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Werkzeug und rohe Gewalt? Waldbesitzer fordern Polizei gegen Downhill-Fahrer


hpr Georgsmarienhütte. Ein schärferes Einschreiten von Ordnungsbehörden und Polizei gegen illegales Downhill-Fahren fordern Waldbesitzer und Forstbehörden. Bei einem Treffen am Dörenberg sicherte Norbert Leben, Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, zu, nun sehr intensiv in der Landesregierung auf diese Probleme in Niedersachsens Wälder hinzuweisen.

Nach Lebens Darstellung rasen Downhill-Fahrer überall dort durch quer den Wald , wo rasante Bergabfahrten möglich sind. Das müsse auch mit Hilfe der Polizei gestoppt werden. Überrascht zeigte er sich von der Vielzahl unterschiedlich langer Strecken im Osnabrücker Land. Von 160 Abfahrten war die Rede. Die Strecken gehen immer quer durchs Gehölz, niemals über Waldwege, auf denen Zweiradfahrer legal verkehren können. „Kreuz und quer durch den Wald – das ist illegal“, sagen die Waldbesitzer, private wie öffentliche.

Sie haben im Frühjahr Verbotsschilder an den Parkplätzen rund um den Dörenberg befestigt. Doch die sind inzwischen zum größten Teil verschwunden oder demoliert – von den illegalen Downhill-Fahrer, wie sie vermuten. Dabei ist Werkzeug und rohe Gewalt eingesetzt worden, was Johannes Meyer zum Alten Borgloh, Vorsitzender der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd, als „kriminelle Handlung“ bezeichnet.

Die rasenden Mountainbiker suchen offenbar den besonderen Kick – ohne auf Leib und Leben sowie Wild und Natur zu achten brettern sie durch den Wald. „Wenn sie auf den Waldwegen bleiben, sind sie uns willkommen“, sagt Johannes Meyer zum Alten Borgloh. Doch die meisten Mountainbiker sind auf schmalen Spuren zwischen den Bäumen abwärts unterwegs, fräsen Rinnen in den Boden, fördern so die Erosion bei Niederschlägen, verdichten Boden und beschädigen Wurzeln, kreuzen Wald- und Wanderwege in rasendem Tempo, stören das Wild in Brut- und Setzzeiten sowie in Ruhezeiten im Winter, heißt es von Forstleuten und Waldbesitzern.

Erschwerend kommt für die privaten und öffentlichen Waldbesitzer hinzu, dass die Downhill-Fahrer Strecken präparieren mit Schanzen und Schikanen. Kommen selbst auf diesen illegalen Strecken Menschen zu Schaden, fürchten die Waldbesitzer Regressforderungen. Die können sie nur abwehren, wenn sie nachweisen können, dass sie solche Einbauten nicht dulden und sie zerstören. Bricht sich also ein Downhill-Fahrer im Wald die Knochen, könnte der Waldbesitzer sogar in Regress gezogen werden für etwas, was er nicht selbst verursacht hat.

Johannes Meyer zum Alten Borgloh sieht seine Mitglieder allerdings angesichts rund 160 kartierter Downhill-Strecken im Osnabrücker Land überfordert, jeden Tag diese illegalen Strecken in ihren Wäldern zu kontrollieren und mögliche Einbauten nachhaltig zu beseitigen. Auch deshalb kommt sein Ruf nach mehr Kontrollen durch Ordnungsbehörden und Polizei.

Dass die Downhill-Fahrer sich im Landschaftsschutzgebiet am Dörenberg heimisch fühlen, hat etwas mit der dortigen Topografie zu tun. Hartmut Escher, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis Osnabrück: „Der Teutoburger Wald ist ein schnell erreichbarer Höhenzug für die Downhill-Szene“. Holländer sind dabei, Hamburger und andere Norddeutsche, aber auch Nordrhein-Westfalen, die besonders am Wochenende mit ihren Zweirädern durchs Gehölz schrammen.

Ihnen ist schwer beizukommen, Appelle scheinen nicht zu fruchten, Verbotsschilder werden ignoriert. Ludger Spiegelburg von der Kulturlandschaft Osnabrücker Land (KOL), erzählt von Info-Aktionen auf den Parkplätzen im Wandergebiet Dörenberg, bei denen sich die Downhill-Fahrer einsichtig zeigen, um gleich danach wieder die wilde Fahrt anzutreten. Angesichts zerstörter und abgerissener Verbotsschilder sagt Meyer zum Alten Borgloh: „Da muss einer schweres Werkzeug dabei haben“.

Downhill-Fahrer sind nach Darstellung der Waldbesitzer schon mit Sägen und Spaten bewaffnet gesichtet worden. Selbst nachts würde manchmal im Wald an Streckenschikanen gearbeitet. Besonders beliebt sind Rampen, die mit dicken Baumscheiben unterfüttert und mit Waldboden fahrbar gemacht werden. Dass der Boden direkt neben der Fahrstrecke teilweise auch metertief ausgebuddelt wird, ist an großen Gruben sichtbar, die aber nicht abgesichert werden.


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