Facebook-Post sorgt für Aufregung GMHütter Ratsherr bezeichnet Forstunfall als „Strafe der Natur“

Von Sebastian Philipp

Ein Georgsmarienhütter Ratsherr hat einen Forstunfall, bei dem am Montag ein Mann verletzt wurde, bei Facebook als „Strafe der Natur“ bezeichnet. Symbolfoto: Oliver Berg/dpaEin Georgsmarienhütter Ratsherr hat einen Forstunfall, bei dem am Montag ein Mann verletzt wurde, bei Facebook als „Strafe der Natur“ bezeichnet. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Georgsmarienhütte. Mit einem Facebook-Beitrag sorgt das Georgsmarienhütter Ratsmitglied Tobias Demircioglu für Aufregung. Er hatte einen Forstunfall in Holzhausen, bei dem ein 54-Jähriger schwer verletzt wurde, als „Strafe der Natur“ bezeichnet. Damit habe er nur aufrütteln wollen, sagt der Grüne.

Hintergrund: Am Montag wurde bei Baumfällarbeiten in Holzhausen ein 54-jähriger Mann schwer verletzt – er schwebte zunächst sogar in Lebensgefahr. Der Arbeiter eines Forstunternehmens hatte einen Baumstamm in vorgesehener Richtung zu Fall gebracht, allerdings brach beim Umfallen die Baumkrone ab und traf den Mann. Den Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung über den Vorfall teilte das Georgsmarienhütter Ratsmitglied Tobias Demircioglu am Dienstag auf seinem privaten Facebook-Profil mit den Worten „Tja, das ist die Strafe der Natur! Bäume wehrt Euch! Pech gehabt“.

Kritik an der Forstwirtschaft

„Ich bin natürlich erschüttert über den Unfall und traurig, dass ein Mensch zu Schaden gekommen ist“, sagte das Mitglied der Grünen auf Nachfrage unserer Redaktion am Mittwoch. In einem Statement, das am Mittag, nachdem unsere Redaktion den Kontakt suchte, dem Georgsmarienhütter Ortsverband und dem Kreisverband der Grünen zuging, betonte Demircioglu, er habe zu keiner Zeit den schwer verletzten Forstarbeiter in seiner Ehre beziehungsweise in seiner Tätigkeit herabwürdigen wollen. „Ich wollte lediglich mit diesem Beitrag und meines privaten Kommentars die Bevölkerung wachrütteln, dass die bei uns gängige praktizierte Forstwirtschaft nicht im Einklang mit der Natur stattfindet“, heißt es weiter.

Post als Privatperson abgesetzt

Als geeignete Plattform dafür hatte Demircioglu offenbar das Soziale Netzwerk Facebook auserkoren, als er am Dienstag um 15.59 Uhr den Beitrag der NOZ mit Kommentar versehen auf seinem öffentlich einsehbaren Facebook-Profil veröffentlichte. Demircioglu betont in seiner Stellungnahme, dass der Kommentar im Rahmen einer freien Meinungsäußerung getätigt und von ihm als Privatperson geäußert wurde. Demircioglu sitzt für die Grünen im Georgsmarienhütter Stadtrat und tritt gegenüber unserer Redaktion als Pressesprecher des regionalen Greenpeace-Ablegers auf.

Kommentar mittlerweile gelöscht

Schon kurz nach der Veröffentlichung des Beitrags habe er zahlreiche Kommentare löschen müssen, weil diese unter die Gürtellinie gegangen seien, wie Demircioglu im Gespräch mit unserer Redaktion sagt. „Ich bin immer gerne bereit, sachlich zu diskutieren, aber die meisten Kommentare musste ich löschen.“ Als Idiot sei er beschimpft worden, der Verletzungen anderer Menschen gutheiße. Seinen Beitrag hat Demircioglu mittlerweile von seiner Facebook-Timeline gelöscht. Kurz vorher hatte er allerdings noch gepostet „Endlich hat sich mal was auf meiner privaten Facebook-Seite kommunikativ getan.“

Parteiinterne Stellungnahme

Konsequenzen abseits kritischer und beleidigender Kommentare befürchtet Demircioglu indes nicht – auch wenn der Ort des Unfalls im Gebiet der Stadt Georgsmarienhütte liegt, in dessen Rat er sitzt. „Ich trenne zwischen Privat und Partei – deshalb sehe ich da keine Probleme.“ In der später veröffentlichten Stellungnahme bat Demircioglu dennoch um parteininterne Verzeihung: „Sofern ich mit diesem Post zu einer irritierten Interpretation meines öffentlichen Kommentars gesorgt habe, bitte ich um Nachsehen und um Entschuldigung“, heißt es dort. Und was sagen Demircioglus Parteikollegen? „Der Kommentar spiegelt nicht die Meinung der Fraktion und auch nicht die Meinung des Ortsverbandes wider“, sagte Robert Lorenz als Fraktionsvorsitzender der Grünen am Mittwoch auf Nachfrage unserer Redaktion.