Explodierende Farben Bettina Heinen-Ayech: Werkschau zum 80. Geburtstag

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Außergewöhnliches Aquarell: Das „Doppeltes Selbstbildnis“ von 1960 zeigt die Künstlerin Bettina Heinen-Ayech in zwei Ausgaben.

            

              
                Foto: Swaantje HehmannAußergewöhnliches Aquarell: Das „Doppeltes Selbstbildnis“ von 1960 zeigt die Künstlerin Bettina Heinen-Ayech in zwei Ausgaben. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Zum 80. Geburtstag widmet die Villa Stahmer in Georgsmarienhütte der Malerin Bettina Heinen-Ayech eine umfassende Retrospektive mit Aquarellmalerei aus allen Schaffensperioden.

Ich will so malen wie ich bin. Das könnte das Motto der Künstlerin Bettina Heinen-Ayech sein. Nie kümmerte sie sich um die Regeln des Handwerks. Wie ein Schwamm sog sie die Tipps und Anregungen der vielen Lehrer auf, die versuchten, ihr in jungen Jahren etwas beizubringen – um sie im nächsten Moment zu verwerfen. Mit großem Temperament und noch größerer Farbenpracht frönt sie seit ihrer Jugend der Aquarellmalerei, die sie sehr eigen handhabt. Selten sah man intensivere Farben als in den Bildern von Bettina Heinen-Ayech, die mit diesem Charakteristikum eher an Ölmalerei erinnern.

Auf eine Reise durch das kreative Leben der heute 80 Jahre alten Künstlerin kann man sich jetzt in der Villa Stahmer begeben. 76 Bilder aus allen Schaffensperioden der gebürtigen Frau aus Solingen hängen im Erdgeschoss und im Obergeschoss: eine facettenreiche Retrospektive.

Grünes Gesicht, blasses Gesicht, zwei Sonnen und drei große Langusten, die sich der Szenerie bemächtigen: „Doppeltes Selbstbildnis“ nannte die Künstlerin, die sich schon früh einfach nur Bettina nannte, 1960 ein außergewöhnliches Aquarell, das sie selbst in zwei Ausgaben zeigt. Das geradezu psychedelische Bild zeugt nicht nur von Nonkonformität, sondern auch von ihrer bedingungslosen Suche nach Licht und Farbe. Wenn es irgend möglich war, nahm sie ihre Malutensilien und ging nach draußen, um dort ihre Eindrücke direkt und unverfälscht aufs Papier zu bannen. „Pleinairmalerei“, das Malen im Freien, wurde ihre Leidenschaft – und das änderte sich keineswegs, als Nordafrika zu ihrem Lebensmittelpunkt wurde.

Während einer Exkursion nach Paris hatte sie Anfang der sechziger Jahre Abdelhamid Ayech kennen gelernt, einen jungen Mann aus dem maghrebinischen Emigrantenmilieu. Nachdem er beschlossen hatte, in seine alte Heimat Algerien zurückzukehren, pendelte Bettina zwischen Solingen und Guelma im Nordosten Algeriens hin und her. Bald waren sie ein Paar, Tochter Diana kam zur Welt. Doch all das hielt Bettina nicht davon ab, zu malen. Ihr Mentor, Erwin Johannes Bowien, hatte sie trotz des Eigensinns bezüglich ihres Malstils überzeugen können, ohne Vorzeichnungen und vor allem großformatig zu malen. Provoziert vom intensiven Licht Nordafrikas explodierten förmlich die Farben in ihren Bildern - wie einst bei den Expressionisten August Macke und Paul Klee, als sie Tunesien entdeckten.

Bettina Heinen-Ayech malt Menschen, Stadtansichten und Landschaften nicht aus der distanzierten Perspektive der staunenden Touristin. Nein, sie entdeckte ihre Umgebung neugierig als ihre neue Heimat: Nachbarn in leuchtenden Gewändern, die ihr zulächeln, derweil im Hintergrund rotgolden die Sonne untergeht, ein Selbstbildnis mit exotischem Haarschmuck, ein Flussbett in einem üppig bewachsenen Tal, ein Malerkollege unter einem Baum. Faszinierend.


Museum Villa Stahmer, Georgsmarienhütte: „Retrospektive der Malerin Bettina Heinen-Ayech“. Bis 21. September, Di. und Do. 9-12 Uhr und 15-18 Uhr, So. 10-13 und 15-18 Uhr.

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