Bilanz der GMHütter Stadtbibliothek 40 Prozent der Nutzer in GMHütte kommen von außerhalb

Meine Nachrichten

Um das Thema Georgsmarienhütte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Seit Februar vergangenen Jahres Leiter der Stadtbibliothek GMHütte: Christoph Höwekamp Foto: Stadtbibliothek/Lev SieberSeit Februar vergangenen Jahres Leiter der Stadtbibliothek GMHütte: Christoph Höwekamp Foto: Stadtbibliothek/Lev Sieber

Georgsmarienhütte. Seit knapp einem Jahr leitet Christoph Höwekamp inzwischen die Stadtbibliothek GMHütte. Ein Blick auf die Ausleihzahlen 2015, das GMHütter Personal-Modell sowie Bibliothekskonzepte im „Zeitalter des kreativen Endnutzers“. Für den 36-Jährigen entwickeln sich die Bibliotheken zu einem Ort des Mitmachens.

Herr Höwekamp, das Team der Stadtbibliothek hat wie immer zum Jahreswechsel die Ausleihezahlen ausgewertet. Was sind die wichtigsten Aussagen für das Jahr 2015, das ab Februar unter Ihrer Leitung gelaufen ist?

Wir haben uns wieder gesteigert und in der Hauptstelle an der Schoonebeekstraße im Oeseder Zentrum mit insgesamt rund 220000 Ausleihen ein leichtes Plus in der Größenordnung von rund 1500 Nutzungen gehabt. Auf die Onleihe ebib2go, also die Nutzung digitaler Medien, entfallen dabei 7500 Ausleihen – also ein Anteil von knapp drei Prozent. Auch hier verzeichnen wir eine moderate Steigerung. Wir sind alles in allem sehr zufrieden. Die genauen Zahlen der Außenstellen liegen erst im Februar vor. Hier gehen wir wie in den Vorjahren wieder von rund 45000 weiteren Ausleihen aus.

Welcher Anteil entfällt dabei auf Bücher und wie viel auf audio-visuelle Medien wie Hörbücher und CDs beziehungsweise auf Konsolenspiele?

Buchtitel und gedruckte Medien haben im vergangenen Jahr rund 60 Prozent des Alltagsgeschäfts ausgemacht. Das ist ein sehr guter Wert, denn andere Bibliotheken liegen da bereits zum Teil im Bereich von nur noch der Hälfte. Die restlichen 40 Prozent unserer Ausleihen verteilen sich auf Hörbücher, CDs, DVDs und Blu-Rays sowie Spiele aller Art. Nur die Onleihe ist noch nicht so relevant. Das liegt aber auch an System und Anzahl der vorhandenen Medien. Da nur um die 4500 Medien im Bestand sind und die Ausleihezeit 21 Tage beträgt, sind theoretisch maximal knapp 78000 Ausleihen pro Jahr im Verbund möglich, zu dem neben GMHütte die Stadtbibliothek Osnabrück und die Stadbücherei Bramsche gehoren. Dadurch besteht in der Praxis nur wenig Steigerungspotenzial – es sei denn, es wäre möglich, sehr viel mehr Mittel in diesen Bereich zu investieren. Aber die sind nicht da. Die Wartezeiten bei Vorbestellungen sind also groß, und auch die elektronische Rückgabe klappt noch nicht optimal.

Wie verteilen sich die Nutzer auf die Region?

Da ist interessant, dass rund 40 Prozent unserer Ausleiher aus der Region kommen, was zeigt, dass GMHütte als Mittelzentrum auch in dieser Hinsicht eine besondere Funktion hat. Knapp 20 Prozent entfallen hier auf die Stadt Osnabrück, was ein überraschend hoher Anteil ist. Dann kommen Bad Iburg, Hasbergen, Hagen und Bad Laer. Wir erreichen mit unserer Arbeit die Nachbarkommunen.

Sie leiten knapp ein Jahr die Stadtbibliothek, die mit einem hohen Anteil an ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Ausleihe eine besondere Struktur hat. Wie sieht es beim Personal aus?

GMHütte hat ein sehr seltenes Modell, aber es fiel mir leicht, mich darauf einzulassen. Bei der Zahl der Ehrenamtlichen im Team sind wir aktuell sogar auf Platz drei in Deutschland. Wir haben ein tolles Team aus Festangestellten und Ehrenamtlichen, und die Arbeit funktioniert im Alltag sehr gut. Aber natürlich können bei der dünnen Personaldecke Ausfälle nicht so einfach kompensiert werden. Wenn einer der Hauptamtlichen länger krank ist, bleibt auch hier Arbeit liegen, und wir gehen auf dem Zahnfleisch. Normalerweise hätte eine Bibliothek in der Größe neun bis zehn Festangestellte. Wir kommen mit rund der Hälfte aus. Einige Aufgaben werden aber bei uns von den 55 Ehrenamtlichen erledigt. Die Bandbreite reicht hier von 14 Jahren bis 70 plus. Die Älteste im Team ist übrigens 85 Jahre, und es ist bewundernswert, diese Frau am Computer zu sehen. Aber es ist natürlich immer wieder nötig, neue Leute zu finden.

Wie ist generell die Nachwuchssituation im Bibliotheksbereich?

