Lesung in GMHütte und Hasbergen Bildband „Vom Hüggelerz zum Hüttenstahl“ erschienen

Von Petra Pieper


Georgsmarienhütte/Hasbergen. Sie gehören verschiedenen Generationen an, aber beide Männer verbindet die Leidenschaft für die Geschichte ihrer Heimat, das Fotografieren und Archivieren. Der Hasberger Carsten Neyer, Jahrgang 1972, und der Georgsmarienhütter Werner Beermann, Jahrgang 1934, erstellten nun gemeinsam den Bildband „Vom Hüggelerz zum Hüttenstahl – Hasberger Erz für die Georgsmarienhütte“, den sie am kommenden Donnerstag zunächst in Georgsmarienhütte und anschließend in Hasbergen offiziell vorstellen.  

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Verbindung von Bergbau und Verhüttung . Letztlich sei der Bergbau im Hüggel „Auslöser und Motor“ der Industrialisierung des südlichen Osnabrücker Landes gewesen. „Dieser Zusammenhang ist so bislang nicht in den Mittelpunkt gestellt worden“, unterstreicht Neyer, und Beermann betont, dass in das Buch Erinnerungen letzter Zeitzeugen eingeflossen sind.

Eingriffe und Wandel

170 zum Teil bislang unveröffentlichte Fotos und einige historische topographische Karten aus den Bereichen Erzabbau am Hüggel und Eisen- und Stahlproduktion auf der Georgsmarienhütte machen zudem deutlich, welch vielfältigen Eingriffen und Wandlungen sowohl das heute zumeist wieder friedlich bewaldete Gebiet des Hüggels als auch das Dütetal im Gebiet der damaligen Gemeinde Malbergen als Standort des Hüttenwerks ausgesetzt waren.

Die Erhebungen des Hüggels, heute als Teil des UNESCO Geoparks Terra Vita ein beliebtes Erholungsgebiet mit informativen Lehrpfaden zu seiner geologischen Entstehung und zum Erzabbau, hatten vor über einhundert Jahren ein völlig anderes Aussehen. Schon seit dem frühen Mittelalter hatte man dort zunächst nach Silber, später nach Eisenerz gegraben. Durch die Gründung der Beckeroder Eisenhütte 1836 nahm der Bergbau Fahrt auf. „Das Hüggelerz war phosphat- und schwefelarm, dabei zugleich kalkhaltig, brachte also die idealen Voraussetzungen für die Verhüttung mit“, erklärt Neyer.

Wachsender Bedarf

Mit der Gründung der Georgsmarienhütte 1856 stieg der Bedarf. In Spitzenzeiten, kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert, waren bis zu 800 Bergleute mit dem Abbau von Eisenerz und dem ebenfalls vorhandenen Zuschlagkalk beschäftigt. Damals habe die gesamte Nordflanke des Bergzuges einem einzigen „tiefen Loch“ geglichen, schildert Beermann anschaulich. Zuerst entstanden die Gruben Hermine, Hedwig und Brockmann sowie mehrere Tagebaue. Um die bis zu 60 Meter tief liegenden Eisenerzschichten abzubauen, errichtete man die Schächte Luise, Ida, Kielmannsegge, Mathilde, Anna und Augustaschacht. Letzterer, der einzig erhaltene, diente der Entwässerung des Bergbaugebiets. In seinem Innern wurde mittels einer Dampfmaschine das Wasser aus den Gruben und Schächten abgepumpt.

Weitere Infrastrukturmaßnahmen veränderten die bis dahin ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Landschaft. Für den Abtransport der großen Erz- und Steinmengen zur Georgsmarienhütte baute man 1866 die Hüggelbahn. Anfangs hatten bis zu 200 Pferdegespanne diese schwere Arbeit übernommen. Zur Zerkleinerung der Gesteins- und Erzbrocken wurde eine Brecheranlage in der

Nähe der Bahngleise installiert.

Grube Perm

Die große Zeit des Hüggelbergbaus war um 1910 vorbei; die Grube Perm bei Ibbenbüren und schwedische Importe lieferten nun den Erznachschub. Allerdings begann man 1927 am Südhüggel mit dem Abbau von Kalkstein, den man sowohl im Hochofenbetrieb als auch für die Produktion von Hüttenschlackenstein verwendete. Für den Abtransport des Kalksteins aus dem Tagebau, der heute als Silbersee bekannt ist, baute man eigens eine Seilbahn zur Hüggelbahn. Relikte der Seilbahn und des Verladebunkers sind bis heute erhalten.

Die zweite Hälfte des Buches widmet sich dem Hüttenwerk. Eigentlich ist dessen Geschichte schon gut bekannt und in mehreren Veröffentlichungen, teils auch aus Werner Beermanns Hand, bestens dokumentiert. Dennoch gelingt es dem Autorenduo, noch unbekannte Fotos und Unterlagen aus den Jahren der beginnenden Industrialisierung der Region aufzutreiben und zu veröffentlichen. So das Deckblatt eines „Musterbuch[s] der Eisenhütte von Julius Meyer zu Beckerode bei Osnabrück“. 1846 bot der Unternehmer seine Produktpalette in diesem Katalog Interessenten zum Kauf an.

Neugründung

Wenige Jahre später veräußerte Meyer die Konzession seiner Eisenhütte an den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein, dessen Aktionäre 1856 mit Unterstützung des hannoverschen Königspaars die Neugründung der Hütte auf dem Gebiet der damaligen Gemeinde Malbergen vollzogen. Das flache Gelände im Tal der wasserreichen Düte lag auf halbem Wege zwischen den Erzgruben des Hüggels und den Kohlevorkommen von Oesede und bot sich für den Bau einer größeren Industrieanlage an. Der Verein erwarb das Gelände des traditionsreichen Schultenhofs von der Klosterkammer. Äcker und Wiesen wandelten sich in Industriegebiet. Mehr aus Georgsmarienhütte im Netz  

Die vermutlich älteste Darstellung des Hüttenwerks von 1864 zeigt den jungen Industriestandort mit bereits drei Hochöfen sowie weiteren Koksöfen. Beermann und Neyer dokumentieren die fortlaufenden Veränderungen auf dem Werksgelände mit historischen Darstellungen und eigenen Fotos bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie geben Einblick in verschiedene Produktionsmethoden von der Eisenverhüttung zur Stahlgewinnung, und sie zeigen Menschen bei der oft schweißtreibenden, gefährlichen Arbeit.


Die Buchvorstellung findet am Donnerstag 18. August, 

um 16 Uhr in der Buchhandlung Sedlmair,

Oeseder Straße 99, Georgsmarienhütte,

und um 18 Uhr im Café Gute Stube im Haus am Berg,

Tecklenburger Straße 52, Hasbergen, statt.

Der 120 Seiten starke Bildband ist im Erfurter Sutton Verlag erschienen,

kostet 19,99 Euro und ist über den Buchhandel oder die Autoren zu beziehen.