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Embryonaler Tumor Wie Leoni aus GMHütte die Operation überstanden hat

Von Anne Spielmeyer | 08.12.2015, 06:30 Uhr

Fast ihr ganzes Leben hat sich die neunjährige Leoni aus GMHütte mit einer Gefäßfehlbildung gequält. Jetzt konnte der schmerzhafte, embryonale Tumor an ihrem linken Arm komplett entfernt werden – dank eines Spezialisten und einer Spendenaktion.

22 könnte Leonis neue Glückszahl werden. Denn nach 21 erfolglosen Operationen mit teils großem Blutverlust verspricht der aktuelle Eingriff nun Besserung: „Die Operation ist erfolgreich verlaufen“, berichtet Mutter Sabrina Kemper erleichtert. „Das Hämangiom konnte vollständig entfernt werden.“ Ein spezialisierter Gefäßchirurg hat den gutartigen Tumor, der eng mit Nerven und Muskeln verwachsen war, in einer Hamburger Privatklinik entnommen. Ein paar Tage muss Leoni noch dort bleiben, dann kann es zurück nach GMHütte gehen – in eine bis dahin nicht da gewesene Normalität, hofft die Familie mit drei Kindern.

Operation dauerte fünf Stunden

An eine vollständige Entnahme des komplexen Gewächses hatten sich Fachärzte verschiedener Unikliniken in der Vergangenheit nicht gewagt. „Weil der Tumor zuletzt noch stark gewachsen war, hatte selbst der Hamburger Spezialist erst befürchtet, er könne die Fehlbildung nicht mit einem einzigen Eingriff beheben“, erzählt die Mutter von der Zitterpartie vorab. Geklappt hat es dann doch – in einem fünfstündigen Operations-Marathon.

Üben, üben, üben

„Leoni ist jetzt wohlauf und freut sich, dass alles so gut geklappt hat“, erzählt Sabrina Kemper. Arm und Finger könne ihre Tochter bewegen, das Handgelenk sei noch steif. Aber die Schülerin mache ehrgeizig das Programm der Krankengymnasten mit – greife beispielsweise ständig nach dem Joghurtbecher – um auch ihre letzte Schwachstelle in den Griff zu bekommen. „Für uns alle ist das jetzt ein Riesenglück“, sagt die Mutter nach acht Jahren Endlosschleife, in denen auf Schmerzen Klinikaufenthalte, auf Klinikaufenthalte Albträume und auf Albträume wieder Schmerzen folgten.

Kasse zahlt nicht

Selbst zuletzt, als die Ärzte des Uniklinikums Münster die Operation selbst nicht vornehmen wollten und an den Hamburger Spezialisten als alternativlose Option verwiesen hatten, war der Weg nicht geebnet. Leonis Krankenkasse, die Barmer GEK, wollte die avisierten Kosten in Höhe von 12000 für Privatarzt und -klinik nicht tragen. Zumindest nicht, ohne weitere Alternativen auszuloten. Weitere, möglicherweise erfolglose Behandlungen? Wieder lasern und löten? Und das, obwohl das Glück endlich einmal käuflich scheint?

Spenden machen Eingriff möglich

Freunde der Familie erkannten das Problem und riefen eine Spendenaktion ins Leben, die am Ende den entscheidenden Anschub gab: Knapp 5000 Euro haben Menschen aus der Region für Leoni gespendet, den noch fehlenden Betrag werden die GMHütter Stiftung ,Hilfe für Petra und andere‘ sowie eine private Stiftung aufstocken, teilte die Mutter mit. „Ohne die Spenden wäre das nicht möglich gewesen.“