Tschechische Gastschüler Schule und Berufswelt in GMHütte kennenlernen


Georgsmarienhütte. Seit 25 Jahren gibt es einen Schüleraustausch zwischen dem Gymnasium Oesede und dem Jiráskovo-Gymnasium im tschechischen Náchod. Von dort kommen pro Jahr bis zu drei Schüler in die Hüttenstadt.

Aktuell drücken Nela Voborniková und Stepan Skoda die Schulbank im Oeseder Gymnasium. Für das komplette Schuljahr besuchen sie die zehnte Klasse und wohnen in Gastfamilien.

Waldbühne

Der Einstieg im August letzten Jahres verlief bei den beiden 17-Jährigen unterschiedlich. Während Nela trotz mehrjährigem Deutschunterricht in Tschechien zunächst noch hier und da einige Probleme beim Verstehen hatte, stieß Stepan auf keine Sprachbarrieren. Seine Deutschkenntnisse entwickelte er nämlich nicht nur im Gymnasium von Náchod. Auch seine Mutter half als Deutschlehrerin, dass der Filius mit dem Erlernen dieser Sprache gut vorankam. In Kloster Oesede spielte Stepan im Winter dann schon auf der Waldbühne den Vater von Rapunzel, den Zauberspiegel und einen Zwerg. Mehr aus Georgsmarienhütte im Netz  

Groß ist seine Leidenschaft für Literatur: Er mag die Bücher von Terry Pratchett und hat auch schon eigene Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben. Bei der Berufswahl ist Stepannoch unschlüssig. „Entweder Jura oder Journalismus.“ In der Medienbranche wird er demnächst ein Praktikum absolvieren: Im Rahmen seines Pflichtpraktikums wird er in der Politik-, Wirtschaft- und Kulturredaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung reinschnuppern.

Physiotherapie

Nela dagegen zieht es in den Gesundheitsbereich. Nach einer Knieverletzung beim Sport lernte die passionierte Basketballspielerin eine Physiopraxis kennen. „Ich fand das dort so gut, dass ich mich gleich für ein Praktikum beworben habe.“ Eine physiotherapeutische Ausbildung kann sie sich auch nach dem Abitur in Tschechien vorstellen.

Wirkliches Heimweh haben die beiden nicht. Während Stepan Knödel vermisst, ist es bei Nela neben der Schwester auch der Hund. Beide würden das einjährige Schuljahr in Deutschland uneingeschränkt weiterempfehlen. „Es bringt einem persönlich sehr viel“, sagt Nela.

Einbahnstraße

Dass eher junge Tschechen ein Gastschuljahr in Deutschland absolvieren als umgekehrt, ist für Schulleiter Thomas Rohm vom Oeseder Gymnasium einfach zu beantworten. „Es gibt für die deutschen Schüler wenig Anreize, Tschechisch zu lernen.“ In den 25 Jahren seit Bestehen des Schüleraustausches seien höchstens drei deutsche Schüler für ein Jahr in Náchod gewesen.

Für das kommende Schuljahr sucht Rohm Gasteltern für die neuen tschechischen Schüler nach Nela und Stepan. Melden kann man sich bei ihm per Telefon: 05401-40225.


„Deutsch-tschechischer Zukunftsfonds“

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds mit Sitz in Prag wurde von Deutschland und Tschechien 1997 mit einem Anfangskapital von 85 Millionen Euro gegründet. Ziel ist, Brücken zu bauen zwischen Deutschen und Tschechen. Der Fonds fördert gezielt Projekte, die Menschen beider Länder zusammenführen und Einblicke in die Lebenswelten, die gemeinsame Kultur und Geschichte ermöglichen und vertiefen. Unterstützt werden auch die Schüler, die sich für ein Gastschuljahr im jeweils anderen Land entschieden haben. Rund 1000 Euro gibt es für Schulbücher, Klassenfahrten und die Fahrten nach Hause.

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