Gespräche über Arbeit „Globalisierung - und nun?“ – Podiumsgespräch in GMHütte

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Annelie Buntenbach aus dem DGB-Bundesvorstand eröffnete den Abend mit ihrem Vortrag “Freiheit und Arbeit. Eine gewerkschaftliche Perspektive“. Foto: Swaantje HehmannAnnelie Buntenbach aus dem DGB-Bundesvorstand eröffnete den Abend mit ihrem Vortrag “Freiheit und Arbeit. Eine gewerkschaftliche Perspektive“. Foto: Swaantje Hehmann

Georgsmarienhütte. „Globalisierung - und nun?“: Antworten auf diese Frage sollte ein vom Arbeitskreis „Kirche und Betriebsräte“ in der Mehrzweckhalle des Stahlwerks Georgsmarienhütte veranstaltetes Podiumsgespräch geben. Und sie fielen sehr unterschiedlich aus.

Den Anfang machte Annelie Buntenbach vom Bundesvorstand des DGB mit ihrem Vortrag „Freiheit und Arbeit. Eine gewerkschaftliche Perspektive“. Damit sollte sie die Vorlage liefern für das anschließende Gespräch. So kritisierte Buntenbach unter anderem die Maßnahmen der „Agenda 2010“ und den „Missbrauch von befristeten Arbeitsverträgen und Leiharbeit“. Diese und andere Faktoren führen laut Buntenbach dazu, dass Arbeitnehmer immer weniger wagen, sich am Arbeitsplatz für ihre Interessen einzusetzen, aus Angst vor dem ständig drohenden „Absturz in Hartz 4“. Der Bezug zur Überschrift des Abends „Globalisierung“ ist klar: Befürworter von Hartz 4 und Niedriglohnsektor verweisen in der Regel darauf, die Beschränkung von Arbeitnehmerrechten sei notwendig, damit deutsche Unternehmen international wettbewerbsfähig bleiben können.

Arbeitgeberperspektive

Das tat dann im Anschluss auch Volkswirt Benjamin Koller von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Natürlich in freundlicheren Worten: Die Reduzierung von Arbeitnehmerrechten wird in der Sprache der Arbeitgeberseite zur zeitgemäßen „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“ und wird als Erfolgsmodell verteidigt. So warnte Benjamin Koller davor, „die Erfolge der Agenda 2010 kleinzureden“; ebenso vor einer Abkehr von der Globalisierung durch eine Politik der Abschottung. Die Angst vor dem massiven Verlust von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung sei unbegründet, sie werde durch Wachstum in anderen Bereichen ausgeglichen werden, wie das in der Vergangenheit immer mehr oder weniger geschehen ist.

Klare Positionen

Mit den beiden Vorträgen von Annelie Buntenbach und Benjamin Koller waren die Positionen für die folgende Podiumsdiskussion abgesteckt. Der Arbeitsdirektor der Georgsmarienhütte GmbH und jetzt Moderator Felix Osterheider bat auf die Bühne: Stephan Soldanski von der IG Metall, Stefan Lührmann als Arbeitnehmervertreter bei der Georgsmarienhütte GmbH, den Europa-Abgeordneten Jens Gieseke und Generalvikar Theo Paul, der den erkrankten Bischof Franz-Josef Bode vertrat.

Felix Osterheider und Jens Gieseke scherzten zwar noch über das langweilige TV-Duell zwischen den Kanzlerinnenkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz am 3. September, aber auch die insgesamt sechs Gäste brachten hier natürlich keinen harten Schlagabtausch auf die Bretter. Das lag allerdings eher am formalen Rahmen des Abends als an fehlenden inhaltlichen Differenzen: Felix Osterheider stellte den Damen und Herren der Reihe nach Fragen, worauf diese noch mal ausführlich antworteten. Informativ war das schon, aber Diskussionscharakter hatte es nicht; nur einmal hakte Annelie Buntenbach ein, als Benjamin Koller über die Vorzüge flexibler Tarifverträge dozierte.

Zu Harmonie verdonnert

Auch wenn ein Streitgespräch nicht stattfand, wurde deutlich: Stoff dafür wäre reichlich vorhanden gewesen. Beispiel: Jens Gieseke erklärte, in der Region herrsche annähernd Vollbeschäftigung und junge Leute könnten sich die Ausbildungsplätze quasi aussuchen: „Es geht uns hier sehr gut.“ IG Metall-Mann Stephan Soldanski dagegen verwies darauf, dass die Region mit 150 Firmen eine Hochburg von Zeit- und Leiharbeit sei. Er rechnete vor, was ein Arbeitnehmer verdient, der in Vollzeit arbeitet und den Mindestlohn bekommt. Und fragte im Anschluss, ob einer der Anwesenden glaube, davon könne man eine Familie ernähren.

Einer der Gründe, warum der Abend trotz Differenzen irgendwie harmonisch endete: der Zeitplan wurde strikt eingehalten.


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