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Peinliche Panne beim Festmahl Hundefutter für Kunden der Osnabrücker Tafel


Georgsmarienhütte/Osnabrück. Das Etikett liest sich auf den ersten Blick ganz lecker: „Rehfleisch und Kartoffeln mit Gartengemüse“ steht groß darauf, und, etwas kleiner, „Fleischmenü im Glas“ sowie „Vom Lande“. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass der Hersteller „Feinkost für Tiere“ produziert. Mindestens drei Senioren sollen diese Mahlzeit in der Weihnachtswoche von der Osnabrücker Tafel als Lebensmittel in GMHütte geliefert bekommen und beinahe verzehrt haben.

Ein Blick auf die Zutatenliste der Gläser liest sich zumindest für Menschen, die nicht gerade auf Innereien stehen, nicht sonderlich appetitlich: Die 62 Prozent enthaltenes Fleisch sollen aus Rehleber, Rehherzen und Muskelfleisch bestehen. Allerdings steht darüber auch „Alleinfuttermittel für ausgewachsene Hunde“. Das ist jedoch gerade dann problematisch, wenn – wie offensichtlich geschehen – der Kunde der Tafel schlecht sieht, und sich deshalb das Gericht ohne weitere Gedanken in der Pfanne erhitzen will. „Erst durch den dabei entstehenden Geruch wurde die Person misstrauisch und hat sich eine Lupe geholt“, berichtet ein Vertrauter, der ebenso wie die Person selbst anonym bleiben will, der aber noch von einen weiteren Fall berichten kann.

Der Vorstand der Osnabrücker Tafel wurde abgewählt. Hier lesen Sie mehr.

Systemfehler?

In beiden Fällen – eine Mitarbeiterin der GMHütter Tafel spricht von einem weiteren, der aber noch rechtzeitig bemerkt wurde – ist das Hundefutter den Recherchen der NOZ zufolge in der Weihnachtswoche durch die Tafel ausgeliefert worden. Das Futtermittel, das erst seit Anfang des Jahres 2015 von der Firma Santaniello in Osnabrück produziert wird, hat eine Mindeshaltbarkeit von zwölf Monaten. Insofern ist die Schlussfolgerung naheliegend, dass das hochwertige und hochpreisige Produkt vor den Feiertagen im Handel aussortiert und der Tafel zur kostengünstigen Weitergabe gespendet wurde.

Weg der Lebensmittel

„Unser Lagerleiter sichtet täglich mehrere Tonnen Lebensmittel und möglicherweise hat er aufgrund der Gestaltung der Verpackung nicht bemerkt, dass das Produkt nicht für Menschen vorgesehen ist“, sagt Dieter Möllmann, der scheidende Vorstand der Osnabrücker Tafel. Von dort aus gehen die Spenden an alle Regionalstellen der Tafel im gesamten Stadt- und Landkreis Osnabrück – neben Belm, Dissen und Wallenhorst gehört dazu eben auch Georgsmarienhütte. Auch dort hat eine ehrenamtliche Mitarbeiterin ihren Kunden nur etwas Gutes tun wollen, denn eigentlich ist Wild ja eine Delikatesse. Auch sie hat den Missgriff aufgrund der Verpackung offensichtlich nicht bemerkt.

Entschuldigung und mehr Kontrollen

„Die Verwechslung tut uns außerordentlich leid“; betont Tafel-Vorstand Möllmann und verspricht als Konsequenz aus dem Missgeschick: „Wir werden alle Stellen in den internen Betriebsabläufen aufgrund dieses Vorfalls anweisen, die Lebensmittel zukünftig noch genauer zu sichten und zu prüfen.“ Allerdings kann er nicht ausschließen, dass das Hundefutter auch an andere Kunden gegangen ist – und bittet diese insofern ebenfalls, die Lebensmittel zu prüfen. Einen derartigen Hinweis gebe es für Kunden der Tafel grundsätzlich sowieso, denn schließlich könne man bei Lebensmitteln nie sicher sein, dass diese vollkommen schadlos seien. Dieter Möllmann sieht einen Teil der Verantwortung allerdings auch beim Hersteller des Produkts: „Andere Futtermittel haben deutlich sichtbar Tiere auf der Verpackung, sodass eine Verwechslung zumindest unwahrscheinlicher ist“, sagt er.

Landidylle als Marketingstrategie

Derartige Andeutungen weist Gordon Santanielle, Geschäftsführer des fraglichen Tierfutterherstellers, allerdings von sich: „Auf der Verpackung steht im Rahmen der Zutatenliste deutlich sichtbar ,Alleinfuttermittel für Hunde‘ und auch im Herstellerlogo auf der Vorderseite ist der Zusatz Feinkost für Tiere‘ zu lesen.“ Den Deklarationspflichten sei damit Genüge getan, ist sich Santaniello sicher. Die Gestaltung des Futters im Glas sei zudem Teil der erfolgreichen Marketingstrategie, um das Produkt verkaufen zu können.

Keine Gesundheitsgefahren

Im Übrigen weist der Hersteller darauf hin, dass das Produkt ausschließlich Fleisch in Lebensmittelqualität enthalte, das sorgfältig geprüft und bei der Zubereitung lange gekocht werde. Es sei frei von jeglicher Chemie wie Konservierungs- oder Lockmitteln. „Abseits des möglichen Ekelfaktors wegen der Zutaten ist der Verzehr für Menschen vollständig unbedenklich“, sagt Gordon Santaniello. Er selbst, so schildert er, esse im Rahmen von Produktvorführungen gerne aus den Gläsern, um die hohe Qualität zu demonstrieren.


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