Anruf mit falscher Telefonnummer Georgsmarienhütter von ominösem Institut angerufen

Von Sebastian Philipp

Ein ominöser Anrufer mit offenbar gekaperter Telefonnummer treibt in der Region sein Unwesen. Angewählt wurde auch Rainer Wolf aus Georgsmarienhütte. Symbolfoto: dpa/StrobelEin ominöser Anrufer mit offenbar gekaperter Telefonnummer treibt in der Region sein Unwesen. Angewählt wurde auch Rainer Wolf aus Georgsmarienhütte. Symbolfoto: dpa/Strobel

Georgsmarienhütte. Ein ominöser Anrufer mit möglicherweise gekaperter Telefonnummer treibt in der Region sein Unwesen. Angewählt wurde auch Rainer Wolf* aus Georgsmarienhütte. Er vermutet, dass sein Gegenüber am anderen Ende der Leitung nichts Gutes im Schilde führte.

„Hier ist das Marktforschungsinstitut Aviso“, mit diesen Worten begann das seltsame Telefongespräch, das Wolf in der vergangenen Woche führte. Der Fragenkatalog, den die männliche Stimme am anderen Ende der Leitung mit seinem Pendant durchgehen wollte, ist aus empirischer Sicht jedoch reichlich dünn, denn ganze drei Fragen wurden dem Georgsmarienhütter gestellt: „Wie alt sind Sie?“, Wie viele Menschen wohnen in ihrem Haushalt?“ und „Haben Sie Hunde?“. Vor allem die letzte Frage machte Wolf misstrauisch.

Spionage am Telefon?

Er vermutet hinter dem Anruf eine Masche, um Haushalte auszuspionieren. „Warum fragt man mich, ob ich einen Hund habe?“, sagt der Georgsmarienhütter im Gespräch mit unserer Redaktion. Für ihn klinge das wie ein Test, welche Gefahren auf potenzielle Einbrecher warten würden. Auch dass ihm quasi als Belohnung für die Umfrage oder als Gewinn eine kostenlose Belohnung in Aussicht gestellt wurde, erhöhte sein Misstrauen. Wolf jedenfalls ging nicht auf das Angebot ein und beendete das Gespräch.

Nur scheinbare Seriösität

Scheinbare Seriösität vermittelte die Telefonnummer, die Wolf in seinem Telefondisplay erblickte. Die Nummer 0521/4469993 verweist per Vorwahl auf den Standort Bielefeld – und ist im Internet nicht gerade eine Unbekannte. Auf Portalen wie www.anruf-info.de sind mehr als 100 Einträge mit Meldungen von Angerufenen hinterlegt, die vor dem angeblichen Meinungsforschungsinstitut warnen. Bei einer genaueren Betrachtung der Nutzer-Meldungen fallen drei Dinge auf: Die Anrufer glänzen nicht gerade durch Freundlichkeit, es werden oft banale Fragen gestellt – und nicht selten werden Gewinne oder kostenlose Abonnements versprochen. Exakt so wie es im beschriebenen GMHütter Fall ebenfalls passiert ist.

NOZ dreht den Spieß um

Unsere Redaktion wollte den Spieß umdrehen und das angebliche Marktforschungsinstitut zur Rede stellen. Doch die angegebene Nummer existiert offenbar gar nicht, zumindest brachte die Inverssuche bei www.telefonbuch.de kein Ergebnis. Für Georg Linke ist das allerdings kein Mysterium, sondern der Hinweis auf ein typisches Vorgehen, das bei vielen Betrugsmaschen angewendet wird: „Mittlerweile ist es leider relativ einfach, eine Telefonnummer zu kapern oder zu fälschen – gerade bei Voice-over-IP-Telefonaten. Generell sollten Betroffene nicht davon ausgehen, dass sie in ihrem Display eine richtige Nummer sehen“, sagt der Sprecher der Polizeiinspektion Osnabrück auf Nachfrage unserer Redaktion. Bezogen auf den geschilderten Fall könne es jedoch auch sein, dass das anrufende Callcenter die eigene Nummer einfach für Rückrufe gesperrt habe.

Betrug via Telefon

Anrufe, wie sie Rainer Wolf erhalten hat, seien keine Seltenheit . Für die Polizei sei es jedoch schwer zu beurteilen, ob solche Telefonate im Einzelfall eine strafrechtliche Relevanz haben. In der Vergangenheit habe die Polizei immer wieder vor Betrugsmaschen per Telefon gewarnt, gerade wenn es um vermeintliche Gewinne oder Angebote gehe. „Generell sollte man mit persönlichen Daten am Telefon sehr vorsichtig umgehen und auf gar keinen Fall Kontodaten verraten“, rät Linke.

Hilfe bei der Bundesnetzagentur

Ungebetene Werbeanrufe können übrigens bei der Bundesnetzagentur via Internetformular gemeldet werden. Hintergrund: Personen müssen in den Erhalt von Werbeanrufen zuvor ausdrücklich eingewilligt haben. Sonst handelt es sich um einen unerlaubten Werbeanruf, in der Fachsprache „Cold Call“ genannt, den die Bundesnetzagentur eigenen Angaben zufolge verfolgen kann. Rund 26.000 Meldungen dieser Art habe die Bundesnetzagentur alleine im Jahr 2014 bekommen, berichtet Sprecher Michael Reifenberg im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Rückverfolgung solcher Anrufer ist nicht ganz einfach, der Gesetzgeber hat hierbei einige Hürden aufgebaut, die nur durch richterliche Anordnung überwunden werden können.“ Schwierig bis unmöglich werde eine Rückverfolgung, wenn der Anruf aus dem Ausland kam oder über mehrere Server lief.

Eigene Nummer für Werbeanrufe sperren

Einen Tipp haben die Kollegen des Portals chip.de : Besitzer einer FritzBox können eingehende Anrufe von bestimmten Nummern sperren lassen. Eine Anleitung dazu gibt es hier .

* Name geändert


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