potenzial auch abzurufen?“ Es sei Aufgabe der Gesellschaft, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. In den zurückliegenden Jahren seien hier wichtige Veränderungen zu verzeichnen gewesen. Buß nannte dabei das verkürzte Abitur, das den Schülern weniger Freizeit lasse. Auch gebe es mehr Ganztagsschulen, die ebenfalls Schülern weniger Zeit lassen, Gruppenstunden der Jugendgruppen zu leiten oder Maßnahmen vorzubereiten. Außerdem nannte er die Einführung von Bachelor und Master, die ein verdichtetes Studium zur Folge hätten. Gleichzeitig habe die Einführung von Studiengebühren bewirkt, dass Studenten vermehrt Jobs annehmen müssen. „Wir müssen der Jugend Freiräume lassen. Und diese auch für das ehrenamtliche Engagement, in dem sich oft mehr Bildung verbirgt als in Schule oder Hochschule.“

Buß bedankte sich bei allen, die als Unterstützerinnen und Unterstützer die Jugendarbeit begleiten: „Auf Sie sind die Jugendlichen zwingend angewiesen.“