Das Licht des Orients Bettina-Heinen-Ayech-Retrospektive in der Villa Stahmer



Georgsmarienhütte. Einen Querschnitt durch das über 60-jährige künstlerische Werk einer starken, couragierten Frau und expressiven Malerin zeigt gegenwärtig das Museum Villa Stahmer. Auf zwei Etagen sind farbstarke Aquarelle und großformatige Kohlezeichnungen von Bettina Heinen-Ayech ausgestellt.

In ihren Bildern, so Erster Stadtrat Karl-Heinz Plogmann in seinen Begrüßungsworten anlässlich der Ausstellungseröffnung am Sonntag, gehe es nicht um äußerliche Exotik, sondern um den Urgrund der Dinge und um Mitmenschlichkeit. Sie habe das Licht des Orients eingefangen, würdigte Haroun Ayech in einer kurzen biografischen Einführung das Schaffen seiner Mutter. In seiner Kindheit habe er sie oft begleitet, wenn sie die Landschaften Algeriens in ihren Aquarellen in aufwallend kräftigen Farben festhielt oder Porträts der Menschen ihrer Umgebung schuf. Heute ist Heinen-Ayech die wohl bekannteste Künstlerin Algeriens und auch international sehr geschätzt. Sie lebt seit 55 Jahren in dem nordafrikanischen Land und mehr als ein Kritiker urteilte: „Bettina malt Algerien“. Mehr aus Georgsmarienhütte im Netz  

Erwin Bowien

Die aktuelle Schau ist eine Retrospektive ihres Schaffens, das in früher Jugend in Solingen begann. Im Hause ihrer Eltern, die einen literarischen Salon unterhielten und mit dem Maler Erwin Bowien eng befreundet waren, machte sie schon als 13-Jährige mit temperamentvollen Bildern auf sich aufmerksam. Es folgten der Besuch der Kölner Werkschule sowie der Kunstakademien in München und Kopenhagen. Bereits in diesen frühen Jahren zeigte sie sich in ihrer Malerei eigenständig und autark, versagte sich den Mechanismen des Kunstbetriebs.

In Kairo erhielt sie ein sechsmonatiges Stipendium und entdeckte dort erstmals das Licht des Orients. Kurz nachdem sie ihn in Paris kennengelernt hatte, ging Bettina Heinen mit ihrem Mann Abdelhamid Ayech nach Algerien und wurde in seiner Heimatstadt Guelma sesshaft.

Malen im Freien

Erwin Bowien, der als erster ihre Begabung erkannte und förderte, blieb ihr wichtigster Lehrer und Freund. Wie ihm war ihr die Plein-Air-Malerei, das Malen im Freien, Bedürfnis. Ihr künstlerisches Ziel war es, die Technik der Aquarellmalerei so weit zu bringen, dass sie die Kraft eines Ölbildes und die Klarheit eines Aquarells in sich vereinige. Die Bilder in der Villa Stahmer dokumentieren diesen Weg.

Nicht zuletzt aus dem Phänomen, dass unter südlicher Sonne auch Aquarellfarben schneller trocknen als im Norden, entwickelte Bettina die Unverwechselbarkeit ihrer Handschrift. Der Oeseder Maler Robert Meyer, der wie stets bei Vernissagen in der Villa Stahmer der Künstlerin die Ehre gab, erläuterte, dass beim Aquarellieren äußerste Umsicht geboten sei, da allein schon die Materialstruktur Unachtsamkeiten – etwa bei Mischung und Auftrag der Farben – übelnehme. Über das Handwerklich-Künstlerische hinaus macht das Hindurchschimmern einer sehr persönlichen Eigenschaft, die Hermann Hesse für die wertvollste des Menschen schlechthin hielt, Bettinas Malerei unverwechselbar: Leidenschaftlichkeit im Eigensinn. Von den frühesten Gemälden bis hin zum Spätwerk spricht diese Haltung aus ihren Bildern, die ihr die Kraft gab, den Mainstream der eurozentrischen Kunstszene an sich vorüberziehen zu lassen.

Die sehenswerte Ausstellung ist bis zum 21. September zu sehen.


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