Einladung der Kolpingsfamilie Diözesanpräses spricht in Kloster Oesede über Luther und Ökumene

Von Horst Troiza

Wie die anderen Zuhörer erhielt auch Martin Vinke (rechts), der stellvertretende Kolpingvorsitzende, von Domkapitular Reinhard Molitor eine Dosis „Lutherol“, die Ökumene verspricht. Foto: Horst TroizaWie die anderen Zuhörer erhielt auch Martin Vinke (rechts), der stellvertretende Kolpingvorsitzende, von Domkapitular Reinhard Molitor eine Dosis „Lutherol“, die Ökumene verspricht. Foto: Horst Troiza

Georgsmarienhütte. Martin Luther - Reformator und Reizgestalt. 2017 jährt sich zum 500. Mal die Bekanntmachung seiner 95 Thesen – eine folgenschwere Handlung für die Christenheit. In einem Vortrag vor der Kolpingsfamilie Kloster Oesede referierte Domkapitular Reinhard Molitor über Leben und Lehre des Wittenberger Pastors und über den Stand der Ökumene.

Das kommende Jahr ist zum Luther-Jahr ausgerufen und evangelische und katholische Christen werden zusammen in vielen Veranstaltungen jenes Ereignisses gedenken. Luthers Widerstand gegen den damals üblichen Ablasshandel und die gleichzeitige Forderung, Kirche und Klerus zu reformieren haben Auswirkungen auf die elementare Einheit der Kirche gehabt, die sich in eine katholische und eine protestantische Konfession spaltete.

Trennung ewig?

Dass diese Trennung für ewig bestehen bleibt, steht allerdings nirgendwo in Stein gemeißelt. Wer ins Auge fasst, welche Schritte seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) in beiden Lagern unternommen wurden um aufeinander zuzugehen, kann, wenn er auch auf Geduld setzen muss, diese Trennung durchaus als etwas Endliches betrachten. Ökumene ist ein Thema in beiden Kirchen, offiziell wie auch an der Basis, und es verwundert nicht, dass Protestanten und Katholiken dem kommenden Jahr mit viel Spannung und noch mehr an Hoffnung entgegensehen.

So war es auch nicht weiter verwunderlich, einen katholischen Monsignore einen Vortrag über den protestantischen Reformator halten zu hören. Wer an diesem Abend in der Klosterdiele den Ausführungen des Kolping-Diözesanpräses Molitor folgte, konnte helle Freude an der Tatsache entwickeln, dass seit besagtem Konzil eine gehörige Menge Ökumene stattgefunden hat.

Misch-Ehen

Vorbei sind die Zeiten der, so Molitor, „abgeschlossenen Milieus der Konfessionen“, als die Menschen im Emsland , woher er selbst stammt, über einen Zaun hinweg die aus Schlesien eintreffenden Kriegsvertriebenen anstarrten, weil sie wissen wollten „wie denn Evangelische aussehen“. Eine Zuhörerin des Vortrags steuerte passend an dieser Stelle jenen bei der Telgter Wallfahrt 1976 aufgeschnappten Ausspruch „Gott behüte uns vor Misch-Ehen“ bei - was vieles, wenn nicht alles über die Jahrhunderte lang gegrabene Kluft zwischen den Konfessionen aussagt.

Die Unberührbarkeit der „anderen“, nahezu ein Dogma, hat der Haltung weichen müssen, „wir sehen nach den anderen, um zu schauen, was dort geschieht“, erklärte Molitor seinen Zuhörern. Die Konfessionen sind nicht identisch, „doch zugebenermaßen ist auch auf der Seite der anderen Kirche Heil“.

Evangelium durchsetzen

Luther habe niemals die Absicht gehabt, eine Bewegung zu initiieren, die letztlich die Spaltung der Kirche zur Folge haben würde. Eine der Grundströmungen, die ihn angetrieben habe, war die Forderung, den Christen jene Freiheit zu geben, die ihnen durch das Opfer Christus verliehen worden war und was ihnen von einer verweltlichten Kirche vorenthalten wurde. „Er hat den Bischöfen vorgeworfen, versagt zu haben und forderte die weltlichen Herrscher zur Durchsetzung des Evangeliums auf“, erläuterte er.

Den ökumenischen Boden haben die Konfessionen inzwischen gut bestellt. Molitors zum Schluss gestellte Frage, ob man das nächste Luther-Jubiläum in 100 Jahren „wohl noch als Katholische und Evangelische feiern wird“, klang eher hoffnungsvoll als rhetorisch.