Ex-Bürgermeister zu Gast Stadtgeschichtlicher Stammtisch mit Burkhard Ritz in GMHütte

Von Petra Pieper

Eintrag ins Goldene Buch: Bürgermeister Ansgar Pohlmann (links) und der Leiter des Stadtgeschichtlichen Stammtisches, Theo Elixmann, begrüßten Burkhard Ritz. Foto: Petra PieperEintrag ins Goldene Buch: Bürgermeister Ansgar Pohlmann (links) und der Leiter des Stadtgeschichtlichen Stammtisches, Theo Elixmann, begrüßten Burkhard Ritz. Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte. Er kam aus der Landwirtschaft und ging in die große Politik – Burkhard Ritz, 15 Jahre lang Bundestagsabgeordneter in Bonn, danach Finanzminister und später Landwirtschaftsminister in Hannover. Er leitete auch kurze Zeit als Bürgermeister die Geschicke von Oesede. Nun war der 86-Jährige zu Gast beim Stadtgeschichtlichen Stammtisch im Rathaus Georgsmarienhütte.

Den Zuhörern war vor allem daran gelegen, persönliche Erinnerungen des Wahl-Lingeners aus seiner Oeseder Zeit zu hören. Gebürtig aus Pommern, lebte Ritz nach der Flucht in Westdeutschland. Stationen waren unter anderem Glandorf, Castrop-Rauxel, Bonn und Dröper, wo sein Vater eine Anstellung als Schulmeister gefunden hatte. Ritz studierte nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung in Bonn Agrarwissenschaften und promovierte 1959.

Von 1957 bis 1965 arbeitete er als Dozent an der Landvolkhochschule Oesede, wo er auch „gern den Acker unterhalb des Schulgebäudes pflügte“. Schnell wurde er Mitglied des Gemeinderats. Als 1963 der damalige Bürgermeister Wallrath Eichberg tödlich verunglückte, wählte man den CDU-Vertreter Ritz zum Bürgermeister von Oesede – damals noch ein reines Ehrenamt.

„Ich war sehr gern hier tätig“, eröffnete Ritz seine Erinnerungen, die aber, wie er bedauerte, sehr subjektiv und möglicherweise ungenau seien, da er niemals Tagebuch geführt habe. In seinen Oeseder Jahren seien bereits erste Schritte der Annäherung an Georgsmarienhütte vollzogen worden, so konnte 1963 mit dem Bau der gemeinsamen Realschule begonnen werden. Die Fusion der Gemeinden, die sich 1970 zur Stadt zusammenschlossen, habe schon länger auf der Tagesordnung gestanden. „Da gingen die Emotionen hoch und manchmal sagte man sich nicht einmal ‚Guten Tag‘“, erinnert sich Ritz. Er selbst habe dem Zusammenschluss der ländlich geprägten Gemeinde Oesede mit dem Industriestandort Georgsmarienhütte eher ablehnend gegenüber gestanden.

Hauptbestandteile der kommunalpolitischen Arbeit seien die Ausweisung von Baugebieten unterhalb des Dörenbergs, der Bau der Umgehungsstraße und die dazu erforderliche Umsiedlung von Bauernhöfen aus dem Ortszentrum gewesen. Gern erinnere er sich an die Partnerschaft mit Schoonebeek und die regelmäßigen Besuche sowie an die gute Zusammenarbeit mit Pfarrer Beckmann. 1965 kandidierte Ritz für den Bundestag und zog für den Wahlkreis Osnabrück-Land/Bersenbrück nach Bonn, sein Nachfolger als Bürgermeister wurde Ludwig Siepelmeyer.

Ab 1980 war Ritz Mitglied der Landesregierung unter Ernst Albrecht und besuchte in seiner Funktion als Finanzminister 1984 Georgsmarienhütte, das damals gemeinschaftlich gegen die geplante Stilllegung der Hütte auf die Straße ging. An diese Zeit erinnerte sich noch besonders gut der damalige stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und CDU-Landtagsabgeordnete Hermann Sandkämper, der ebenfalls unter den Stammtischbesuchern weilte: „In jenen Tagen wurde im Wirtschaftsministerium in Hannover über den Fortbestand der Hütte entschieden.“