Kurzer Weg zum Gasthaus Dem Rathaus Harderberg waren nur wenige Jahre beschieden



Georgsmarienhütte. Ziemlich genau vor 50 Jahren, am 4. März 1966, wurde in der kleinen, damals noch selbstständigen Gemeinde Harderberg ein neuerbautes Rathaus in der kleinen Sackgasse Zur Riede, damals Gartenweg, unmittelbar hinter dem Gasthaus Heideschänke, offiziell eingeweiht.

So wie beim Bau „großer Pomp“ vermieden worden sei, das berichtete damals das Osnabrücker Tageblatt, solle auch die Einweihungsfeier schlicht gestaltet werden. Im Nachhinein betrachtet eine vorausschauende Entscheidung, denn eine lange „Amtszeit“ war dem Verwaltungsgebäude nicht eben beschieden. Nach dem Zusammenschluss mit anderen Gemeinden zur Stadt Georgsmarienhütte 1970 gingen sämtliche Verwaltungsangelegenheiten in das zentrale Rathaus der neuen Stadt. „Das ging ratzfatz“, erzählt Regine Werkmeister, Witwe des damaligen Gemeindedirektors Heinrich Werkmeister. Als Möbel, Bilder und Akten aus dem Rathaus nach Oesede transportiert wurden, sollen Harderberger Bürger weinend an der Dorfstraße gestanden haben.

Kein „Tanzsaal“

Das Rathausgebäude wurde verkauft und wird seitdem privat als Wohnhaus genutzt. Einen „Tanzsaal“ hätten sie gewiss nicht, berichtet Bewohnerin Adina Schulz auf die Frage nach dem ehemaligen Sitzungsraum. In der Tat sieht man es dem etwas von der Straße zurückweichenden Haus nicht an, dass es einmal ein Rathaus war. Der einstige Haupteingang wurde zur Terrassentür, Wartezimmer und Kasse zum Wohnzimmer.

Nach dem Krieg – in Harderberg lebten damals etwa 1000 Einwohner - hatte die Gemeindeverwaltung zunächst in einem kleinen Anbau seitlich neben der Bäckerei Rolf an der Dorfstraße Platz gefunden. Wahrscheinlich hatte der – damals noch ehrenamtliche - Bürgermeister Heinrich Rolf aus praktischen Erwägungen zunächst sein Wohnzimmer für Verwaltungsvorgänge genutzt und dann einen Raum frei gemacht. Eine kurze Zeit war die Gemeindeverwaltung mit Gemeindeschreiber Franz Tiesmeyer auch auf 30 Quadratmetern im Privat- und Geschäftshaus Schnock im Heheland untergebracht. Als die Einwohnerzahlen die 2000 erreichten und Verwaltungsvorgänge dementsprechend zunahmen, beschloss der Gemeinderat unter Bürgermeister Adolf Aulf 1964: „Wir brauchen ein Rathaus.“

Trinkfreudige Lage

Für den Neubau hatte man zunächst sein Grundstück an der Ecke Dorfstraße/Kiewitsheide im Blick gehabt, auf dem heute die Sparkassenfiliale steht, berichtet Günther Kassen. Doch nachdem die Gemeinde das Grundstück bereits erworben hatte, habe sich plötzlich eine Mehrheit gefunden, die das Rathaus lieber in unmittelbarer Nähe zur Heideschänke und der entstehenden Wohngebiete südlich des Heidewegs sah und für den Bauplatz am Gartenweg stimmte. Mehr aus Georgsmarienhütte

Das Osnabrücker Architektenbüro Feldwisch-Drentrup entwarf die Pläne für das mit 15 Metern Länge und neun Metern Tiefe recht bescheidene Rathaus und am 24. März 1965 konnte mit Zimmermeister Korte bereits Richtfest gefeiert werden. Im Oktober desselben Jahres bezog die Verwaltung die neuen Räume im Erdgeschoss. Das Obergeschoss war von vornherein als Wohnung geplant, die Mieteinkünfte sollten zur Finanzierung des 185000 DM teuren Baus beitragen. Besonders finanzstark war die kleine Landgemeinde nämlich nicht. Deshalb war es auch nur nachvollziehbar, dass sie, als sich die Option zum Stadt-Zusammenschluss bot, von Anfang an dabei war. Dank ihrer Flächen konnte die neue Stadt später ausgedehnte Industriegebiete ausweisen.


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