Angebot für junge Menschen Knigge und Viehzucht im Winterkurs der KLVHS Oesede

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Der Winterkurs an der KLVHS Oesede ist gestartet. Für das Programm zeichnen unter anderem (von links) Johannes Pott und Theresa Loth verantwortlich. Foto: Harald PreuinDer Winterkurs an der KLVHS Oesede ist gestartet. Für das Programm zeichnen unter anderem (von links) Johannes Pott und Theresa Loth verantwortlich. Foto: Harald Preuin

Georgsmarienhütte. „Nicht nur Pauken und Lernen, sondern wie im Studium auch Gemeinschaft erleben und neue Sichtweisen kennenlernen“. Mit diesen Worten umschreibt Johannes Pott (29) den Winterkurs an der Landvolkhochschule (LKVHS) Oesede. 16 Wochen für junge Menschen aus der Landwirtschaft. 30 sind in diesem Jahr dabei.

Am 24. Oktober startete der Winterkurs, den es schon seit 1929 in Oesede gibt. Er ist ein Angebot für den Nachwuchs, die mehr als nur Ackerbau und Viehzucht im Sinn haben. So lautet das Motto „Die Zukunft im ländlichen Raum gemeinsam gestalten“. Wer sich für diesen Kurs entscheidet, hat dies in dem Bewusstsein getan, sich weiterzubilden. Schließlich sind für die 16 Wochen rund 2000 Euro fällig, inklusive Unterbringung, Vollverpflegung, Referentenhonorare und Busfahrten. Außerdem gibt es für viele Teilnehmer den charmanten Nebeneffekt, dass die vier Monate in das sogenannte Praxisjahr integriert werden können, das für den Besuch der Fachschule nach einer landwirtschaftlichen Lehre erforderlich ist.

Aus dem Osnabrücker Land, dem Emsland und Südoldenburg

Der Winterkurs fällt außerdem in die Zeit, in der es in den Betrieben ruhiger zugeht, weil der Ackerbau ruht. Die Teilnehmer – aktuell sechs aus dem Osnabrücker Land, viele aus Emsland und Südoldenburg – sind zwischen 18 Jahre und Mitte 20, darunter drei Frauen. Johannes Pott (29), der mit Andreas Brinker, Theresa Loth und dem geistlichen Leiter des Hauses, Thilo Wilhelm, den Kurs leitet, gehörte einst zu den Absolventen. Pott stammt selbst von einem Hof, weiß also wo die Themenschwerpunkte gesetzt werden sollten. So stehen jetzt Selbstmanagement, Unternehmensführung, Biodiversität, Ethik und Tierschutz, Einkommenskombinationen, Marketing, Rhetorik, Verkaufstraining und auch Lebensplanung auf dem Stundenplan. Referate, Gesprächskreise und Exkursionen dienen der thematischen Vertiefung. Die erste Woche eines Winterkurses dient dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Charakter der katholischen Bildungsstätte, den Referenten und pädagogischen Mitarbeitern und dem Angebot.

Zimmer ohne TV-Anschluss

Auch wenn der Winterkurs fern jeder Paukerschule liegt, gibt es eine feste Struktur. Nach dem gemeinsamen Frühstück drei Stunden, nachmittags drei Stunden und nach dem Abendbrot noch einmal anderthalb Stunden – und das fünf Tage in der Woche. Einige Wochenenden mit besonderen Angeboten sind eingewebt. Manch jungem Landwirt, der auf dem elterlichen Hof bislang feste Aufgaben zu erledigen hatte, fällt der Abstand doch schwer, besonders wenn sein Vertreter plötzlich erkrankt. Doch Handys sollen nur in den kursfreien Zeiten genutzt werden. Johannes Pott: „So wichtig bin ich nicht, dass ich ständig erreichbar sein muss“. Wer bislang ein Gutteil seiner Freizeit einsam vor dem Fernseher verbracht hat, muss sich umstellen. Keines der Zimmer hat einen TV-Anschluss, weil im Vordergrund das Gemeinschaftserlebnis steht.

Mit Rhetorik und Verkaufstraining

Einer der Schwerpunkte des Kurses ist die Persönlichkeitsentwicklung . Dazu gehören Rhetorik und Verkaufstraining. Johannes Pott: „Das freie Sprechen und die gute Präsentation schult das Selbstbewusstsein“. Dazu zählt auch eine persönliche Stilberatung, die auch Benimmregeln des Freiherrn von Knigge einschließen. Montags stehen für gewöhnlich Exkursionen und Referate auf dem Programm. Eine Vertiefung erfolgt hier in Arbeitsgruppen, die sich eine neue Sicht auf Unbekanntes verschafft – bei Besuchen in der Wärmestube in Osnabrück, im Untersuchungsgefängnis, im Krankenhaus, etwa in der Geburtsstation oder in der Onkologie. Zum Leben vom ersten Schrei bis zum letzten Atemzug, dazu gehört auch die Paarbeziehung, über die die Teilnehmer mit einem Frauenarzt diskutieren.

Studienfahrt in die neuen Bundesländer

Weil Menschen in der Landwirtschaft eine hohe Arbeitsbelastung erfahren, gehört das Gesundheitsmanagement zum Kursprogramm, aber auch Themenfelder wie Biodiversität (Biologische Vielfalt), Ethik in der Tierhaltung, Medien, Pflanzenschutz und Inklusion in der Landwirtschaft. Besuche im Schlachthof, Begegnungen mit Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung, Besuche bei Flüchtlingen, in der Moschee und der Synagoge und eine Studienfahrt in die neuen Bundesländer runden das viermonatige Kursprogramm ab.


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