Esel Rudi schützt die Herde Schäfer aus Hilter bereitet sich auf den Zuzug des Wolfes vor

Von Harald Preuin

Esel Rudi bewacht eine Schafsherde von Martin Todtenhaupt. Er würde nicht nur Alarm schlagen, sondern auch einen Wolf angreifen, sagt der Schäfermeister. Foto: Harald PreuinEsel Rudi bewacht eine Schafsherde von Martin Todtenhaupt. Er würde nicht nur Alarm schlagen, sondern auch einen Wolf angreifen, sagt der Schäfermeister. Foto: Harald Preuin

Hilter. „Wenn der Wolf Schmacht hat, nimmt er alles, was er kriegen kann“. Wenn Schäfer Martin Todtenhaupt (53) auf das Wildtier zu sprechen kommt, geht es um die Sorge um seine Herden. Deshalb macht er sich ernsthaft Gedanken, wie er seine Wolltiere vor dem Wolf schützen kann.

Der Hilteraner Schäfermeister ist kein Wanderschäfer, sondern lässt seine Tiere Grünlandflächen unterschiedlicher Größe stationär abgrasen. So zieht er von Wiese zu Wiese. Zuvor zäunt er mit einem „fliegenden“ Elektrozaun die jeweilige Fläche ein, mulcht mit Traktorhilfe einen breiten Streifen als Abstand zum Elektrodraht. Auf drei Hektar können rund 100 Schafe einige Tage weiden. 250 Tiere hat Todtenhaupt insgesamt. Sie sind in sechs Herden aufgeteilt. Bei seinen Tieren kann der 53-Jährige nicht bleiben. Der Zaun bewirkt, dass die Schafe nicht ausbüxen.

Direkt an seiner Schäferei stehen etwa 40 Mutterschafe, die einen besonderen Schutz haben. Es ist Rudi, ein zehnjähriger Esel, der geduldig seinen Dienst versieht, aber aufmerksam reagiert, wenn etwas nicht in sein Hütebild passt. Ein Wolf, so ist sich Todtenhaupt sicher, hätte keine Chance, sich ein Schaf zu greifen. Rudi, eigentlich lammfromm, würde dann aggressiv werden.

Zwei Hütehunde, ein Border Collie und ein Altdeutscher Hütehund (Schäferhund) helfen dem Schäfer, wenn die Herden umziehen müssen. Das geschieht in der Regel per pedes, quasi als Kurzwanderung der Herde zum neuen Fressplatz. Sind weite Wege zurückzulegen, verlädt Todtenhaupt die Tiere mit Hilfe seiner Hütehunde auf einen Viehtransporter. Doch ein Schutz gegen einen hungrigen Wolf sind seine Hunde, die auf Pfiff oder Zuruf reagieren, nur ansatzweise. „Wenn der Wolf in den Blutrausch kommt, ist er nicht zu halten“. Dann würde er auch seine Verwandten, die Hunde, angreifen.

Zwar ist der Wolf im Raum Osnabrück noch nicht auffällig geworden , doch das bedeutet für den Schäfer nicht, dass er nicht schon durchgezogen ist. „Das fällt keinem auf“, sagt Todtenhaupt, der darauf hinweist, dass der Räuber nachts zwischen 70 und 80 Kilometer im Wolfstrab zurücklegt . Trifft er auf junge oder schwache Tiere, schlage er zu.

Da Schafe schnell in Panik geraten, habe der Wolf leichtes Spiel. Esel Rudi ist kein Fluchttier, sondern mache fürchterlichen Lärm und greife den Angreifer selbst an, wenn der den Elektrozaun überwunden hat. Die Herden auf der Weide können nur von einem Herdenschutzhund vor dem Wolf behütet werden, sagt Martin Todtenhaupt. Das sind Hunde, die in der Herde leben, idealerweise sogar in der Schafsherde zur Welt kommen. Sie haben meist ein helles Fell wie der Türkisch Kangal oder der Pyrenäen-Berghund und werden bis zu 80 Kilogramm schwer: „Die greifen alles an, was nicht zur Herde gehört“ (also auch Viehdiebe). Als Schutzhunde bekommen sie ein Stachelhalsband, um Hals und Nacken vor einem tödlichen Biss zu bewahren.

In Spanien, Frankreich und Italien hat die EU-Kommission Hunderte Herdenschutz-Hunde bezahlt, Elektrozäune finanziert und auch den Bau kleiner Hütten, in denen die Schäfer übernachten können, erklärte kürzlich der italienische Ökologe Prof. Luigi Boitani in einem Spiegel-Interview.

Glücklicherweise seien seine Herden bisher vom Wolf verschont geblieben, sagt Todtenhaupt. Doch er fürchtet, dass das nicht so bleiben werde. Waldbesitzer Andreas Frieling (Bad Rothenfelde), 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Kulturlandschaft Osnabrücker Land (KOL), hat noch keine Wolfsspuren in seinem Wald entdeckt und hofft, dass es so bleibt. „Gottseidank ist noch kein Wolf aufgetaucht“, sagt Islandpferde-Züchterin Bettina Middendorf (Belm). Sie hofft ebenso wie Gänse- und Entenmäster Sebastian Lange (Bissendorf), dass der Wolf weiter einen großen Boden um die Region Osnabrück macht.

Auch die Jäger im Osnabrücker Land haben bislang keine Spuren des Wolfes gesichtet, bestätigt der 2. Vorsitzende der Jägerschaft Osnabrücker Land, Hendrik Pannenborg. Die in manchen Revieren installierten Wildkameras, die insbesondere der Wildschweinpopulation aufs Fell rücken sollen, hätten keine Anzeichen für durchziehende Wölfe geliefert.