Nun haben die Hagelschätzer das Wort Osnabrücker Landwirte kämpfen mit Nachwirkungen des Unwetters

Meine Nachrichten

Um das Thema Georgsmarienhütte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Unwetter mit Nachwirkungen. Regen, Hagel und orkanartige Stürme, begleitet von Blitz und Donner haben im Osnabrücker Land deutliche Spuren hinterlassen. Kurz vor der ersten Getreide- und Rapsernte hat es zahlreiche Landwirte getroffen. Jetzt wird an der Schadensbilanz gearbeitet. Wohl dem, der eine Hagelversicherung abgeschlossen hatte.

Eine Landpartie offenbart die Schäden, die Hagelschauer und Regenmengen angerichtet haben. Die eisige himmlische Fracht ergoss sich in einem breiten Streifen von Lienen bis nach Bad Essen und Ostercappeln, begleitet von sintflutartigen Regenfällen. Von mehr als 50 Liter auf einen Quadratmeter spricht Thomas Kuhn aus Wallenhorst, der zwar kaum Hagel, dafür mehr Regen registriert hat. Die Gerste, deren Ernte in den nächsten 14 Tagen beginnen soll, sei großflächig ins Lager gegangen, so dass die Mähdrescher die Ähren mit den flachliegenden Halmen kaum aufnehmen können. Gerste im Lager trocknet kaum noch ab. Und die Wetterausichten versprechen keine Besserung. ( Weiterlesen: Aufräumen nach Unwetter in der Region kann Wochen dauern )

Ernteeinbußen zwischen 10 und 40 Prozent

Wallenhorsts Landvolkvorsitzender Ernst Linnemann vermutet Ernteeinbußen zwischen 10 und 40 Prozent. Durch die gewaltigen Regenmengen hätten weite Felder unter Wasser gestanden, weil der hohe Grundwasserspiegel das normale Einsickern verzögert. Thomas Kuhns Maisfeld stand rund 20 Zentimeter unter Wasser. Dadurch wird die Nährstoffzufuhr der Pflanzen unterbrochen.

Das Unwetter hat auch die Heuernte beeinträchtigt. Grünland ist derzeit kaum befahrbar, weil der Boden wassergesättigt ist. Die Folge: Die zweite Mahd kann nicht zum günstigsten Zeitpunkt erfolgen. Im weiteren Wachstum verliert das Gras an Qualität. ( Weiterlesen: Gewitter und Dauerregen halten Niedersachsen im Griff )

Das Problem sind die nassen Wiesen

Die stellenweisen Überflutungen durch Düte, Goldbach und Wilkenbach seien nicht das gravierende Problem für die Landwirte aus Hasbergen, sagt Heiner Kolkmeier, Vorsitzender des Landvolks Hasbergen, sondern nasse Wiesen. Er bestätigt die Wallenhorster Erfahrungen. „Der zweite Schnitt konnte kaum reingeholt werden“.

Kann das Gras nicht zum optimalen Zeitpunkt gemäht werden, geht der Futterwert zurück mit der Folge, dass für die Tiere energiereiches Futter zugekauft werden muss, erläutert der Landwirt aus Atter. Er überlegt, sein Weidevieh wieder in den Stall zu holen, weil die Rinder die aufgeweichte Grasnarbe zertreten und damit zerstören.

Im Bereich Hasbergen sind laut Kolkmeier zwar kaum Hagelschäden gemeldet worden, doch Regen und Sturm haben auch der Gerste zugesetzt. Die fast reifen Körner sind aus den Ähren geschüttelt worden. Ganze Getreidepartien liegen am Boden. ( Weiterlesen: Viele Feuerwehreinsätze in Osnabrück und im Emsland )

Wenn es weiter regnet, sei ein Großteil der Ernte verloren. Der Landvolkvorsitzende Heinrich Völler aus Hagen: „Wir sind noch glimpflich davongekommen“. Wasser und Hagel haben allerdings im Freiland eines Gemüsebauern Schäden angerichtet. Nur Luftlinie vier Kilometer entfernt sind Mais- und Gerstenfelder in Lienen verwüstet worden.

Zuckerrüben, Raps und Mais getroffen

Henning Schulte-Uffelage aus Hilter spricht von Ertragseinbußen bei der Gerste von etwa 20 Prozent auf Feldern, die sich der dicke Hagel aufs Korn genommen hatte. In diesen Strichen ist auch Raps betroffen, dessen Ernte auf die Gerste folgt. Schulte-Uffelage spricht von etwa acht Prozent Verlust. ( Weiterlesen: Platz überschwemmt: Jungenzeltlager Hagen abgesagt )

Im Bereich Bissendorf-Schledehausen hat der Hagel die jungen Zuckerrüben, Raps und Mais getroffen. Die Rübenäcker zeigen sich völlig zerzaust. Die Früchte sind erst April gesät worden, geerntet wird eigentlich erst Ende Oktober. „Ist das Herzblatt zerstört, kannst du die Rüben vergessen“, weil die Früchte nicht mehr weiterwachsen. Das bedeutet dann: Totalverlust, wie Landvolksvorsitzender Hermann Wesseler sagt.

Nicht anders ist das bei Mais. Zerfledderte Blätter zeigen an, dass die Nährstoffbahnen für das Wachstum zerstört sind. Besonders für die durch die Erlöskrise schon reich gebeutelten Milchviehbetriebe ist das ein herber Schlag.

Besuch vom Hagelschätzer

Landwirte, die bis Mai eine entsprechende Versicherung geschlossen haben, erhalten in diesen Tagen Besuche von Hagelschätzern der Versicherungen. Die VGH setzt in diesem Bereich Mitarbeiter ein, die in der Regel noch Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben. Roland Arndt von der VGH in Schledehausen hat aus der Zentrale in Hannover erfahren, dass der Hagelschlag beim Unwetter besonders auf die Bereiche Wissingen und Schledehausen, Ostercappeln und Bad Essen konzentrierte. Etwa 70 Prozent aller Betriebe sichern sich gegen Schäden durch Hagelschlag ab.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN