Auf den Ramblas um ihr Leben gerannt GMHütter Gymnasiastinnen erleben Terroranschlag hautnah

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Komplett abgeriegelt war am Donnerstag nach dem Anschlag der Zugang zur Flaniermeile in Barcelona, wie dieses Foto des Osnabrückers Kieran Mullins zeigt. Foto: Kieran MullinsKomplett abgeriegelt war am Donnerstag nach dem Anschlag der Zugang zur Flaniermeile in Barcelona, wie dieses Foto des Osnabrückers Kieran Mullins zeigt. Foto: Kieran Mullins 

Georgsmarienhütte. Auch Touristen und Gruppen aus dem Osnabrücker Raum sind am Donnerstag im Zentrum Barcelonas gewesen, als sich der Terroranschlag ereignete, bei dem mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen sind und rund 100 Passanten zum Teil schwer verletzt wurden. Zwei Schülerinnen des Gymnasiums Oesede haben dabei das schreckliche Geschehen auf der Flaniermeile Las Ramblas sogar aus unmittelbarer Nähe erlebt.

Seit Montag sind 51 zwischen 16 und 18 Jahre alte GMHütter Gymnasiasten aus vier Grundkursen des elften Jahrgangs sowie sieben Lehrer auf Kursfahrt in Barcelona. Schulleiter Ulrich Schimke: „Sieben Schülerinnen haben die freie Zeit am Donnerstagnachmittag für einen Ausflug auf die Ramblas genutzt und sind so zufällig direkt am Ort des Terroranschlags gewesen.“

Ein Lehrer hat am Freitagmorgen deutlich gemacht: „Die beiden Mädchen haben viel Glück gehabt. Sie waren an der Stelle, an der der immer noch nicht gefasste Fahrer des Miettransporters, der auf den Ramblas plötzlich in die Menschenmenge gerast ist, sich vom Tatort entfernt hat.“ Dabei seien auch Schüsse gefallen.

In einem Café in Sicherheit gebracht

Nach Angaben der Begleiter haben sich fünf der Mädchen in Geschäften aufgehalten, als der weiße Transporter plötzlich in die Menschenmenge gefahren ist. Zwei waren aber zu dem Zeitpunkt im bunten Treiben auf den Ramblas und haben die ausbrechende Panik direkt miterlebt. Die fünf anderen bekamen dagegen zunächst nur mit, dass von einer Sekunde auf die andere auf einmal Menschenmassen in Lokale und größere Läden drängten, um Schutz zu suchen.

„Das ist für die beiden, die sich unmittelbar auf der Flaniermeile befanden, schon eine sehr belastende Situation gewesen, denn sie sind in dem Moment wie alle anderen auch um ihr Leben gerannt und haben natürlich gesehen, dass da Tote auf der Flanierzone lagen“, beschreibt einer der Begleiter das Geschehen. Die Schülerinnen hätten sich dann in einem Café in Sicherheit gebracht.

Gegen 22 Uhr hat es endgültig Entwarnung gegeben, dass alle Kursfahrt-Teilnehmer wieder im in der Nähe des Fußballstadions Camp Nou gelegenen Hotel, in dem die GMHütter Gruppe untergebracht ist, zurück sind. Schulleiter Schimke: „Solange hat es gedauert, bis die sieben aus dem von der Polizei kurz nach dem Anschlag gegen 17 Uhr sofort komplett abgesperrten Zentrumsbereich wieder rausgekommen sind.“ Es habe aber während der gesamten Zeit Kontakt zwischen Schülern und Lehrern bestanden.

Auch die Eltern hätten direkt mit ihren auf den Ramblas festsitzenden Kindern telefonieren können. Schimke: „Das waren für alle natürlich aufregende Stunden. Aber wenigstens hatten wir schnell Gewissheit, dass allen nichts passiert ist.“

Ein Problem sei für die Gymnasiasten gewesen, überhaupt wieder zur Unterkunft zurückzukommen: „Die Metro hatte den Betrieb eingestellt, und es war äußerst schwierig, überhaupt ein Taxi zu bekommen.“ Das alles habe bei den Schülern Spuren hinterlassen.

Sofort Kontakt gehabt

Das Gymnasium Oesede ist von den Kollegen sofort am Donnerstag gegen 17 Uhr über die Lage in der katalanischen Metropole informiert worden. Danach hat es bis in die Nacht ständigen Kontakt gegeben. Lehrer und Schüler haben sich in Barcelona über „Whatsapp“ gegenseitig auf dem Laufenden gehalten.

So gab es innerhalb von 20 Minuten nach dem Anschlag auch schon die Gewissheit, dass niemandem aus der GMHütter Gruppe etwas passiert war. Einer der begleitenden Lehrer: „Wir wussten schnell, wo sich alle aufhalten, und sind am Ende sogar mit Fahrrädern in die Innenstadt gefahren, um den dort festsitzenden Schülerinnen zu helfen, ein Taxi zu bekommen.“

Wie chaotisch die Situation rund um die Ramblas am Donnerstagnachmittag war, hat auch der Osnabrücker Kieran Mullins hautnah miterlebt, der irische Vorfahren hat und sich seit einer Woche in Barcelona aufhält. Der 25-Jährige: „Wir wollten an dem Abend eigentlich nach Newcastle weiterfliegen und hatten unser Gepäck in einem Schließfach an den Ramblas gelegenen Placa Catalunya deponiert. Gegen 17 Uhr gab es dann plötzlich per Lautsprecher auf spanisch Durchsagen und dann sind alle angefangen zu rennen.“

Danach habe das öffentliche Leben bis rund 21.30 Uhr praktisch stillgestanden: „Metro, Busse oder Taxis – nichts ging mehr.“ Die Airline habe den Flug deshalb problemlos auf den nächsten Tag umgebucht.

Rückflug am Freitag

Am Freitagnachmittag werden auch die GMHütter Kursfahrt-Teilnehmer, die Anfang der Woche von Düsseldorf aus nach Barcelona geflogen sind, wieder den Rückflug antreten und am späten Abend in GMHütte zurückerwartet. Schulleiter Schimke: „So ist auch der ursprüngliche Zeitplan gewesen.“ Nach seinen Angaben wird in den kommenden Tagen auch sichergestellt, dass die Schülerinnen psychologische Begleitung bekommen, falls dies zur Verarbeitung der Ereignisse notwendig ist: „Dies geschieht über die Landesschulbehörde, die auch die ganze Zeit eingebunden war.“

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