Stefan Vinke besteigt Bayreuther Hügel Tenor aus GMHütte singt den Siegfried bei Wagner-Festspielen

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Eine von Stefan Vinkes Glanzrollen: der Siegfried. Unser Bild stammt von einem früheren Engagement in Köln. Foto: Archiv/Wolfgang KochEine von Stefan Vinkes Glanzrollen: der Siegfried. Unser Bild stammt von einem früheren Engagement in Köln. Foto: Archiv/Wolfgang Koch

Georgsmarienhütte. Das Engagement ist für ihn eine „Art endgültiger Ritterschlag“ und „als Siegfried in dem Haus, das Richard Wagner für sich gebaut hat, zu singen, der Gipfel, was ich als Sänger erreichen kann“: Der in GMHütte geborene Heldentenor Stefan Vinke, der seit Jahren auf den großen internationalen Opernbühnen zu Hause ist, macht mit der Verpflichtung durch die Bayreuther Festspiele den letzten großen Karriereschritt.

Nach der Eröffnung am vergangenen Wochenende mit „Tristan und Isolde“ steht Donnerstag im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel die „Siegfried“-Premiere auf dem Spielplan. Seit Mitte Juni ist der Vinke in der Wagner-Stadt, wo seither jeden Tag außer sonntags Proben seinen Tagesablauf bestimmt haben – nicht selten bis in die Abendstunden.

Sieben Siegfried-Termine

Die Aufführungstermine bis Ende August verlangen den Künstlern alles ab: Insgesamt vier mal wird „Siegfried“ gespielt, dreimal im Rahmen von Wagners vierteiligem Opernzyklus „Ring des Nibelungen“ – kurz „Der Ring“ –, bei dem der 49-Jährige im Abstand von zwei Tagen dann in „Götterdämmerung“ wieder als Siegfried auf der Bühne steht, und einmal als Einzelvorstellung.

In der Schlussphase der Proben, als es mit Orchester auf die Bühne ging, ist Ehefrau Sabine, mit der er in Bad Kreuznach lebt und zwei Kinder hat, nach Bayreuth gekommen. Die Sopranistin hat die Ohren, denen Vinke „am meisten“ vertraut: „Sie weiß, was meine Stimme kann.“ Und da ist in den vergangenen Jahren richtig „etwas explodiert“.

Als Kirchenmusiker angefangen

Der Kloster Oeseder, der am Gymnasium Oesede 1987 das Abitur machte und als ausgebildeter Kirchenmusiker angefangen hat, ist erst spät entdeckt worden. Dabei hat ihm der Osnabrücker Kirchenmusikdirektor Christoph Niesemann schon Ende der 80er mit auf den Ausbildungsweg gegeben: „Dein Geld wirst Du mal mit singen verdienen.“

Aber erst Mitte der 90er, im Alter von 27 Jahren, bekam er während des Studiums in Köln erstmals Kontakt mit der Oper. Bei einer Produktion mangelte es an Tenören, und Vinkes Stimme fiel hier sofort durch einen „markanten Eigenklang“ auf. Ergebnis: ein Vorsingen bei einem Intendantentreffen in Mannheim, das mit einem Anfängervertrag am Badischen Staatstheater in Karlsruhe belohnt wurde.

Erster Karrieresprung Ende der 90er

Welches Potenzial in seinen Stimmbändern steckt, hat sich zum Beispiel 1996 angedeutet, als er Stipendiat der Richard-Wagner-Stipendienstiftung wird. Erster Karrieresprung war Ende der 90er dann das Engagement am Nationaltheater Mannheim als „Jugendlicher Heldentenor“, wo er sich in kurzer Zeit ein großes Repertoire erarbeitete. Bereits im Jahr 2000 folgte vom internationalen Fachmagazin „Opernwelt“ die Auszeichnung zum „Nachwuchssänger des Jahres“.

Inzwischen ist er ein großer Name, hat mir Stardirigenten wie Sir Simon Rattle zusammengearbeitet und an allerersten Adressen wie der Deutschen Oper in Berlin, dem Teatro La Fenice in Venedig oder Covent Garden in London gesungen. In der britischen Hauptstadt ist Vinke vor vier Jahren auch ausgewählt worden, bei der der „First Night of the Proms“, dem Eröffnungsabend des weltweit größten Klassik-Festivals, auf der Bühne zu stehen.

Im Mai Anruf aus Bayreuth

Im Mai gab es den Anruf aus Bayreuth, und kurz darauf ist dann offiziell die Besetzung für die diesjährigen Wagner-Festspiele veröffentlicht worden. Vinke: „Ich hab mich natürlich riesig gefreut, dass es geklappt hat.“ Im Festspielhaus, wo er zuvor 2011 zweimal als Ersatz eingesprungen ist, steht noch eine weitere Ausnahme-Stimme aus der Region auf der Bühne: die Osnabrückerin Evelyn Herlitzius , die 2002 ihr Bayreuth-Debüt gegeben hat und am vergangenen Samstag nach „Tristan und Isolde“ von den Kritikern höchstes Lob bekam.

Vinkes Terminkalender für die kommenden Jahre ist bereits randvoll: Sydney oder Peking heißen unter anderem die Stationen. Noch auf der Wunschliste des 49-Jährigen: die Met in New York, die Mailänder Scala oder Tokio. Aber auch in der heimischen Region will er vorbeischauen: Mit Kirchenmusiker Eckhard Broxtermann, der ebenfalls aus Kloster Oesede stammt, hat er fest verabredet, im Heimatort ein Konzert zu geben, wenn die neue Orgel in der Johanniskirche steht.


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