Von Häusern und Menschen Heimatverein Kloster Oesede erforscht Geschichte der Klosterstraße

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Georgsmarienhütte. Ein Stahlarbeiter, der vor über 100 Jahren zur Schere greift und einen Frisiersalon eröffnet, ein Hut und Putzmacher, der zu seien Kunden auch das Osnabrücker Theater zählte, die Klosterstraße in Kloster Oesede birgt viel Geschichte und viele Geschichten.

Der Heimatverein Kloster Oesede beleuchtet regelmäßig die Vergangenheit des Ortes entlang der alten Straßen, zuletzt der Klosterstraße. Gertrud und Josef Sielschott hatten in Gesprächen mit den Anwohnern und anhand historischer Fotografien und Dokumente einen Bild-Vortrag erarbeitet, den sie mit großem Erfolg zunächst bei einem Frühstück vor rund 50 Gästen und bei einem Wiederholungstermin vor nochmals 30 interessierten Zuhörern hielten.

Dabei klammerten sie Kloster und Konvent, von dem die Straße ihren Namen hat, mit Verweis auf das Frühjahr zunächst aus und konzentrierten sich auf die Häuser, die nach der Veräußerung von ehemaligem Klostergelände durch die Klosterkammer an Privatleute, sogenannte Neubauer, im Jahr 1870 nach und nach errichtet wurden.

Manufaktur und Maas-Geschäft

Auffallend ist, dass in jedem Haus an der Klosterstraße ein Geschäft geführt oder ein Gewerbe ausgeübt wurde. Im Haus Haunert, einem der ältesten, führte nachweislich schon 1887 der aus Borgloh stammende Schneider Bernhard Pelle sein „Manufaktur und Maas-Geschäft“. Oberbekleidung verkaufte auch sein Nachfolger, der „dicke Henne“, der zudem als Besitzer des zweiten Automobils in Kloster Oesede in Erinnerung geblieben ist. Ihm folgte die Familie Haunert, die zunächst ein Hut- und Putzmachergeschäft betrieb, dessen gewagte Kreationen auch vom Osnabrücker Theater geschätzt worden sein sollen, zum Beispiel für das Musical My Fair Lady. Von 1951 bis 2001 führte Anneliese Haunert ein Haushaltswarengeschäft, heute befindet sich hier das „Anglerparadies“.

Stahlarbeiter bei Stahmer

Im Nachbarhaus, das 1938 gebaut wurde, waren anfangs viele junge Damen in der Schneiderei und dem Geschäft von Josef Niemann beschäftigt. Etwas höher entstand das Friseurgeschäft Vogelsang. 1911 hatte Matthias Vogelsang, eigentlich Stahlarbeiter bei Stahmer, angefangen, nebenberuflich Haare zu schneiden. Sein Sohn Bernhard und dessen Töchter sowie Enkeltöchter setzten die Tradition des Hauses fort, so dass vor fünf Jahren das hundertjährige Geschäftsjubiläum gefeiert werden konnte.

Das Haus des heutigen Malergeschäfts Schriewer wurde wohl 1916 erbaut, in unmittelbarer Nachbarschaft des alten Kloster-Hühnerstalls, der an die Klosterpforte angelehnt war. Bauherrin war eine Hebamme, die in erster Ehe Schweer hieß, in zweiter Schriewer. Neben zahlreichen fremden brachte sie sieben eigene Kinder zur Welt.

Dem Holz-Handwerk treu geblieben

Ein früher Neubauer war der Zimmermann Friedrich Frankenberg, der auf der Ostseite der Klosterstraße Fachwerkhäuser baute. So ist nachweislich der Hof Teupe von ihm gebaut worden. Vier Generationen der Frankenbergs blieben dem Holz-Handwerk treu, die fünfte und sechste Generation lebt auch noch auf dem Grundstück, hat sich beruflich aber anderweitig orientiert.

Ein wichtiger Treffpunkt für Kloster Oeseder Kirchenchor-Sänger und Kolpinger war die Gaststätte Rottmann. August Rottmann kaufte das Haus 1927 am Tag der Geburt seines Sohnes Johannes, vielen als „Bonnie“ bekannt. 2010 wurde die Gaststätte geschlossen.

Kriegerdenkmal für 63 Gefallene und Vermisste

In unmittelbarer Nähe zum Kloster erbaute die Gemeinde nach dem Ersten Weltkrieg ein Kriegerdenkmal für 63 Gefallene und Vermisste. Das Denkmal mit der Figur des auferstandenen Christus - vom Osnabrücker Bildhauer Ludwig Nolde geschaffen – wurde 1962 auf den Waldfriedhof versetzt. Die Einweihungsfeier Ende Oktober 1927 mit Pfarrer, Gemeindevorsteher, Schulkindern, Kirchenchor und Vereinsvertretern dauerte immerhin zwei Stunden und war der Tageszeitung einen ausführlichen Bericht wert.


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