Petra-Stiftung bekommt 2. Standbein GMHütter Konrad-Sieker-Stiftung unterstützt Leukämiekranke

Vor dem Wohnhaus des im Februar verstorbenen Stifters Konrad Sieker: die Stiftungs-Vorstandsmitglieder Ansgar Pohlmann (Vorsitzender, M.), Christoph Averdiek-Bolwin (Kassenwart, rechts) und Geschäftsführer Heinz Schröder. Foto: PartonVor dem Wohnhaus des im Februar verstorbenen Stifters Konrad Sieker: die Stiftungs-Vorstandsmitglieder Ansgar Pohlmann (Vorsitzender, M.), Christoph Averdiek-Bolwin (Kassenwart, rechts) und Geschäftsführer Heinz Schröder. Foto: Parton

Georgsmarienhütte. Das ist ein Glücksfall passend zum Jubiläum 25 Jahre „Stiftung Hilfe für Petra und andere“, das am 4. November mit einem Festakt begangen wird: Der Anfang Februar verstorbene Oeseder Konrad Sieker hat als letzten Willen die Gründung einer Stiftung verfügt, die „Hilfe für Petra“ bei der Betreuung an Leukämie erkrankter Menschen unterstützen soll. Das Stiftungskapital: mehr als zwei Millionen Euro.

Die Geschichte, wie die neue Konrad-Sieker-Stiftung entstanden ist, zeigt wieder einmal: Die Arbeit von „Hilfe für Petra und andere“ ist zu einem Markenzeichen geworden und hat durch die bis heute 250 Typisierungsaktionen und in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten ermittelte 1078 Stammzellspender für großes Ansehen und Vertrauen gesorgt. Ansgar Pohlmann, der Vorsitzende der Petra-Stiftung: „Die neue Stiftung gibt uns die Möglichkeit, künftig an Leukämie erkrankten Menschen auch bei der Lösung ihrer finanziellen Alltagsprobleme zu helfen, ist aber auch eine große Herausforderung.“

Stiftungskapital: 1,7 Millionen und 2 Immobilien

Rund sieben Jahre liegt der erste Kontakt zurück, der schließlich zur Gründung und der Übertragung eines Vermögens von rund 1,7 Millionen Euro, die auf Bankkonten angelegt waren, sowie zweier bebauter Grundstücke geführt haben. Mitte 2010 hatte der nach einem Schlaganfall hörunfähige Mann, der als eigenwillige Persönlichkeit in Oesede bekannt war und im von seinem Großvater gebauten Bauernhaus am Südring 41 direkt neben dem Parkfriedhof wohnte, den Kontakt mit Stiftungs-Geschäftsführer Heinz Schröder gesucht. Der Hintergrund: Er wollte sich über die Stiftungsarbeit und eine mögliche Zustiftung informieren.

Der ehrenamtlich die Verwaltungsarbeiten und Aktivitäten koordinierende Kloster Oeseder, der damals noch nicht pensioniert war und Sieker auch durch seine Jahre als Ordnungswesen-Fachbereichsleiter kannte, erinnert sich noch genau an das damalige Treffen: „Das war ein sehr schwieriger Termin, da ich alles aufschreiben musste, weil Sieker ja taub war. Es war nur möglich, sich per handschriftlicher Notizen mit ihm zu verständigen.“ Der lückenlos dokumentierte Austausch zwischen Sieker und Petra-Stiftung hat am Ende vier dicke Aktenordnung gefüllt.

Das Interesse des potenziellen Spenders, der keine direkten Nachkommen hat und eine Möglichkeit suchte, mit seinem Erbe etwas Gutes zu tun, an der Petra-Arbeit war groß. Aber er wollte nicht Typisierungsaktionen finanzieren, sondern sein Geld einsetzen, um schwerleidenden Leukämiekranken bei der Bewältigung ihrer Alltagsnöte zu helfen. Die ursprüngliche Idee einer Zustiftung für „Petra für Hilfe und andere“ wurde deshalb von Sieker schnell verworfen.

