Interreligiöses Gespräch Christen und Muslime in GMHütte im Gespräch

Von Stefan Buchholz

Friedliches Miteinander trotz Verschiedenheit? Darüber sprachen in Holzhausen Imam Redzo Sekic (von links) , Pastoralreferent Michael Göcking, Moderator Alyos Lögering, Pastorin Helga Krumwiede, Studentin Nuray Nifci und die Korangelehrte Mariem Dhouib. Foto: Stefan BuchholzFriedliches Miteinander trotz Verschiedenheit? Darüber sprachen in Holzhausen Imam Redzo Sekic (von links) , Pastoralreferent Michael Göcking, Moderator Alyos Lögering, Pastorin Helga Krumwiede, Studentin Nuray Nifci und die Korangelehrte Mariem Dhouib. Foto: Stefan Buchholz

Georgsmarienhütte . Wie ist es um das aktuelle Verhältnis von Christen und Muslimen bestellt? Dieser Frage wollten Vertreter beider Weltreligionen in Holzhausen auf den Grund gehen. Wirklich tief – so der Eindruck - kamen sie dabei nicht.

Schließlich wirkt das von der einladenden Kolpingsfamilie formulierte Thema „Christen und Muslime im Gespräch: Glaube, Menschenbild und Weltauftrag – Friedliches Miteinander trotz Verschiedenheit? Gibt es Brücken zwischen Christen und Muslimen?“ nicht nur auf dem Papier ein wenig sperrig. Entsprechend wurde es gleich zu Beginn schwierig: Iman Redzo Sekic von der Bosnisch-Islamischen Gemeinde in Bochum dozierte auf sehr hohem theologischen Niveau über das, was den islamischen Gott ausmacht. Zusammengefasst: Allah präsentiert sich im Koran als ein Gott der Barmherzigkeit.

Pastorin Helga Krumwiede von der Apostelgemeinde Sutthausen präsentierte die christliche Sicht. Ein Unterschied zum Gott des Islam: Neben einem eher vertrauteren Zugang zu ihrem Gott, wie ihn Krumwiede offenbarte, gilt jener in einer Person mit Jesus als Christus und dem Heiligen Geist als dreifaltig. Was viele Christen schon überfordert – ein Gott in drei Personen – ist für gläubige Muslime ein theologisches Konstrukt, das als genau die Vielgötterei missdeutet werden kann, die der Islam strikt ablehnt. Für Christen gebiete es zudem: „Das unversehrte Erhalten von Körper und Gesundheit des Nächsten und den Frieden miteinander aufrechtzuhalten“, verwies Krumwiede ausdrücklich auch auf das neue Testament.

Selbstbewußte Muslime - verunsicherte Christen

Aus den Höhen der Theologie führte Michael Göcking zuück in den Alltag, seinen Alltag. Der Pastoralreferent und Religionslehrer schilderte, wie selbstbewusste Muslime mit verunsicherten, weil dem Glauben entwöhnten Christen im Unterricht diskutierten. Immerhin: Das gegenseitige Sprechen, etwa über das Befolgen oder nicht Befolgen von religiösen Vorschriften, sei für beide Seiten ein Gewinn, meinte Göcking. „Wenn auf diese Weise das Befragen von Gegensätzen gelingt, ohne uns zu beleidigen oder zu schlagen, ist das doch ein guter Schritt.“ Wie aber funktioniert das jenseits von Unterricht?, fragte Göcking. Zumal die Bibel zwar Heilige Schrift sei, aber – mit Blick auf die Schöpfungsgeschichte – auch von vielen Christen nicht wörtlich interpretiert wird.

Wie auslegbar aber ist der Koran?

Dann: Während die Bibel ein Buch über Gott ist, versteht sich der Koran als Gottes Wort. Das macht das deuten schwieriger. Trotzdem: „Seit 1400 Jahren ist im Islam klar, dass der Zugang des Menschen zu diesem Text ein relativer ist. Und dass es unheimlich viel Spielraum gibt, wie man ihn verstehen kann“, betonte Martin Kellner vom Institut für islamische Theologie Osnabrück.

Geschwisterliches Miteinander

Von einem „geschwisterlichen Miteinander“ der christlichen und muslimischen Hochschulgemeinden berichtete die Studentin Nuray Cifci. Man spreche dabei über viele Fragen. Für Pastorin Krumwiede offenkundig zu viel „Friede, Freude, Eierkuchen“, wie sie sagte: „Kommen bei diesen Dialogen gar keine Fragen nach den Attentaten oder warum hackt man in Ländern, wo der Islam Staatsreligion ist, Menschen die Hände ab?“

Religiöse Bindungsprobleme

Hier sprang die Koranlehrerin Mariem Dhouib der Studentin zur Seite. Sie sei erstaunt, dass von einer Pastorin so wenig differenziert werde zwischen dem Glauben und dem, was Menschen tun, so Dhouib. „In jedem Glauben gibt es Leute, die gegen den Glauben handeln oder ihn missbrauchen.“

Muslime seien zweifach betroffen. Zum einen als Opfer der Attentate, zum anderen würden sie im Westen als potentielle Attentäter angesehen. Dhouib machte ein religiöses Bildungsproblem innerhalb der Muslime aus: Wüssten Sie um das, was der Islam bedeute, würden sie erst gar nicht zur Gewalt greifen. Die Brücken sind also da, für Dhouib gibt es das vom Veranstalter thematisierte “friedliche Miteinander trotz Verschiedenheit.“