Milchbauern protestieren Demonstration in Georgsmarienhütte gegen niedrige Milchpreise


Georgsmarienhütte. Mit zehn Traktoren und einigen Begleitfahrzeugen haben am Dienstag rund 30 Milchbauern vor dem Werkstor des Deutschen Milchkontors (DMK) in Georgsmarienhütte-Harderberg demonstriert. Ihr Protest ist Teil einer bundesweiten Staffelfahrt, die am 1. September in München enden soll.

Organisiert wird die Staffelfahrt vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). „Damit wollen wir zeigen, welche Verluste den Landwirten durch den niedrigen Milchpreis entstehen“, sagte BDM-Vorstandssprecher Hans Foldenhauer vor der Kundgebung beim DKM.

27 Cent pro Kilogramm

Derzeit bekommen beispielsweise die rund 8900 genossenschaftlich verbundenen Milchbauern vom DMK 27 Cent pro Kilogramm. „Unsere Kühe werden davon satt, aber unser Kühlschrank bleibt leer“, sagte Monika Habbena. Die Landwirtin aus dem ostfriesischen Wirdum berichtete, dass sie mittlerweile von ihrer Bank nur noch 200 Euro täglich ausgezahlt bekomme, weil sie nicht mehr kostendeckend arbeiten könne. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“ . Weiterlesen: Milchpreis macht Bauern sauer – Politik soll helfen

Angst um seine Zukunft hat auch Henrik Schulte aus Krummhörn. Ob er später den Hof seiner Eltern übernehmen könne, sei ungewiss. „Schon heute muss ich als Betriebshelfer bei anderen Landwirten arbeiten, weil unser Hof nicht mehr genug abwirft.“

Forderung an Molkereien

Die Bauern würden mittlerweile zu bloßen Restgeldempfängern degradiert, befand Ottmar Ilchmann. Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft forderte die Molkereien auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen, „Nur sie erlauben den Discountern billige Milchpreise.“ 41 Cent pro Kilogramm Milch brauche es mindestens, um kostendeckend zu arbeiten, so Ilchmann. Weiterlesen: Milchbauern hadern mit Preisen.

Als Vertreter des DMK stellte sich Franz Morgret. Der Betriebsratsvorsitzende bewertete die Protestkundgebung als berechtigt. „Wir sind auf der Seite der Milcherzeuger, denn 55 Cent pro Liter bei Aldi sind ein mieser Preis.“

Begrenzung der Milchmenge

Morgrets Rede wurde aber auch von Zwischenrufern unterbrochen: „Ihr fahrt doch große Gewinne ein und gebt nix an die Bauern weiter“ und „Wir laden euch ein, mit nach München zu kommen!“ war zu hören.

Weiterlesen: Milchpreis setzt Bauern im Osnabrücker Land unter Druck.

Einig war man sich darin, die Milchmenge zu begrenzen. Dazu müsse zum einen der EU-Interventionspreis heraufgesetzt werden, meinte Morgret. Andere plädierten für die Absenkung der Produktion mit zeitgleicher Zahlung einer Prämie, die aus der bis im letzten Jahr noch eingezogenen Superabgabe finanzieren ließe.

Protest-Stab nach NRW weitergereicht

Dies seien jedoch nur kurzfristige Instrumente, um die aktuelle Krise – seit Dezember 2013 ist der Milchpreis um 13 Cent gefallen – zu bewältigen, sagte BDM-Sprecher Foldenhauer. Er forderte die Bundesregierung auf, nicht mehr nur im Sinne der großen Ernährungskonzerne zu handeln. „Wir fahren nach München, um Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt zu bewegen, sich mit uns an einen Tisch zu setzen.“

Die Staffelfahrt für die Landwirte aus der Region endete in Glandorf. Dort übernahmen Milchbauern aus Nordrhein-Westfalen den Protest-Stab.


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