Friedensdorf International GMHütter Franziskus-Hospital behandelt Kinder aus Kriegsgebieten

Von Monika Vollmer

Beim Förderverein für Freibetten und dem ärztlichen Team des Franziskus-Hospitals bedankte sich Maria Tinnefeld vom Friedensdorf International (2. von links). Außerdem im Bild (von links): Heinz Lunte (Fördervereinsvorsitzender), Christa Wiemann (Förderverein), Michael Kamp (Geschäftsführer Franziskus-Hospital), Christa Marischen (Förderverein) , Dr. Olaf Rolf (Chefarzt) und Dr. Jürgen Apel (Oberarzt). Foto: Monika VollmerBeim Förderverein für Freibetten und dem ärztlichen Team des Franziskus-Hospitals bedankte sich Maria Tinnefeld vom Friedensdorf International (2. von links). Außerdem im Bild (von links): Heinz Lunte (Fördervereinsvorsitzender), Christa Wiemann (Förderverein), Michael Kamp (Geschäftsführer Franziskus-Hospital), Christa Marischen (Förderverein) , Dr. Olaf Rolf (Chefarzt) und Dr. Jürgen Apel (Oberarzt). Foto: Monika Vollmer

mvo Georgsmarienhütte. 25 Behandlungen bei mehr als zehn Kindern. Damit sind im GMHütter Franziskus-Hospital innerhalb eines Jahres so viele Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten behandelt worden wie in kaum einem anderen Krankenhaus. Maria Tinnefeld vom Friedensdorf International berichtete nun im Panoramasaal des Franziskus Hospitals über die Arbeit des Friedensdorfes und bedankte sich persönlich bei Oberarzt Dr. Jürgen Apel und seinem Team für das vorbildliche Engagement.

Albino (10) und Adilson (8) kamen mit der Diagnose „beidseitiger Klumpfuß“ nach Deutschland. Ihre Füße steckten in viel zu großen Schuhen, der Fußrücken zeigte unnatürlich verkrümmt nach unten. Ein Gehen war diesen Kindern nur unter Schmerzen möglich, in ihrer Heimat Angola wären sie chancenlos gewesen. Jetzt sind Albino und Adilson weitestgehend genesen und dürfen wieder zurück. Zurück in ihre Heimat und zurück zu ihren Familien. Das sind nur zwei Schicksale von Hunderten.

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Förderverein für Freibetten

Zehn Kindern konnte im Laufe eines Jahres am Franziskus-Hospital Harderberg geholfen werden. Sie verdanken ihr neues Leben dem chirurgischen Geschick von Jürgen Apel und seinem Team sowie dem 1996 gegründeten Förderverein für Freibetten, der durch die Kostenübernahme der stationären Unterbringung diese Operationen mit möglich macht.

Beteiligt ist auch die Hilfeeinrichtung Friedensdorf International, die als Kooperationspartner des Fördervereins regelmäßig Kinder in das Krankenhaus der Niels-Stensen-Kliniken entsendet. „Ich finde es beeindruckend, dass der Förderverein, das Pflegepersonal und die Ärzte hier so aktiv sind“, freute sich Maria Tinnefeld, Sozialpädagogin und Leiterin der Friedensdorf-Außenstelle Oldenburg.

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Arbeit des Friedensdorfs

Seit 50 Jahren hilft das Friedensdorf International Kindern aus Kriegs- und Krisenregionen. Ursprünglich wurde es 1967 von Oberhausener Bürgern gegründet, um die verletzten Kinder des Vietnamkrieges zu behandeln. Was als Provisorium begann, besteht bis heute und wird weiterhin dringend gebraucht. Zwischen 250 und 300 Kinder aus aktuell acht Ländern halten sich ständig in Deutschland und Österreich auf. Angewiesen ist das Dorf auf Kliniken, die die stationäre Versorgung kostenlos absichern. „Wir erhalten keinen Cent von der Bundesregierung. Nur das Visum für die Kinder wird vom Staat ausgestellt“ so Tinnefeld.

Es gibt klare Kriterien, welche Kinder zur Behandlung nach Deutschland dürfen. Nur wenn eine Versorgung im Heimatland nicht möglich ist, eine reelle Chance auf Heilung besteht und es eine vereinbarte Rückkehrgarantie gibt, dürfen die Kinder hier einreisen. Auch die obere Altersgrenze von zwölf Jahren darf nicht überschritten werden. „Wir müssen garantieren, dass die Bundesregierung für nichts aufkommen muss und dass die Kinder nach der Behandlung unter allen Umständen in ihre Heimat zurückkehren. Ansonsten bekommen wir keine Visa mehr für andere Kinder“, berichtet die Außenstellenleiterin.

Medizinische Versorgung vor Ort verbessern

In mehreren Ländern leisten lokale Partner, bei denen Ärzte 365 Tage im Jahr aktiv sind, die logistische Vorarbeit. Aber das Friedensdorf bietet nicht nur medizinische Einzelfallhilfe, es baut auch Projekte auf, um die medizinische Versorgung direkt vor Ort zu verbessern. So befinden sich in den Flugzeugen nicht nur die Kinder, die genesen sind, sondern auch fünf Tonnen Fracht in Form von Hilfsgütern wie medizinisch-technische Geräte, Rollstühle, Brillen, Medikamente oder auch Kleidung. Eine weitere Säule der Arbeit ist die friedenspädagogische Arbeit, die das humanitäre Bewusstsein und soziale Engagement fördern soll.

Während ihrer Rehabilitation in Deutschland werden die Kinder zur Selbstständigkeit erzogen. Oft mit der Fragestellung: Was ist für die Rückkehr sinnvoll? Sie lernen zu nähen, rechnen, haben einen Lerngarten und machen selbst mit Gehhilfen Sport.

Rückkehr nach Angola

Albino und Adilson sind zwei Kinder, denen durch mehrere aufwendige Operationen geholfen werden konnte. Sie dürfen jetzt das Franziskus-Hospital verlassen und nach Angola zurückkehren. „Jede Operation ist kleine Herausforderung“, so Oberarzt Apel, der mit seinem OP-Team alle Eingriffe unentgeltlich vornimmt. Das größte „Aha-Erlebnis“ hatten er und sein Team bei einem neunjährigen Jungen, der mit ausgekugelten Kniescheiben und instabilen Beinen in das Hospital eingeliefert wurde. „Sein Gesäß hing vor der Operation auf dem Boden, an ein Gehen brauchte der Junge nicht mal zu denken“, so Apel. Nach erfolgreich verlaufender Osteotomie (Knochenschnitt), Korrektur der Beinachsen und Drehung der Beine kam der Junge nach abgeschlossener Reha im Friedensdorf Oberhausen nach neun Monaten tatsächlich gehend zur Materialentfernung zurück. Solche Fälle machen Mut.

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„Es erfordert viel Herzblut, aufwendige Betreuung und großes Engagement der Pflegekräfte“, bedankte sich Apel bei dem gesamten Team und der Geschäftsleitung des Franziskus Hospitals, sowie bei Herrn Heinz Lunte, dem Vorsitzenden des Fördervereins für Freibetten. Der Verein verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Interessen und benötigt Spenden. Spenden die dafür sorgen, dass kranken Kindern aus Krisengebieten geholfen wird und diese Kinder die Chance auf ein neues Leben erhalten.


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