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9-Jährige wieder Zuhause Operation geglückt: Leoni kann Weihnachten in GMHütte feiern

Von Anne Spielmeyer | 24.12.2015, 08:15 Uhr

Noch bevor das Christkind überhaupt da war, kann Leoni aus GMHütte einen Herzenswunsch vom Wunschzettel streichen: „normaler Arm“. Ihre Operation ist erfolgreich verlaufen, die Gefäßfehlbildung an ihrem linken Arm vollständig entfernt. Ende gut, alles gut?

Bei Familie Kemper in Georgsmarienhütte knistert das Idyll: Während im Wintergarten bereits der Tannenbaum geschmückt wird, sitzt Leoni vorm Ofen und krault Katze Luna. Dass sie bereits einige Tage vor Weihnachten hier sitzen würde, hätte niemand erwartet. Dass sie ausgerechnet mit ihrer linken Hand eine Katze streichelt, schon gar nicht.

„Wieder ganz normal“

Denn noch vor wenigen Wochen hatte die 9-jährige Leoni wegen einer angeborenen Gefäßfehlbildung eine ausgeprägte, schmerzende  Schwellung am linken Arm. Während andere Kinder ärmellos Sport treiben konnten, trug Leonie eine Armsocke. Nach 21 erfolglosen Operationen unter Vollnarkose brachte ihr der 22. Eingriff im Dezember in einer Hamburger Spezialklinik Besserung: „Mein Arm wird wieder ganz normal“, nennt Leoni das Ergebnis des fünfstündigen Operationsmarathons . Pflaster und Fäden an ihrem Oberarm künden jetzt noch von dem komplizierten Eingriff, bei dem die Gefäße vorsichtig von Muskeln und Nerven getrennt werden mussten.

Schönstes Weihnachtsgeschenk – dank Spenden

Irgendwann wird nur noch eine 15 Zentimeter lange Narbe von der Odyssee erzählen, die Leonie seit ihren zweiten Lebensjahr bestritten hat. „Das reicht auch“, findet Mutter Sabrina Kemper, der mit ihrem geheilten Kind das schönste Weihnachtsgeschenk vor dem Fest gemacht wurde. „Ich kann es noch gar nicht richtig fassen“, sagt die 30-Jährige. „Und ich möchte mich herzlich bei allen Spendern bedanken.“ Mehr als 10 000 Euro sind über Spendenwillige aus der Region Osnabrück zusammengekommen, nachdem bekannt geworden war, dass die Barmer GEK die Kosten für den Eingriff nicht tragen würde. Kaum zu glauben, dass das Glück manchmal käuflich ist.

Muskel dünn wie ein kleiner Finger

Der Spezialist in Hamburg habe gestaunt, was Leoni überhaupt noch alles mit ihrem kranken Arm gemacht habe. „Der Muskel im Oberarm ist nur noch so dünn wie ein kleiner Finger“, berichtet die Mutter. Ein Defizit, das mit Krankengymnastik wieder aufgeholt werden kann. „Auch der Nerv ist noch beleidigt“, beschreibt die Mutter Sensibilitätsstörungen und Bewegungsschwierigkeiten in der Hand. „Ich kann aber schon wieder so machen“, sagt Leoni und kippt ihre Hand auf Lunas Kopf. Seitlich kippen geht, feste zugreifen noch nicht. „Es wird immer besser“, sagt die 9-Jährige, die kräftig trainiert – beim Griff nach dem Joghurtbecher oder beim Kartenspiel mit ihren Geschwistern.

Grüße von den Mitschülern

Die siebenjährigen Zwillinge Anakin und Phoebe waren in den vergangenen Wochen Botschafter für ihre große Schwester. Sie haben Wichtelgeschenke und Grüße von der Graf-Ludolf-Schule aus Kloster Oesede nach Hamburg und von dort wieder zurückgebracht. „Alle haben mir geschrieben“, sagt Leoni stolz und blättert durch einen Stapel bunter Bilder. Aufmerksamkeit im DIN A 4-Format. Leoni im Bett – falsch, und Leoni auf der Wiese – richtig, zeigen die Bilder genauso wie Pokemon-Figuren, Schmetterlings-Schwärme und Tannenbäume. „Ohne dich sind wir nicht vollständig“, steht da. Auch die ehemaligen Mitschüler aus Hilter haben sich gemeldet. „Ich bin froh, wenn ich wieder zur Schule gehen darf“, sagt die 9-Jährige.

Venöse Malformation

Genauso wenig wie einen Schulalltag ohne Unterbrechung durch Ergotherapie oder Klinikaufenthalte kennt Leoni einen Kleiderschrank ohne Klamotten in Übergrößen für den geschwollenen Arm.  „Das ist jetzt ein Schritt in die Normalität“, sagt die Mutter. Aber nicht ohne Wermutstropfen sagt sie das: Denn anders als die behandelnden Ärzte am Uniklinikum in Münster spricht der Hamburger Spezialist nicht von einem Hämangiom, einem embryonalen Tumor . Er nennt Leonis Krankheitsbild in seinem Bericht eine „angeborene, venöse Malformation“. „Das habe ich noch nie vorher gehört“, sagt Mutter Sabrina Kemper. Manchmal sind diese beide Arten der Gefäßfehlbildung nicht klar voneinander abzugrenzen, heißt es in Fachforen.

Wermutstropfen

„Waren die 21 erfolglosen Laserbehandlungen bei unserer Tochter womöglich Fehlbehandlungen?“, fragt sich die Mutter nun. Eine unangenehme Vorstellung, die sie nicht mit unter den Tannenbaum nehmen will. Aber eine, der sie vielleicht im Neuen Jahr nachgeht. „Jetzt feiern wir erst einmal Weihnachten“, sagt sie und hofft, dass auch der Wermutstropfen irgendwann verdunstet. Denn ob Hämangiom oder Malformation – „wiederkommen kann Leonis Fehlbildung nicht.“