Aber eins muss den Mann, der in seinem Umfeld den Ruf hatte, sehr sparsam zu sein und in D-Mark-Zeiten auf den Pfennig beziehungsweise seit dem Euro auf den Cent zu achten, wohl beeindruckt haben: Dass Beirat und Vorstand der Petra-Stiftung von Beginn auf ehrenamtlicher Basis tätig sind und noch nicht einmal Aufwandsentschädigungen erhalten. Weniger als ein Prozent der Spendensummen werden deshalb für Verwaltungskosten aufgewendet, sodass alle Beträge nahezu komplett dem Stiftungszweck zugute kommen.

Eigene Stiftung favorisiert

Es entstand dann die Idee, eine eigene Konrad-Sieker-Stiftung einzurichten. Bereits früh, im September 2010 hat er den Vorschlag eines eingeschalteten Notars aufgegriffen, die zu gründende Stiftung als Alleinerbin vorzusehen. In den Akten findet sich aus dem Jahr auch ein Schriftstück mit einem handschriftlichen „Mein letzter Wille“.

Zwischenzeitliche Krankheitsphasen und notwendige Krankenhaus-Aufenthalte führten dazu, dass der Termin für ein notariell beurkundetes Testament erst im März 2012 erfolgte. Schröder hatte auch anschließend lange Zeit regelmäßigen Kontakt mit Sieker, der zweimal die Woche eine Tagespflege-Einrichtung in Kloster aufsuchte.

Doch seit 2016 hat es solche Treffen nicht mehr gegeben. Nach dem Tod des 83-Jährigen wurde die Erbsituation durch das Amtsgericht Bad Iburg geklärt. Neben Geldvermögen in Höhe von rund 1,7 Millionen zählen auch zwei Grundstücke mit Immobilien zum Nachlass, der in die Stiftung eingebracht wird – wie es Sieker am 21. März 2012 in einem versiegelten Umschlag hinterlegten Testament verfügt hatte.

„Da ist uns ein neues Projekt in Form einer neuen Stiftung und eine große Verantwortung zugefallen“, ist sich der „Hilfe für Petra-Vorsitzende Ansgar Pohlmann bewusst, dass einiges zu leisten sein wird, um den letzten Willen mit Leben zu füllen. Denn im Sinne Konrad Siekers zu handeln, heißt „regional im Raum Osnabrück“ ein Aufgabenfeld wahrzunehmen, dass bisher nicht von „Hilfe für Petra“ abgedeckt wird: Die Gewährung von Lebenshilfen „für leukämiekranke, leukämiebetroffene, leukämiegeplagte, leukämieleidende, von Leukämiefällen oder ähnlich schweren Krankheiten betroffenen Menschen“.

Der derzeitige Beiratsvorsitzende von Petra- und Konrad-Sieker-Stiftung, Prof. Matthias Hüdepohl: „Diese soziale Seite der Krankheit ist eine große Herausforderung. Wir können hier zum Beispiel jetzt helfen, wo Kassen nicht eintreten können.“ Hier besteht zum Beispiel für Ärzte oder Einrichtungen künftig die Möglichkeit, sich bei ihnen bekannten Problemfällen in der Region direkt an die Stiftung zu wenden, damit diese Menschen unbürokratisch finanzielle Unterstützung bekommen können, um ihr Schicksal zu erleichtern.

Kontakt zur Konrad-Sieker-Stiftung

Ansprechpartner ist Geschäftsführer Heinz Schröder, der über das „Hilfe für Petra und andere“-Büro im GMHütter Rathaus (Zimmer 156) unter der Telefonnummer 05401/850156 oder unter der Mail-Adresse hilfe-fuer-petra@georgsmarienhuette.de erreichbar ist.

Vorstand und Stiftungs-Koordinator sind derzeit vor allem damit beschäftigt, die weitere Verwendung der beiden Immobilien zu klären. Ziel ist es, beide Grundstück so zu nutzen, dass die Stiftung weiter regelmäßige Einnahmen hat. Schröder: „Nur so ist zu gewährleisten, dass die Stiftung noch lange im Sinne Konrad Siekers wirken kann.“ Erklärter Wille des Stifters sei es, das Elternhaus für ehrenamtliche Zwecke zu erhalten.


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