Lesung in Georgsmarienhütte Achim Amme und Volkwin Müller feiern Lennons 75.

Von Frank Muscheid

Tolles Duo für einen tiefen Einblick in eine Musiker-Legende. Mit „All you need is love“ bringen Achim Amme und Volkwin Müller die letzten Jahre der Legende ganz nah. Foto: Frank MuscheidTolles Duo für einen tiefen Einblick in eine Musiker-Legende. Mit „All you need is love“ bringen Achim Amme und Volkwin Müller die letzten Jahre der Legende ganz nah. Foto: Frank Muscheid

Georgsmarienhütte. John hätte es bestimmt gefallen: Der Hamburger Autor, Schauspieler und Musiker Achim Amme und der Detmolder Gitarrist Volkwin Müller haben dem berühmten Ex-Beatle John Lennon mit „All you need is love – Lennons letzte Jahre“ im Niedersachsen-Saal eine tolle musikalische Lesung gewidmet. Nur etwa 20 Zuschauer erlebten eine lebendige Biografie aus der Feder Philip Normans, vorgetragen mit Herz, Einfühlungsvermögen und musikalischer Klasse.

Ein großer Musiker, der der Welt etwas zu sagen hatte: Am 9. Oktober wäre Lennon 75 Jahre alt geworden, hätte ihn nicht ein fanatischer Fan am 8. Dezember 1980 niedergeschossen. Fünf Cajon-Schläge von Volkwin Müllers Base-Pedal lassen einen auch jetzt noch zusammenzucken über die Sinnlosigkeit dieser und jeder Gewalt. Wir vermissen dich, John, aber deine Musik ist geblieben.

Musik als Schlüsselerlebnis

Sein Tod mit gerade einmal 40 Jahren stilisierte Lennon zu einer tragischen Symbolfigur der Friedensbewegung. Dabei wollte er selbst vor allem ein ganz normaler Familienvater mit seiner Frau Yoko Ono sein, der sich schon aus dem Showbiz zurückzog und auf dem Weg zu seinem fünfjährigen Sohn Sean war, um ihn ins Bett zu bringen. Vor seinem Stammlokal trafen ihn die Kugeln eines Außenseiters, eines Herumgeschubsten, der Lennon für das Aus der Beatles verantwortlich machte.

Schlüsselerlebnis

„Help me if you can“, erklingt aus den Boxen, ein stiller, verzweifelter Hilferuf. Immer wieder unterlegt Amme seine eindringliche Lesung der „letzten Jahre“ stilsicher mit ergreifenden, ganz großen Lennon-Werken von CD, oder steigt Müller live ein. „Eine reine Lesung, bei der der Autor mit einem Glas Wasser da sitzt, ist doch langweilig“, begründet Amme. „Die Beatles waren für mich und Volkwin ein Schlüsselerlebnis durch die Kreativität, die Qualität, den Witz und die Lebendigkeit ihrer Musik.“

„Authentische Texte“

Vorher seien nur „verlogene Schlager“ aus den Boxen gedrungen, mit Lennon aber habe einer „eigene, ehrliche, authentische Texte“ geschrieben. „Ich habe versucht, dem nachzueifern. Das hat mich aufgefordert, selbst kreativ zu sein.“ Kein Wunder also, dass Ammes Autoren-Karriere immer wieder von Musik begleitet ist. Einer Tour mit Beatles-Tribute-Band zu den frühen Jahren folgt nun die Tour mit dem Detmolder Müller, zwei hörbar leidenschaftliche Lennon-Fans: 2013 gab es den ersten gemeinsamen Auftritt.

Über Schwächen und Zweifel gesungen

„Lennons Musik spricht etwas in mir an“, sagt Müller, der eindringlich, fingerfertig, gefühlvoll Lennon-Klassiker wie „Imagine“ oder „Working Class Hero“ zelebriert, oft im Duett mit Amme. „1980 war ich noch in der Schule. Der Mord an Lennon hat mich erschüttert: Wie kann ein Mensch, der solche Songs schreibt, so gewaltsam sterben?“ Lennon habe ihn immer wieder beschäftigt und verbinde ihn mit vielen Menschen.

„Give peace a chance“

Lennons Aussage, er würde gern alles, was er mit den Beatles gemacht habe, noch einmal aufnehmen, lote er aus, so Müller. Er hat ein Lennon-Cover-Album mit vielen Gästen aufgenommen. Mit der Musik des Liverpoolers habe er viel über sich selbst herausgefunden: „Damit zeigt er auf, wie gutes Songwriting geht.“ Den Lennon-Mörder verurteilt die Biografie nicht, sondern verdeutlicht vor allem, was Lennon ihm und vielen anderen bedeutete mit seinem „unsicheren Songwriting“, der Kunst, die eigenen Unsicherheiten und Zweifel in starke Musik zu verwandeln. Zu „Give peace a chance“ sagt Amme: „Das ist leider immer noch sehr aktuell.“


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