Er läuft und läuft und läuft Dino-Treffen in Oesede – 60 Jahre Karmann Ghia

Von Rolf Habben


Georgsmarienhütte. Der eingängige Werbespruch des VW-Konzerns aus den 60er Jahren für den damaligen „Käfer“ wurde im Kasinopark in Georgsmarienhütte erneut erfahrbar im doppelten Sinn und zeigte sich am Modell des Karmann Ghia Typ 14, der 1955 im Osnabrücker Werk vom Band lief. Am vergangenen Dienstag jährte sich die Vorstellung dieses Fahrzeugs zum 60 Mal.

Denn auf den Tag genau am 14. Juli vor 60 Jahren hatte Karmann seinen Ghia an eben dem selben Ort der Öffentlichkeit präsentiert. Für zahlreiche Anhänger des Oldtimers war das 60-jährige Jubiläum Pflicht und Anliegen zugleich, in einer kleinen Feierstunde an historischer Stelle an dieses Ereignis zu erinnern. Unter dem Motto „Eleganza d´Italia – Qualität aus Osnabrück“ wurde auch der Turiner Designer Luigi Segre angemessen gewürdigt.

Fangemeinde

Wie viele andere Oldtimer aus vergangenen Jahrzehnten, hat auch der Karmann-Ghia eine beachtliche Fangemeinde. Die Fahrer sind oft in Interessengruppen oder Clubs organisiert und pflegen ihr gemeinsames Hobby bei Treffen und Ausfahrten. Die Zusammenkunft hatte von daher schon den Hauch eines Veteranen-Treffens. Die Autokennzeichen mit dem „H“ für „Historisch“ versehenen Nummernschilder mit den Buchstaben GT, OL, MS oder HF und natürlich OS verrieten die Herkunft der Teilnehmer. Denn nicht allein als lediglich liebevoll gepflegte Schnauferl zeigten sich die rund 20 Karossen als Coupé oder als Cabriolet im Kasinopark, allesamt erwiesen sich als fahrtüchtig zugelassen und bestens „in Schuss.“

Geheimhaltung

Warum der Karmann gerade hier in der Hüttenstadt erstmals gezeigt worden ist, fragten sich nicht wenige der Schaulustigen. Joachim Acker als Organisator der Veranstaltung kann es nur vermuten: „Es muss seinen Grund in der absoluten Geheimhaltung vor der offiziellen Präsentation gehabt haben, die wohl so in Osnabrück nicht gewährleistet war.“ Fotos für die Öffentlichkeit gab es demzufolge auch erst nach der Präsentation. Im übrigen bot sich mit dem Kasino in der damaligen Zeit auch das angemessene Ambiente für das spektakuläre Ereignis an. Abenteuerlich sei die Präsentation dennoch gewesen. „Mit sehr viel Aufwand und mittels Paletten musste das „gazellenbeige“ Ausstellungsstück in den Saal und auf die Bühne des Kasinos gehievt werden“, erinnert Acker an die Premiere des legendären Oldtimers mit Kult-Status. Für ihn sei das Interesse an Autos allgemein gesunken, will er festgestellt haben, er wünsche sich daher, dass die Faszination, die die Automobile auszustrahlen vermögen, erhalten bliebe.

Erfahrungsaustausch

Bei einem Empfang im historischen Saal des Kasinos mit einem kleinen Imbiss konnten in den Teams untereinander gefachsimpelt, Erfahrungen ausgetauscht und gegenseitig hilfreiche Tipps gegeben werden. In einer kleinen Ausstellung im Saal war auch ein seltenes Artefakt zu bestaunen. In dem als Faksimile abgebildeten handgeschriebenen Brief des damaligen VW-Chefs Heinz Nordhoff an Wilhelm Karmann vom 18. Juli 1955 beglückwünscht dieser den Fahrzeugbauer nicht nur zur gelungenen Präsentation, sondern verrät auch, dass er seiner Tochter „einen dieser Wagen versprochen (hat), wenn sie am Jahresende ihre Examina in London gut besteht. Sie mögen auch daran ersehen, wie hoch ich Ihr Erzeugnis bewerte“.

Schaf im Wolfspelz

Über 400000 Autos als Coupé und Cabriolet konnte Volkswagen zwischen 1955 und 1974 absetzen. Die Technik des Typ 14 war bis auf wenige Details weitgehend identisch mit dem legendären VW Käfer. Bereits kurz nach der Veröffentlichungsfeier war aber auch festzustellen, dass die Meinungen über Karmann auseinandergingen. Der Wagen war unbestritten ein Erfolg, gleichwohl wurde er in Deutschland oft als „Hausfrauen-Porsche“ und „Sekretärinnen-Ferrari“ belächelt. Das Magazin „Auto Motor Sport“ lobte in seiner Ausgabe vom Mai 1956 zwar einerseits Eleganz und Solidität, hielt den getesteten Typ 14 aber auch für die „Parodie eines schnellen Autos.“ Nicht ganz zu unrecht, will man beipflichten. Der Ghia sah zwar aus wie ein Sportwagen, war aber mit anfänglich 30 PS und 118 km/h Spitzengeschwindigkeit weit entfernt von sportlichen Rekorden und daher eher ein Schaf im Wolfspelz. Er kostete damals ab Werk Osnabrück stolze 7500 DM.