Premiere des Winterstücks der Waldbühne Märchenmischung aus schrägen Grimms-Krams

Von Wolfgang Elbers


Georgsmarienhütte. Einen pfiffigen Weihnachtsmärchen-Mix aus aufgepeppten Klassiker-Elementen der Gebrüder Grimm bietet rund eineinhalb Stunden lang das diesjährige Winterstück des Kinder- und Jugendensembles der GMHütter Waldbühne „Es war einmal – 7 Märchen auf einen Streich“. Premiere ist am Sonntag um 15 Uhr in der Aula der Realschule.

Ganz klassisch ist nur der inhaltliche Rahmen des diesjährigen Winter-Stücks: Der reicht natürlich von der sich auch im Titel wiederfindenden Märchen-Eröffnung bis zum „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ...“-Finale. Doch die schräge und mit immer wieder neuen Mischungs-Varianten aufwartende Story , bei der das tapfere kleine Schneiderlein, Rottkäppchen, Dornröschen, Rumpelstilzchen oder Rapunzel plötzlich in ganz andere Märchen-Situationen gestellt werden, ist ein Spaß für groß und klein – gewürzt mit witzigen Song-Texten sowie modernen Reggae- oder HipHop-Sounds, die Ohrwurm-Qualität haben und sofort im Kopf bleiben.

Stück des Hamburger Schmidt-Theaters

Ausgangspunkt des verrückten, von Larissa Fühner und Arne Thiede, den den Kinderstück-Regisseuren der Waldbühne, in Szene gesetzten Märchen-Tripps, den sich die „Heiße Ecke“-Macher Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth vom Hamburger Schmidt Theater haben einfallen lassen: Mama muss zu einem Elternabend der Schule, und Papa so steht plötzlich vor der abendlichen Aufgabe, die drei Kinder ins Bett bringen zu müssen.

Die wollen noch eine Gute-Nacht-Geschichte hören und sind natürlich überhaupt nicht müde, sondern voll im „Bla ble ble blue blau, ich bin ja so wach“-Modus, wie auch der von den Nachwuchs-Akteuren mit viel Power auf die Bühne gebrachte Song der Szene heißt. Da das Märchenbuch weg ist, lässt der Hausherr spontan seiner Phantasie freien Lauf und spinnt eine Geschichte um das tapfere Schneiderlein sowie weiteren klein und groß geläufigen zauberhaften Figuren. Dabei gibt es mangels Detailkenntnis der Stoffe der Gebrüder Grimm ganz neue Konstellationen und Wendungen, und die Figuren werden kräftig aufgemischt.

Nichts ist so wie in den vertrauten Klassikern, sondern alles auf den Kopf gestellt, wenn das tapfere Schneiderlein auszieht, um das erhoffte Liebesglück zu finden, und vom König vor immer neue Aufgaben gestellt wird – Herausforderungen, durch die der unscheinbare „Sieben Fliegen auf einen Streich“-Typ am Ende zum „Schneider-Man“ wird.

Aberwitziges Bühnentreiben mit Hip-Hop-Einlage

Ein vorweihnachtlicher Inszenierungsspaß, bei dem das Kinder- und Jugendensemble der Waldbühne inzwischen zum siebten Mal in der Adventszeit zeigt, was für tolle Nachwuchsarbeit geleistet wird und welche Talente es in den eigenen Reihen gibt. Das Regie- und Choreographie-Duo Larissa Führer und Arne Thiede hat das aberwitzige „7 Märchen auf einen Streich“-Bühnentreiben schon seit längerem in der Stückeauswahl gehabt, und die Inszenierung bringt mitreißende Momente auf der Bühne der Realschul-Aula. Wenn nach der Pause zu fetten Bass-Rhythmen „Ey Digger, ich hätte ne Idee“ gerappt wird, ist Party Trumpf und die alte Märchenwelt plötzlich total hip – ein faszinierender Weihnachts-Streich.

Sechs weitere Aufführungen gibt es nach der Premiere am Sonntag. Die Termine: 10., 11., 17., 18. 21. und 23. Dezember, jeweils 15 Uhr.