86 Schüler in einem Raum GMHütterin Dorothea Regenbrecht berichtet aus Togo

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Welche Zukunft erwartet diese ernst dreinblickenden jungen Menschen? 86 Schüler im – noch - provisorischen Klassenraum in Kidjaboun. Foto: Hubert SchlieWelche Zukunft erwartet diese ernst dreinblickenden jungen Menschen? 86 Schüler im – noch - provisorischen Klassenraum in Kidjaboun. Foto: Hubert Schlie

Georgsmarienhütte. Ein Jahr nachdem sie die erfolgreich in Bad Oeynhausen operierte Herzpatientin Yasmine und ihre ältere Schwester Farida zurück nach Togo begleitet hatten, besuchten Dorothea Regenbrecht und Hubert Schlie die Kinder erneut. Im November und Dezember trafen sie zudem weitere Patenkinder des Georgsmarienhütter Freundeskreises Togo und kümmerten sich um aktuelle Hilfsprojekte.

Im Dorf Koufielkou konnten sie die Einweihung der vom Freundeskreis finanzierten und soeben fertiggestellten Grundschule mitfeiern, in Kidjaboun hingegen trat man mit Bitten um den Bau einer wetterfesten Realschule samt Brunnen, Toiletten und einer Solaranlage an sie heran. Die Pläne wurden bereits vom Erziehungsministerium genehmigt, im März soll mit dem 38 000 Euro teuren Bau begonnen werden.

Beide Dörfer liegen im Norden des Landes, der besonders unter extremer Armut leidet. Die meisten Menschen dort haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder zu sanitären Einrichtungen und die Landwirtschaft reicht kaum aus, um die eigene Bevölkerung zu ernähren. Hinzu kommt neuerdings die Angst vor dem Terror, der hier, unweit der Landesgrenze zu Burkina Faso, noch bedrohlich näher scheint als in der Landeshauptstadt Lomé an der Küste. Der Präfekt, ein hoher Verwaltungsbeamter, und der Parlamentsabgeordnete André Beguem kamen diesmal mit Personenschutz zur Einweihung der neuen Grundschule.

Seit 1999 engagieren sich Regenbrecht und der Freundeskreis für Menschen in Togo. In dieser Zeit konnten sie in enger Zusammenarbeit mit dem Generalsekretär der Caritas für Togo, Pater Marian Schwark, 18 Schulgebäude errichten oder sanieren, zwei Brunnen, eine Brücke, eine Krankenstation und eine Kirche bauen. Vor allem die junge Generation liegt ihnen am Herzen: „Die Jugend in diesem Land braucht dringend eine Perspektive und die gibt es nur durch Bildung.“

Die Bewohner der Region um Kidjaboun seien noch vielfach den traditionellen Naturreligionen verbunden, auch verheirateten sie ihre Töchter schon sehr jung. Längst nicht alle Kinder besuchten die Schule. Während in den Grundschulen das Schulgeld inzwischen abgeschafft sei, zahlten Eltern für den Realschulbesuch ihrer Tochter umgerechnet 7,70 Euro, für den des Sohnes 10 Euro.

In Kidjaboun mit einem Einzugsbereich von 20 Dörfern zählt man 451 Realschüler, jedoch nur 190 Realschülerinnen. Als Zeichen für ein beginnendes Umdenken wertet Regenbrecht, dass der Präfekt in seiner Ansprache die zuhörenden Mädchen aufforderte, sich hilfesuchend an die staatlichen Behörden zu wenden, falls sie gegen ihren Willen verheiratet werden sollten.

Bestätigt wird das Engagement des Freundeskreises Togo durch den Besuch von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in Togo Anfang Januar dieses Jahres. Dabei traf Müller bei einem Arbeitsessen auch mit Pater Marian zusammen. Müller unterstrich, dass Togo nach Jahrzehnten der Diktatur nun in einer Phase der Demokratisierung und gesellschaftlichen Öffnung sei und als „Stabilitätsfaktor in Westafrika“ besonderer Unterstützung bedürfe. Nach fast 20-jähriger Unterbrechung hat Deutschland 2012 die Entwicklungshilfe für den Sieben-Millionen-Einwohner-Staat wieder aufgenommen.

Mit einem Diavortrag am Donnerstag, 11. Februar, um 19.30 Uhr im Rathaussaal, werden Dorothea Regenbrecht und Hubert Schlie allen Interessierten Eindrücke von ihrer jüngsten Reise vermitteln. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.


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