Zeidler-Einsatz für Bienen Klotzbeute steht am Hof Krause in Holsten-Mündrup

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Georgsmarienhütte. Die Bienen werden es ihnen danken: Waldbesitzer Hans-Ulrich Krause und seine Lebensgefährtin Kerstin Brenninkmeijer ließen am Samstag in einem Waldstück des Hofes Krause in Holsten-Mündrup einen Natur-Nistplatz für Honigbienen aufstellen. Installiert wurde die sogenannte Klotzbeute von der „Bienenbotschaft“.

Mit viel Kraft und Hilfe eines Frontladers hievten die Bienenbotschafter Antonio Gurliaccio und Moses Mrohs die Klotzbeute, den ausgehöhlten Abschnitt eines Baumstammes, auf die Holzplattform. Dort, in einer Höhe, in der Bienen natürlicherweise Nistplätze suchen, soll sie nun Behausung für Bienenschwärme werden.

Relikt des Mittelalters

„Klotzbeuten sind ein Relikt des mittelalterlichen Zeidlerhandwerks. Die Zunft der Zeidler sammelte Honig von wilden oder domestizierten Bienen in den Wäldern. Anders als der Imker im heutigen Sinne hielt der Zeidler die Bienen nicht in gezimmerten Bienenstöcken oder Bienenkörben, sondern in hohlen Bäumen“, erklärten die Bienenbotschafter zuvor der interessierten Gruppe, die das Aufstellen der Klotzbeute gespannt begleitete.

Antonio Gurliaccio und Moses Mrohs aus Karben bei Frankfurt am Main, früher Eventmanager, sind heute als Bienenbotschafter im Auftrag der Bienenkönigin unterwegs. Der Film „More than Honey“, über das weltweite Bienensterben, bewegte sie 2012 derartig, dass sie sich entschlossen Bienen zu helfen. Antonio ließ sich zum Imker ausbilden und erlernte die Zeidlerpraxis in Polen, wo die Naturschutzorganisation WWF seit 2007 in einem Projekt die in Russland überlebte Zeidlertradition wieder einführt.

Im Zeichen der Zeidlerei

Als Bienenbotschafter verbreiten Antonio und Moses nun das Wissen über Zeidlerei angereichert mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Honigbiene. „Diese ursprüngliche Art des Imkerns, entspricht am ehesten den von Honigbienen selbst gewählten Bedingungen“, betonen die beiden.

Sie brennen für ihre Mission, und wissen ihre Zuhörer für das Problem der Bienen zu sensibilisieren. Mit viel Emotion und gekleidet in mittelalterliche Zeidlertracht, berichteten sie am Samstag auf Hof Krause vom enormen Bienensterben 2016. 50 Prozent aller Bienenvölker hätte Deutschland im vergangenen Jahr verloren. Schon in den Vorjahren gab es einen Negativ-Trend von rund 13 Prozent.

Nachhilfe für Zuchtbienen

Klotzbeuten können das Bienensterben verringern, davon sind die Bienenbotschafter überzeugt. Viele Naturschwärme gingen heute zugrunde, weil sie keine geeigneten Nistplätze, keine alten ausgehöhlten Bäume mehr vorfänden. Und die über lange Zeit an vorgefertigte Bienenkästen gewöhnten domestizierten Honigbienen müssten das Schwärmen erst wieder lernen.

So müssen Imker, die ihren Bienen Klotzbeuten anbieten, diesen in den ersten Generationen durch Einfangen helfen, zu ihrer Behausung zurückzufinden, auch indem sie Waben oder Zitronenmelisse als Lockstoff in die Baumhöhle einsetzen. Langfristig fördern Klotzbeuten laut den Experten die Gesundheit der Bienen, ihre Schwarmintelligenz, die natürliche Selektion sowie Varroatoleranz.

Anregung von der Ippenburg

Mit ihrer Aktion möchten die Initiatoren das Bewusstsein für das Wohlergehen und den Erhalt der wichtigen Bestäuberinsekten wecken. Hans-Ulrich Krause und Kerstin Brenninkmeijer trafen die Bienenbotschafter im vergangenen Jahr beim Fest auf Schloss Ippenburg und waren begeistert von der traditionellen Art, Bienen zu halten und ihren bedrohten Bestand zu fördern.


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