Interview mit Johannes Michels GMHütter Buchautor nimmt Gesundheitssystem aufs Korn

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Georgsmarienhütte. Prof. Dr. Johannes Michels hat einen satirischen Roman über das Gesundheitssystem geschrieben. Der Titel: „Der Ärzte fette Beute. Eine skandalträchtige Odyssee durch die Gefilde der deutschen Medizinkaste“. Im Interview spricht der 77-jährige GMHütter über geschwätzige Heilpraktiker, Globuli und geldgierige Ärzte.

Sie sind jetzt 77 Jahre alt. Was macht die Gesundheit?

Sehr gut geht‘s. Unverwüstlich. Das älteste Mitglied meiner Familie wurde 102 Jahre alt.

Und so weit wollen Sie es auch bringen?

Vielleicht nicht so alt, aber schon so, dass man auch etwas von der Rente hat.

Haben Sie heute schon alle Ihre Medikamente genommen?

Ja. Das sind gut fünf verschiedene. Unter anderem eine Pille gegen zu hohen Blutdruck. Durch die geht aber der Blutdruck ganz gewaltig in den Keller. Deshalb nehme ich eine weitere, die die Wirkung der ersten ausgleicht.

Was für ein Typ ist der Protagonist in Ihrem Satireroman?

Fritz Kork ist in den 50ern und arbeitet als städtischer Oberinspektor. Er ist der typisch pflichtbewusste Beamte. Getrieben von seiner Frau und Ärzten ist er ständig dabei, seine Gesunderhaltung zu betreiben. Er nimmt Tabletten gegen Bluthochdruck, ein Herzmittel, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Zu Hause hat er nichts zu melden, das regelt alles seine Frau. Der Fritz Kork ist ein Typ, der bemuttert werden muss, weil er sonst die Hälfte vergisst und nicht macht.

In Ihrem Buch zeichnen Sie das Bild des arroganten, geldgierigen Arztes, der sich nie an den Namen seines Patienten erinnert und immer das teuerste Medikament verschreibt. Ist das nicht zu stereotypisch?

Streckenweise ist die Realität wirklich so. Deshalb gibt es ja immer wieder die Skandale im Gesundheitswesen. Aber nicht alle Ärzte in meinem Buch sind gierig und korrupt. Es gibt da zum Beispiel den Doktor Zwickel, der von meinem eigenen Hausarzt inspiriert wurde. „Hat eine Krankheit Dich am Wickel, dann geh sogleich zu Doktor Zwickel. Ob schwerste Leiden, ob nur Pickel, all das kuriert der Doktor Zwickel.“ Ärzte haben es mit vielen Leuten zu tun, das ist bei denen ja wie am Bahnhof. Je nachdem, wie hoch der Andrang ist, haben die Ärzte nicht viel Zeit und können sich auch nicht jeden Namen merken. Oft ist so ein Arzt auch nur eine Art Durchgangsstation.

Vertrauen Sie den Ärzten? Gehen Sie gerne zum Arzt?

Sicher. Es hängt nur davon ab, an welchen Arzt man gerät. Ich hatte einmal einen schlimmen Zahnarzt, der im Buch als „Dr. Wurzel“ auftritt. Der ging einfach einen Tag, nachdem er bei mir eine üble Zahnfleischentzündung festgestellt hatte, in den Urlaub, und ließ mich mit extremen Schmerzen zurück. Und das vor Weihnachten! Gott sei Dank fand sich noch ein anderer Zahnarzt, der mir Antibiotika und eine Spezialsalbe gab .

Nur zu einem Arzt gehen, ist also wenig empfehlenswert.

Bei einem schweren Leiden würde ich immer mehr als einen Arzt konsultieren.

Ein Kapitel heißt „Wenn der Doktor nicht verschreiben will, geht man zu einem anderen Doktor“. Haben Sie das auch schon oft gemacht?

Ich nicht, aber meine Frau.

In Ihrem Buch heißt es an einer Stelle „Der Heilpraktiker redete und redete, stellte viele Fragen und gab wieder viele Erklärungen, womit er eine spezielle Untersuchung umging und vermied. Zum Schluss gab es wieder Globuli und eine Teeverordnung.“ Sind Ihnen Naturheilkunde und Homöopathie suspekt?

Meine frühere Frau war homöopathiegläubig. Und meine jetzige Frau vertraut auf Homöopathie. Bei manchen Wehwehchen hilft das vielleicht. Aber bei schwierigen Sachen auf keinen Fall. Meiner Frau zuliebe habe ich auch schon mal Globuli geschluckt, bewirkt hat es nichts. Frauen neigen zu Alternativmedizin. Mitunter sind sie leichtgläubiger und emotionaler als Männer.

Was halten Sie von Psychologen? Sind das für Sie auch nur Schwätzer?

Psychologie ist eine gute Sache, wenn sie richtig praktiziert wird. Als Ansatz für Therapie und Diagnostik kann sie nützlich sein. Aber einige Psychologen haben keine Erfahren, schwätzen aber herum und schweben in esoterischen Wolken.

Ihre früheren Bücher tragen Namen wie „Jenseitsschwelle“ und „Zeichen des Himmels“. Sind Sie nicht auch esoterisch?

Nein, ich bin spirituell.

Was ist denn so skandalös an der „deutschen Medizinkaste“?

Wenn Ärzte gemeinsame Sache mit Apothekern und Pharmakonzernen machen. Sie schicken Patienten in eine ganz bestimmte Apotheke und da müssen sie dort ein ganz teures Medikament erwerben. Diese Dreiecksgeschäfte sind sehr nützlich für alle Beteiligten und gehen auf Kosten des Patienten und seiner Kasse. Von solchen Fällen liest man immer wieder in der Zeitung und sieht es im Fernsehen. Auch treten Pharmareferenten als Lobbyisten beim Arzt auf. Manche Ärzte werfen diese Typen raus, andere schwarze Schafe nicht.

Sie schreiben „Meist sind es die Tabletten, die uns retten und uns an die Ärzte ketten“.

Wenn man Tabletten haben will, muss man immer wieder zum Arzt, das ist eine Dauer-Abhängigkeit.

Treiben Sie eigentlich noch Sport?

Um Gottes Willen, das ist das Schlimmste. Ich halte es mit Winston Churchill: „No sports“. Der Mann wurde immerhin 92 Jahre alt.


Zur Person: Johannes Michels, 1938 in Laubach-Leienkaul in der Eifel geboren, studierte Pädagogik und Psychologie auf Lehramt in Koblenz, später arbeitete er als Lehrer in Trier. 1979 wurde er zum Direktor des späteren Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte in Osnabrück berufen.

Johannes Michels war 1990 Professor an der Universität Osnabrück im Fachbereich Behindertenpädagogik, 1993 an der Universität Valencia in Spanien und 1996 an der Hochschule und späteren Universität Zielona Góra in Polen.

Nach seiner Lehrtätigkeit widmete er sich dem Verfassen fachwissenschaftlicher Bücher mit spirituellem Touch, 2008 „Jenseitsschwelle“, 2011 „Zu Besuch im Himmel: Nahtod: authentische Berichte“ und 2013 „Zeichen des Himmels“.

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