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Die Themen kommen zu ihr Mechthild Borrmann mit „Trümmerkind“ in GMHütte

Von Petra Pieper | 25.02.2017, 11:08 Uhr

Vor ausverkauftem Haus las in der Buchhandlung Sedlmair die Bielefelder Autorin Mechthild Borrmann aus ihrem jüngsten Roman „Trümmerkind“. Anschließend beantwortete die Bestsellerautorin Fragen und signierte ihre Bücher.

Anfang November erschienen, platzierte sich der zum Genre des historischen Krimis zählende Roman sogleich auf der Spiegel-Bestsellerliste und erreichte schon zu Weihnachten eine Auflage von 75.000.

Krieg und Flucht

Gut eine Stunde lang las Borrmann in der Oeseder Buchhandlung aus vier Kapiteln ihres Buchs, dessen Handlung in den Trümmern des kriegszerstörten Hamburg beginnt, in Rückblicken die Kriegs- und Fluchtzeit einbezieht und auch in der Zeit der Wende nach 1989 spielt. (Weiterlesen: Drei Buchhandlungen im Osnabrücker Land ausgezeichnet) 

Auf einer seiner Hamstertouren entdeckt der 15-jährige Hanno im eisigen Winter 1947 in einem Keller eine Leiche und unweit davon ein verlassenes Kleinkind, das er mit nach Hause nimmt. Ob dieses Kind womöglich der kleine Konrad ist, der 1945 mit Mutter und Schwester vom großelterlichen Gutshof in der Uckermark flüchten musste? Und in welcher Beziehung steht Klara, die 1992 in Köln ihren 40. Geburtstag feiert, zu den anderen Figuren des Buches?

Geschichte mit Gegenwart verbunden

An diesem Abend ließ Mechthild Borrmann ihre Zuhörer über den Ausgang des Buches natürlich im Ungewissen: „Wer wissen möchte, wie alles zusammenhängt, muss das Buch schon selber lesen“. Was übrigens etliche der Besucher bereits getan hatten. „Ich finde es einfach toll, wie Sie Geschichtliches mit Gegenwärtigem verbinden“, befand eine Leserin und sprach damit aus, was viele Anwesende dachten. (Weiterlesen: Mechthild Borrmanns „Trümmerkind“) 

Andere wollten wissen, was wahr und was fiktiv sei. Es habe tatsächlich im Nachkriegs-Hamburg einer Serie mit vier „Trümmerleichen“ gegeben, deren Identität nicht geklärt werden konnte und deren Schicksal unbekannt blieb, so Borrmann. Sie habe im Staatsarchiv die gesamte Akte studiert und sich mit vielen Zeitzeugen in Hamburg und in der Uckermark unterhalten. Der historische Rahmen – Flucht, Kohlenklau, Schwarzmarkt, Nissenhütten, Enteignung in der DDR, etc. – sei also „wahr“, die Figuren des Romans indes erfunden. Die realen Morde seien der Aufhänger für ihren historischen Roman gewesen, den ein Kritiker als „Crossover“ aus beiden Gattungen bezeichnet habe. (Weiterlesen: Bernhard Aichners „Totenrausch“ – 100 Gäste bei Krimi-Lesung im GMHütter Bestattungshaus) 

Zuhörerfragen

Viele Zuhörerfragen bezogen sich auf die Arbeitsweise der 1960 geborenen Autorin, die seit 2005 schreibt. Während ihre ersten Bücher reine „Who-dunnit“-Krimis waren, verlegte sich Borrmann zuletzt auf die Verbindung von Krimi und historischem Background. Dafür sind jeweils ausführliche Recherchen erforderlich. Für den „Geiger“ (2012) und „Die andere Hälfte der Hoffnung“ (2014) habe sie monatelang mit Übersetzern in Sibirien, Russland und der Ukraine recherchiert, auch am „Trümmerkind“ habe sie nahezu zwei Jahre gearbeitet. (Weiterlesen: Mechthild Borrmann las aus „Der Geiger“ – Inneres Frösteln zum „Meller Sommer“) 

Bevor sie mit dem Schreiben beginne, kenne sie die Lebensläufe ihrer Figuren in- und auswendig: „Die sitzen mit mir am Frühstückstisch.“ Auch für die Story erarbeite sie im Vorfeld einen festen Plan, „aber nach drei Kapiteln wird es dann doch meist eine ganz andere Geschichte“. An Themen herrsche kein Mangel, bei der Recherche zu einem Roman bekomme sie stets Anregungen für den nächsten: „Die Themen kommen zu mir.“

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