Mehr als Worte Flüchtlingshelfer lernen in GMHütte Sprachen lehren

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Gute gelaunt: Am Ende des Seminars waren die ehrenamtlichen Sprachlehrer hoch motiviert, ihren Schützlingen beim Start in Deutschland zu helfen. Foto: Anke SchneiderGute gelaunt: Am Ende des Seminars waren die ehrenamtlichen Sprachlehrer hoch motiviert, ihren Schützlingen beim Start in Deutschland zu helfen. Foto: Anke Schneider

Georgsmarienhütte. Sprachkurse für Flüchtlinge sind weitaus mehr, als das Vermitteln des deutschen Wortschatzes. In einem kostenlosen Seminar der Landvolk-Hochschule Oesede erfuhren nun 26 Teilnehmer, was es für Flüchtlinge bedeutet, in einem fremden Land mit fremder Kultur Fuß zu fassen.

„Das war ein wertvolles Wochenende“ und „Ich habe sehr viel mitgenommen“, waren Reaktionen der ehrenamtlichen Sprachlehrer, die am Ende des Seminars zu hören waren. Die Begeisterung der Teilnehmer war groß, ebenso das Interesse an dem Kurs im Vorfeld. „Wir hatten so viele Nachfragen, dass wir das Seminar am 5. und 6. Dezember noch einmal anbieten“, sagte Judith Soegtrop-Wendt, pädagogische Mitarbeiterin der Landvolk-Hochschule. Sie hatte den Kurs konzipiert und darauf geachtet, dass die Teilnehmer neben den Grundlagen der Sprachvermittlung auch vieles über die Menschen erfahren, denen sie die deutsche Sprache beibringen möchten.

Laute kommen nicht vor

Zunächst berichtete eine vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zertifizierte Sprachlehrerein die Grundlage der Sprachentwicklung in verschiedenen Ländern und berichtete, dass vor allem Araber mit Lauten wie ö, ü, ä oder auch ch große Probleme haben. Diese Laute kommen in ihrer Sprache nicht vor, dementsprechend sei die Muskulatur zum Formen der Laute auch nicht ausgebildet. Die Expertin zeigte schließlich verschiedene Methoden auf, wie man Sprache vermitteln kann.

Persönliche Erfahrung

Am zweiten Tag war die Hauptdarstellerin Debbie Coetzee-Lachmann, eine Südafrikanerin, die an der Osnabrücker Uni die englische Sprache lehrt. Sie konnte aus eigenen Erfahrungen als Ausländerin Deutschland schöpfen und bereicherte das Seminar mit vielen, teils sehr humorvollen Ereignissen aus ihrer Anfangszeit. Sie berichtete, dass nicht nur die Deutschen Angst vor fremden Kulturen haben. Die Flüchtlinge haben sie ebenso. Ihr Anliegen sei, für Gefühle und Verhalten von Flüchtlingen zu sensibilisieren, so Coetzee-Lachmann. „Es ist besser, einen Stock für eine Schlange zu halten, als eine Schlange für einen Stock“, machte sie deutlich, dass Angst ein urmenschliches Gefühl ist.

Empathie wichtig

Nach Ansicht der Südafrikanerin sei Empathie das wichtigste Fundament für einen Sprachkurs. Sich in die Kultur, das Denken und in die Gefühle der Flüchtlinge einzufinden schaffe Vertrauen, dass für eine fruchtbare Zusammenarbeit notwendig sei. Sprachlehrer sollten sich bemühen, die Welt auch durch die Augen der Asylsuchenden zu sehen. „Trotzdem ist Ihre Rolle beim Erlernen der Sprache sehr klein“, sagte Coetzee-Lachmann zu den Teilnehmern des Seminars. Der Wille der Flüchtlinge sei ausschlaggebend für den Erfolg. „Man kann zwar jedes Pferd zum Wasser bringen, aber nicht jedes Pferd zum Trinken.“

Gepflogenheiten

Neben dem Vermitteln des Wortschatzes gehört zum Sprachkurs auch das Sprechen über Gepflogenheiten und gesellschaftliche Regeln – hüben wie drüben. „Pünktlichkeit ist für viele Flüchtlinge nicht wichtig“, nannte Coetzee-Lachmann ein Beispiel. In anderen Ländern sei es viel wichtiger, mit Freunden auf der Straße zu klönen, als pünktlich zum Sprachkurs zu erscheinen.

Erzählen und zuhören

Es dauert zehn bis 15 Jahre, bis man eine Gesellschaft durchschaut hat und ihre Regeln versteht“, berichtete die Referentin aus eigenen Erfahrungen. „Helft ihnen, unsere Gesellschaft kennenzulernen“ , forderte sie auf. „Erzählen sie den Menschen Ihre Geschichten und hören sie ihren Geschichten zu. Wenn Empathie die Grundlage ist, schaffen wir es.“


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