Hier erleben wir gerade einen Umbruch, denn das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt hier bei rund 50 Jahren. Wir brauchen Nachwuchs, und deshalb will die Stadtbibliothek GMHütte auch ausbilden. Das ist ein großer, zentraler Punkt für uns. FaMI, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, heißt der Ausbildungsgang, und die Leute sind auch gefragt. Es gibt immer mehr Stellen, die hier frei werden. Das ist neben Bibliothek als Ort für lebenslanges Lernen ein zweiter ganz wichtiger Punkt für die Zukunft. Wir stehen vor spannenden Herausforderungen.

In welchen Bereichen verzeichnen Sie derzeit positive Entwicklungen, und welche Ausleihangebote sind eher rückläufig?

Wir haben zuletzt zum Beispiel erstaunlicherweise im Sachbuchbereich zugelegt. Hier ist zuletzt aber auch einiges gemacht worden – wir haben einiges aussortiert und werden fortfahren, den Bereich umzugestalten, damit das Angebot übersichtlicher wird. Wir brechen hier die bisherige Sortierung auf und werden künftig stärker Inseln haben, zum Beispiel zum Thema Garten, eine mit Hobbys oder Kochen und Backen. Wir setzen in dem Bereich verstärkt auf Verbraucherthemen. Wo es zuletzt etwas runtergegangen ist, sind zum Beispiel Kinderbücher. Auch hier steht eine Überarbeitung der Attraktivität des Kinderbereichs an. Dafür sind Hörbücher und andere Medien gestiegen. Wir müssen auch immer wieder neu überlegen, wie wir unseren Anschaffungsetat neu verteilen, denn audio-visuelle Medien und insbesondere Konsolenspiele werden immer teurer, und die Medienvielfalt nimmt zu. Aufgrund von Preissteigerungen hat die Stadtbibliothek zum Beispiel bei Zeitschriften-Abos einiges ändern müssen.

Wie hoch ist das jährliche Budget für Neuanschaffungen?

Es sind ungefähr 40000 Euro, die wir jedes Jahr für die Hauptstelle in Oesede ausgeben können. Das ist im Vergleich ein durchschnittlicher Betrag, der seine Grenzen hat, wenn Aufgaben wie die Modernisierung des Sachbuchbestands notwendig sind oder neue Medien und Aufgaben hinzukommen. Die Onleihe, für die wir Mittel der Stiftung Stahlwerk eingeworben haben, ist bei dem Betrag aber ebenso außen vor wie die Außenstellen, die jeweils über einen eigenen kleinen Etat verfügen. Es ist uns gelungen, für einige Aufgaben auch externe Mittel einzuwerben. Das gilt zum Beispiel für die Erweiterung des Angebots von Manga-Comics oder bei den Lernmitteln für Deutsch als Fremdsprache.

Die Stadtbibliothek hat sich früh beim Thema Flüchtlinge engagiert. Was ist hier nötig, um als Einrichtung hier die nötige Kompetenz zu haben?

Wir haben bereits im vergangenen April ein Regal mit Materialien zu Deutsch als Fremdsprache aufgebaut und vor Kurzem ein mehrsprachiges Regal mit Kinderbüchern eingerichtet. Hier sind Mittel umgeschichtet worden, um den Bestand zu erweitern. So ist zum Beispiel alles aufgekauft worden, was es an zweisprachigen Bilderbüchern in Arabisch/ Deutsch gibt. Wir unterstützen das Deutschlernen auch mit kostenlosen Leseausweisen für Kinder und Jugendliche. In unserem Veranstaltungsraum finden am Dienstag- und Freitagvormittag auch zweimal die Woche Deutschkurse vom lokalen Unterstützerkreis Flüchtlinge statt. Da sind zum Teil 30 Leute im Raum – und wir an der Kapazitätsgrenze. Daher werden die Kurse in Zukunft auch in St. Peter und Paul stattfinden, da hier vormittags die ganze Woche Räume zur Verfügung stehen. Wir sehen gerade auch, dass einige Bibliotheken wieder Sprachlabore ins Leben rufen. Das war früher mal ein Trend, um sich zum Beispiel auf Urlaubsreisen vorzubereiten. Solche Angebote hat es rund zehn Jahre nicht mehr gegeben, erleben aber vor dem Hintergrund der Flüchtlingssituation eine Renaissance. Das wäre etwas, was auch für die GMHütter Bibliothek möglich wäre. Ich sehe generell für unser Haus die Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität als ganz entscheidende Faktoren für alle Gruppen.

An welche Verbesserungen ist konkret gedacht, und welche neuen Angebote sind in Planung?

Wir versuchen, in der Kinderbibliothek zum Beispiel beim stark abgenutzten Teppich etwas zu tun und wollen die dort vorhandene Bühne besser nutzen, um bei Veranstaltungen flexibler reagieren zu können. Den Sachbuchbereich habe ich bereits angesprochen, und auch Eingangstür und Entree sind nach 20 Jahren modernisiert worden und jetzt barrierefrei. Wir sind nach 20 Jahren jetzt in einem Zyklus angekommen, wo einfach ganz normal vieles ausgetauscht werden muss. Hier helfen uns Stadt und Träger, attraktiv zu bleiben und Dinge in Angriff nehmen zu können. Die Bibliothek als generationsübergreifender Lernort und Treffpunkt – das ist für die Zukunft ein wichtiger Aspekt. Es gibt hier einige Pläne, aber wir müssen das auch personalmäßig stemmen können. Alles macht nur Sinn, wenn auch die Nachhaltigkeit gewährleistet ist.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN