„Viel Vertrauen gewachsen“ Superintendent Melle-GMHütte: Lutherjahr gut für Ökumene

Von Petra Ropers


Georgsmarienhütte. Mit festlichen Gottesdiensten in voll besetzten Kirchen endete im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte das Jubiläumsjahr der Reformation. Bei einem Gespräch in der neuen Lutherhütte blickte Superintendent Hans-Georg Meyer-ten Thoren zurück auf einen bunten Strauß an Veranstaltungen, der über Monate den Thesenanschlag Martin Luthers vor 500 Jahren ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte.

Herr Meyer-ten Thoren, die Gemeinden des Kirchenkreises haben sich viel einfallen lassen zum Reformationsjubiläum. Können Sie schon ein erstes Fazit ziehen?

Ich habe Rückmeldungen aus allen Gemeinden bekommen. Und die Beteiligung war überragend – vor allem in der letzten Woche. Am Reformationstag waren die Kirchen so voll wie sonst nur zu Weihnachten. Beim gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst der Südkreis-Region in Bad Laer kamen an die 700 Gottesdienstbesucher in die katholische Kirche. Aber wir hatten schon das ganze Jahr über sehr viele Veranstaltungen, die gut besucht waren. Mir fällt da spontan der Stadtgottesdienst vor dem Alten Rathaus in Melle ein oder der Bibelmarathon in Dissen. Wir wollten auf das Anliegen der Reformation aufmerksam machen. Und die Menschen haben sich ansprechen lassen.

Worauf führen Sie das zurück? Die Kirchen sehen doch sonst eher sinkende Besucherzahlen.

Nun, die Säkularisierung ist in unserer Region längst nicht so weit fortgeschritten wie etwa im Norden von Niedersachsen oder in Schleswig-Holstein. Und viele evangelische Christen haben gespürt, dass dieses Jubiläum ein historischer Moment ist. Aber die Kernaussage der Reformation spricht nicht nur sie an: Jeder Mensch hat Würde, und sein Wert hängt nicht von seinen Leistungen ab. Das ist eine Botschaft, die unsere Welt wirklich gebrauchen kann.

Die Gemeinden des Kirchenkreises haben das ja auf ganz unterschiedliche Weise ins Bewusstsein gerückt. Und Sie selbst haben als einer der „SuperintendAnten“ gut 30 Mal auf der Bühne gestanden. Wie war das eigentlich, Martin Luther zu spielen?

Mir hat das unglaublich viel Spaß gemacht – dieses Kraftvolle, auch einmal etwas sagen zu dürfen, was man sonst nicht sagt. Und es war toll, dass wir auch auf diesem Weg Menschen mit dem Thema Reformation erreichen konnten. Dabei ging es keineswegs darum, Martin Luther auf einen Sockel zu heben. Luther war kein Heiliger, sondern ein Kind seiner Zeit. Und er ist über die Jahrhunderte immer wieder instrumentalisiert worden. Das haben wir auch ganz bewusst anklingen lassen.

Ihre Reformationsrevue hat bestimmt nicht nur evangelische Christen angesprochen. Aber es gab ja ohnehin eine ganze Reihe von ökumenischen Veranstaltungen.

Tatsächlich waren viele Veranstaltungen von der Ökumene geprägt. Das ist etwas sehr Besonderes. Ein ökumenischer Gottesdienst am Reformationstag etwa wäre vor 30, 40 Jahren nicht möglich gewesen. Seither ist zwischen den katholischen und evangelischen Gemeinden in unserem Kirchenkreis viel Gutes entstanden. Das Vertrauen, das mittlerweile existiert, ist eine gute Basis, um weiter voranzugehen.

Ein gutes Stichwort: Wie soll es denn weitergehen? Lässt sich die Dynamik des Reformationsjahres ins nächste Jahr tragen?

Das ökumenische Miteinander ist in diesem Jahr ein gutes Stück gewachsen. Und als Kirchenkreis wollen wir daran anknüpfen. Für die Landesgartenschau in Bad Iburg planen wir deshalb ein gemeinsames ökumenisches Projekt mit täglichen Andachten, die von verschiedenen Gruppen aus den Gemeinden gestaltet werden, und mit Gottesdiensten, die bis auf ein oder zwei alle ökumenisch sein werden.