Downhill am Dörenberg Polizei kontrollierte erstmals an drei Strecken

Von Frank Muscheid

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Georgsmarienhütte. Rund 230 illegale Strecken oder „Trails“ für Mountainbike-Abfahrten soll es im Landkreis zwischen Hüggel und Hilter geben. An drei Strecken am Dörenberg haben Landkreis, Polizei und Förster am Samstag sechs Abfahrer angehalten. Ihnen drohen Bußgelder.

Von 10 bis 13 Uhr dauerten die polizeilichen Kontrollen beim Forsthaus Oesede in Privatwald sowie im Landesforst am Herrenrest und parallel zum „Zickzackweg“ am Südhang. Weitere Downhiller seien danach gesichtet worden. „Es war viel los“, so Hartmut Escher, Fachdienstleiter Umwelt des Landkreises. Er kündigte weitere unregelmäßige Kontrollen an, wolle aber auch mit Waldbesitzern und den Downhillfahrern die Entwicklung legaler Strecken voranbringen. Diese erste Kontrolle sei als Botschaft an die Downhill-Szene gedacht, um deutlich zu machen, dass regelmäßig gegen Waldgesetz, Naturschutzgesetz und Landschaftsschutz verstoßen werde. Und Schäden entstünden. Die erläuterte einer der beiden seit 1. März über Terra-Vita eingestellten Gebietsmanager, Michael Siefker: Würden offenliegende Wurzeln beschädigt, befallen Faulpilze die Bäume, das Holz verrotte, ein wirtschaftlicher Schaden. Der Boden an den Strecken erodiere stärker, das Wild könne sich nicht mehr in betroffene Jungbaumbestände, zugleich deren Kinderstube, zurückziehen.

Kontrolle an beliebten Routen

Ausgewählt worden seien drei besonders häufig befahrene Routen, dort gebe es gut sichtbare Verbotsschilder, erklärte Escher. Während Landkreis, Polizei und Förster ein positives Fazit der Aktion zogen, waren die ertappten Biker weniger erfreut: Eine Vierergruppe aus dem Münsterland habe den Polizeiausweis verlangt und von „Schikane“ gesprochen, während zwei Meller am Nordhang gesprächsoffen waren, als Ralph Gras, Leiter Einsatz und Streifendienst in Georgsmarienhütte, bei seiner ersten Kontrolle im Wald die Personalien aufnahm. „Wir sind als Kind schon gefahren, die normalen Strecken werden immer langweiliger“, sagte einer der Biker. Diese Strecke sei ihnen seit 20 Jahren bekannt. Einer begrüßte eine legale Strecke. „Hier könnte ich mir ein komplettes Trail-Center vorstellen, wie wir es in Winterberg oder Willingen haben. Wenn zwei, drei Strecken befahren und ausgebaut werden, finde ich das vollkommen in Ordnung. Die müssen dann natürlich auch interessant gehalten werden.“

Waldgenossenschaft: Wald keine Arena

Insgesamt etwa 60 illegale Strecken gibt es am Dörenberg, es kämen auch neue dazu, Routen verlagerten sich dynamisch, sagte Friedrich Gleissner, Bezirksförster für den Privatwald in der Nähe des Forsthauses. An schönen Wochenenden seien hunderte Downhiller unterwegs. Der Sport etabliere sich zunehmend, beobachtet auch Johannes Meyer zum Alten Borgloh, Vorsitzender der Waldgenossenschaft Osnabrück-Süd mit rund 1900 Mitgliedern, die 9200 Hektar Wald bewirtschaften. Der Wald könne keine „Arena für Randsportarten“ sein, und es sei Aufgabe der Radfahrer, eine legale Strecke zu organisieren. „Das wir dafür bereit sind, haben wir mehrfach gesagt.“ Der Betreiber müsse garantieren, „dass in den Nachbarwaldstücken das Fahren unterbleibt“. Er schätze, „das ist eine Herkulesaufgabe“. Waldarbeiten seien schwierig, „wenn da plötzlich jemand runtergesaust kommt“. „Wir wären bereit, Downhill zu ermöglichen“, sagte auch Ulrich Zeigermann, Leiter des Niedersächsischen Forstamts Ankum für die Landesforsten. Gescheitert sei es bisher daran, jemanden zu finden, der die Haftung für eine legale Strecke übernehme.

Bußgelder von 100 Euro möglich

„Personalien aufnehmen darf nur die Polizei“, so Escher. „Wir leiten mit den Daten ein Ordnungswidrigkeitsverfahren mit Anhörung ein“, vorgesehen seien Bußgelder von 100 Euro. Denn die Informationsaktion vor einigen Jahren sei wirkungslos gewesen. „Heute wollen wir deutlich machen: So geht es nicht weiter.“ Das sah auch CDU-Landespolitiker Martin Bäumer so, der dazu eine Anfrage im Landtag gestellt hatte. Waldwirtschaft und Downhiller dürften nicht mit zweierlei Maß gemessen werden, der Staat müsse Grenzen ziehen, mit der Option legaler Strecken. Für gute gegenseitige Umgangsformen plädierte Karl-Heinz Brunemann, Waldbesitzer am Musenberg. Der Vorwurf, dass sich die Waldbesitzer Gesprächen entziehen und „fadenscheinige Argumente“ vorbringen, sei nicht haltbar. Im Internet gebe es von der Gegenseite zahlreiche „Shitstorms, anders kann man es nicht bezeichnen“. Er entferne inzwischen regelmäßig Aufbauten, habe mehrfach mit Downhillern gesprochen und seine Kontaktdaten mitgegeben: „Angerufen hat mich nie jemand.“

Verschiedene legale Modelle

Laut Niedersächsischem Waldgesetz handelt ordnungswidrig, wer „mit einem Fahrrad in der freien Landschaft außerhalb von Wegen fährt“. Routen hangabwärts in einem Gebiet selber erschließen und bewältigen – das sei der Anspruch beim Downhill-Fahren, so Gleissner. Eine legale Strecke in der Region könne daher nur eine Teillösung sein. Auch Siefker befürchtet: „Eine legale Strecke wird langweilig.“ Und könnte noch mehr Downhiller ins Gebiet holen, die dann auch illegale Strecken nutzen. Für Escher ist daher ein Korridor denkbar, der variable Abfahrten ermögliche. Und diesen nach einigen Jahren zu wechseln: „Wir wollen ja keine dauerhaften Schäden.“ Das setze aber auch feste Ansprechpartner und eine Selbstorganisation der Downhillerszene voraus, die bislang „diffus“ und „kaum greifbar“ sei.


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