Polizeiauto in Schrotthaufen verwandelt Verfolgungsjagd in GMHütte: Dealer muss sieben Jahre ins Gefängnis

Von Ulrich Pfaff

Zu einer siebenjährigen Haftstraße verurteilte das Landgericht Detmold einen Mann, der sich unter anderem im Januar mit der Polizei im Südkreis eine Verfolgungsfahrt geliefert hatte. Foto: ColourboxZu einer siebenjährigen Haftstraße verurteilte das Landgericht Detmold einen Mann, der sich unter anderem im Januar mit der Polizei im Südkreis eine Verfolgungsfahrt geliefert hatte. Foto: Colourbox

Osnabrück/Detmold. Rabiater geht es auf der Straße kaum noch: Einem 29 Jahre alten Mann aus Herford, der sich im Raum Osnabrück eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hat, stehen sieben Jahre Gefängnis bevor. Ein umfassendes Geständnis hat den ursprünglich auf drei Tage angesetzten Prozess am Landgericht Detmold erheblich verkürzt.

Allein die Verlesung der Anklageschrift dauerte 20 Minuten. In dem ganzen Register war die Verfolgungsjagd zwischen Osnabrück und Melle wohl nicht die Straftat mit der höchsten kriminellen Energie, sicherlich aber die spektakulärste: Am 17. Januar wollte die Polizei den grauen Audi Kombi in Osnabrück auf der Sutthauser Straße stoppen, der Fahrer aber gab Gas und versuchte, dem ihn verfolgenden Streifenwagen zu entkommen. Die wilde Jagd ging mit bis zu 150 km/h bis nach Georgsmarienhütte, wo auf der Klöcknerstraße in Höhe des Kreisels zwei quer gestellte Polizeifahrzeuge die Fahrbahn blockierten – der Angeklagte durchbrach die Sperre, indem er über den Gehsteig fuhr und eines der Polizeiautos aus dem Weg rammte.

Streifenwagen in Schrotthaufen verwandelt

Einen nachfolgenden Streifenwagen verwandelte er in Bad Iburg in einen Schrotthaufen, indem er eine Vollbremsung machte und den Wagen auffahren ließ. Dabei erlitt ein Polizeibeamter eine Halswirbeldistorsion und Schürfwunden durch den ausgelösten Airbag. Bei der weiteren Flucht fuhr der Herforder schließlich bei Melle auf einen Polizeibeamten gezielt zu, der sich nur durch einen Sprung auf ein benachbartes Feld retten konnte. Die Einsatzkräfte verloren den Herforder bei Wellingholzhausen aus den Augen. Wie sich herausstellte, waren die Kennzeichen an dem Audi gefälscht. ( Weiterlesen: Verfolgungsjagd mit Streifenwagen endet in GMHütte mit Crash)

Marihuana-Plantage in Gewerbehalle

Am 24. Februar wurde der 29-Jährige festgenommen, das ganze Ausmaß seines kriminellen Treibens kam ans Tageslicht. In Lemgo hatte er im Oktober vergangenen Jahres zusammen mit zwei Komplizen eine Marihuana-Plantage in einer Gewerbehalle eingerichtet. Die Polizei hatte dort 180 ausgewachsene Hanfpflanzen, 180 im mittleren Wachstumsstadium und 100 getrocknete Pflanzen sichergestellt. Gewicht insgesamt ca. 15 Kilogramm, der strafrechtlich relevante Gehalt des Cannabis-Wirkstoffs THC betrug knapp ein halbes Kilogramm. Im Februar 2017 hatte der 29-Jährige aus den Niederlanden vier Kilogramm Marihuana zu je 5000 Euro, zwei Kilogramm Amphetamin und fünf Kilogramm Amphetaminbase nach Deutschland geschmuggelt und abgesetzt.

Scharfe Pistole

Damit nicht genug: In einer Wohnung in Osnabrück, die der 29-Jährige gemietet hatte, fanden die Ermittler mehrere Waffen, zum Teil Attrappen oder nicht funktionstüchtig. Darunter war eine illegale scharfe Pistole – weitere Schusswaffen wurden im Juli in Lemgo in einem Anhänger gefunden, den der Herforder von einem seiner beiden Plantagen-Komplizen geliehen hatte. Auch hier war die Masse der Waffen unbrauchbar – bis auf eine scharfe 9mm-Pistole. In der Herforder Wohnung entdeckte die Polizei bei der Festnahme des 29-Jährigen 15000 Euro Bargeld, das mutmaßlich aus dem Verkauf von Drogen stammt. Auch einen Porsche Cayenne, der in Krefeld sichergestellt wurde, soll er aus Drogenerlösen gekauft haben.

Unterbringung in einer Langzeittherapie

Alles starker Tobak für die Strafkammer I des Detmolder Landgerichts. Verteidiger Thomas Klein aus Osnabrück regte denn gleich nach Verlesen der Anklage ein Rechtsgespräch mit der Kammer an, bei dem eine Verständigung erzielt wurde. Neun Jahre Haft hätten dem Angeklagten geblüht, wenn der Prozess mit der umfassenden Beweisaufnahme hätte durchverhandelt werden müssen, so Richter Carsten Niemeyer. Der 29-Jährige nahm die Gelegenheit zum Geständnis wahr und räumte alle Vorwürfe ein. So lautete der Urteilsspruch auf sieben Jahre Haft – einbezogen ist ein gerade mal seit vier Wochen rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Osnabrück über 16 Monate Haft und einer Unterbringung in einer Langzeittherapie. Der 29-Jährige ist kokainabhängig.