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Lesung mit Matthias P. Gibert Rathaus GMHütte: Tod eines Enthüllungsjournalisten

Von Horst Troiza


Georgsmarienhütte. Kriminalromane mit aktuellen Hintergründen zeichnen Matthias P. Giberts Buchreihe um den Kommissar Paul Lenz aus. Im Rahmen der Krimi-Lesereihe regionaler Autoren war der Schriftsteller aus Kassel im Rathaus der Stadt zu Gast.

Eingefleischten Krimilesern war gleich klar, als Gibert einen der Protagonisten seines neuen Romans „Paketbombe“ sagen ließ, für ihn fange nun „ein neues Leben an“, dass daraus wohl nichts werden würde. Und die Ahnung trog nicht, denn nur eine Seite später bekam dieser Bruno ordentlich aufs Dach und hauchte vor seiner Wohnungstür sein Leben aus.

Verdeckte Recherche

Einem erfahrenen Autor wie dem Mittfünfziger Gibert reicht dieses Szenario natürlich noch nicht, um seine Leser bei der Stange zu halten. Er lässt den Ermordeten einen Enthüllungsjournalisten gewesen sein, der verdeckt bei einem großen Online-Versandhändler recherchierte, womit der Fall natürlich erhebliche Brisanz erhält. Das zusätzlich von Gibert in „Paketbombe“ aufgebotene Romanpersonal lässt dann im weiteren Verlauf das krimitypische Whodunit-Konzept für den Leser zu einem munteren Verdächtigungsspiel werden.

Wie ein Statement der Stadtbibliothek GMHütte darstellt, zählen die Krimis des Kasseler Autoren zu den Top Ten der dort ausgeliehenen Bücher. Einer der Gründe dafür wird sicherlich der immer aktuelle Bezug sein, der den Handlungen seiner bisher 15 Romane umspannenden Reihe zugrunde liegt. Denn Gibert schrieb in der Vergangenheit etwa über Missbrauch an Heimkindern, Neonazi-Umtriebe und Sicherungsverwahrung – der Gärtner kommt da als Mörder nicht in Frage.

Geständnisse eines Autors

So direkt, wie er in seinen Krimis zu Werke geht, ist der Autor auch im richtigen Leben. „Matthias Gibert, Franzose“ führt sich der Sohn eines französischen Vaters und einer deutschen Mutter bei seinem Auftritt im Ratssaal ein. Und gibt im Verlauf des Abends unumwunden zu, den einen oder anderen kriminellen Verlauf seiner Plots aus eigener Erfahrung zu kennen. Ja, im Heim sei er gewesen, schwer erziehbar, aufmüpfig und nicht immer gesetzeskonform. „Autos“, gibt er seinen rund 80 Zuhörern als Stichwort, „keine Drogen“. Tätowiert sei er nicht.

Er wechselt locker von der Lesung zur Plauderei, lässt die Kommissare Lenz und Hain ermitteln und Zeugen befragen, wobei unter Letzteren einige mit köstlich nachgemachtem sächsischem Idiom sind, und ist dann plötzlich wieder beim realen Leben im mondänen Königstein im Taunus und im Jugendhof Karlshof, wo er zur Sozialisation untergebracht war.

Kurzweilig, amüsant, spannend

Ein ehrlicher Autor, der etwas zu sagen hat – was nicht von jedem Literaten behauptet werden kann. Kurzweilig war sein Auftritt, amüsant und auch spannend. Das fanden die rund 80 Besucher auch.

Mit Giberts Auftritt endete die Lesereihe regionaler Autoren, die Stadtbibliothek, städtisches Kulturbüro und der Büchereizentrale Niedersachsen organisiert haben. Und weil es so schön war, wird sie auch fortgesetzt.