Internet half bei Aufdeckung Rätsel der Bardenburg-Bande nach 31 Jahren gelöst

Von Horst Troiza


Georgsmarienhütte. Als ein Archäologenteam 1984 bei einer Grabungskampagne auf dem Reremberg in Oesede den „Schatz der Bardenburg-Bande“ fand, blieb die Identität der Urheber der mit Glitzersteinen, Spielfiguren, Kinderschmuck und anderen Stücken gefüllten Plastikdose verborgen. Kürzlich stieß eines der früheren Bandenmitglieder beim Stöbern in Internet auf den vor 31 Jahren in der Neuen OZ veröffentlichten Aufruf der Archäologen, sich zu melden, und nahm Kontakt auf.

Im Mai dieses Jahres erhielt der Leiter der Stadt- und Kreisarchäologie, Bodo Zehm, eine E-Mail von einer Antje Batzdorf. Darin outete sie sich als Mitglied jener mysteriösen „Bardenburg-Bande“, auf deren Hinterlassenschaft die Grabungsmitglieder im Mai 1984 gestoßen waren. Zehm hatte damals die wissenschaftliche Untersuchung auf der großen Wallanlage der ehemaligen Fluchtburg auf dem Reremberg geleitet, die allerdings ohne große Ergebnisse geblieben war. Die Ausgrabungen hatten unter anderem ihren zweiphasigen Aufbau nachgewiesen, der erste vermutlich um 500 vor Christi Geburt und der andere im Frühen- bis Hochmittelalter zwischen dem 9. Und 12. Jahrhundert. Bauherren sind wahrscheinlich die Grafen von Tecklenburg gewesen.

Rätsel gab aber auch eine Dose auf, die im Erdreich gefunden worden war. Sie war deutlich jüngeren Datums und hatte neben einem Brief einige „Schätze“ enthalten, die schnell an Urheber im Kindesalter denken ließ. Der handgeschriebene Brief gab Informationen darüber, warum die „Bardenburg-Bande“ die Dose verbuddelt hatte. Ihre Angehörigen wollten die Burg schützen und das Bewusstsein der Menschen auf das Vergangene lenken. „Beim Rathaus lachte man uns aus, als wir das den Leuten dort zu erklären versuchten“, beklagte sich die junge Verfasserin. Nirgendwo, weder in Lexika, in Bibliotheken oder sonst wo, wären Informationen über die ehemalige Fluchtburg zu erhalten gewesen.

Die geheimnisvolle Bande hatte sich, so war zu lesen, neben der Burg eine Hütte gebaut, um ihrer Lieblingsstelle nah sein zu können, doch diese sei durch eine feindliche Gruppe wieder zerstört worden. Dabei hatten die kindlichen Geschichtsliebhaber doch nur gewollt, so schrieben sie, dass „ihre Burg“ eine Wertschätzung erhalte wie etwa die Wittekindsburg im Nettetal.

Vor einigen Monaten lüftete Antje Batzdorf in der E-Mail an Bodo Zehm den Schleier des Geheimnisses der Bardenburg-Bande. Sie und ihre Schwester Marion Hörnschemeyer, damals hatten sie Aalderink geheißen und mit ihren Eltern in der Siedlung Haardeckenkamp gewohnt, waren die Anführer der aus wechselnden Mitgliedern sowie dem Hund „Jessy“ bestehenden Gruppe gewesen. Sie hätten sich in dieser Zeit wie die „Fünf Freunde“ aus den gleichnamigen Kinderbüchern gefühlt – unternehmungslustig und immer hätten sie Ausschau nach Abenteuern gehalten. Zehm hatte nach dem ersten Kontakt eine Einladung in ihre alte Heimat ausgesprochen, der die Frauen jetzt gefolgt waren. Sie berichteten, den „Schatz“ sechs Jahre seinem Fund vergraben zu haben. D en später veröffentlichten Aufruf in der Neuen OZ hätten sie nicht zur Kenntnis genommen , sonst hätten sie sich darauf gemeldet. „Als Kinder haben wir eine Burg mit wehrhaften Mauern mit Zinnen und Türmen vor Augen gehabt“, erklärte Marion Hörnschemeyer, die ebenso wie ihre Schwester heute in Süddeutschland lebt.

Beim Ortstermin auf der Wallanlage konnten sie erfahren, dass die Bardenburg den Archäologen weiterhin viele Rätsel aufgibt, der herausgearbeitete Wissensstand aber auf einer dort aufgestellten Info-Tafel festgehalten ist. Auch ist eine Sitzgruppe aufgestellt worden, die Wanderer auf die historische Bedeutung hinweist. „Damit haben wir den Wünschen und Zielen der Bardenberg-Bande zum Teil nachkommen können“, sagte er und drückte seine Hoffnung aus, dass die Geschichte der Bande heutigen Kindern und Jugendlichen Anreiz gibt, die Vergangenheit als Abenteuer zu erleben.