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Grill und Fritteuse sind aus Letzte Wurst in „Mandys Grillstube“ – Der Grill ist aus


Georgsmarienhütte. Nachdem sie 14 Jahre lang den Imbiss im Georgsmarienhütter Toom-Baumarkt geleitet hat, musste Mandy Vincenz am Samstag die Fritteuse und den Grill endgültig abschalten. Ihre Grillstube weicht einem neuen Franchise-Imbiss – den Mandys Kunden geschlossen boykottieren wollen.

„Einmal werden wir wohl hingehen, damit wir auch wissen, was wir da boykottieren“, sagt Harry Bernsdorf.  Gemeinsam mit seinem Freund Sebastian Alsdorf hat er vor einigen Monaten die Facebook-Gruppe „Rettet Mandys Grillstube“ ins Leben gerufen – vergeblich.

Das Franchise-Konzept, mit dem die Toom-Baumarktkette den Traditions-Imbiss nun ersetzt, wird von den Initiatoren des Protests genauso abgelehnt wie von der langjährigen Inhaberin. „Ja, aber das ginge nur mit einem Knebelvertrag“, sagte Mandy Vincenz am Samstag zu einem Stammkunden, der sie fragte, ob die Baumarktkette ihr angeboten habe, den neuen Franchise-Imbiss zu führen.

Abgrillen mit Sekt und Kuchen

Unter anderem, weil sie keine Produkte verkaufen will, die nicht aus der Region kommen, verabschiedet sich Mandy Vincenz nun aus dem Imbiss-Gewerbe. An anderer Stelle neu anzufangen, das hat die aus dem Erzgebirge stammende Georgsmarienhütterin sofort ausgeschlossen. „Einen besseren Standort als diesen würde ich ja nirgendwo finden.“

Am Samstag lud die scheidende Imbissbudenbesitzerin nun zum Abgrillen. Für die vielen Stammkunden, die zum Abschied gekommen waren, gab es die letzten Würstchen und dazu Sekt und Kuchen. 

„Hier werde ich nichts mehr essen“

„Ich war seit einigen Jahren knapp einmal Monat hier“, sagt der Belmer Karsten Regula. „Es schmeckt hier echt lecker, und die Bedienung war immer freundlich.“ Dem neuen Franchise-Konzept will er keine Chance geben. „Ich komme nicht mehr hierher.“

Dasselbe gilt für den Georgsmarienhütter Rentner Horst Alsdorf, Vater des Protest-Initiators Sebastian Alsdorf. „Hier werde ich nichts mehr essen. Aber leider gibt es hier in der Gegend ja insgesamt kaum noch was für uns ältere Leute.“ Fast Food oder eine Döner-Bude komme für ihn und die meisten seiner Altersgenossen nicht infrage. „Und ich kenne auch viele jüngere Fernfahrer, die gerne ein Kotelett oder eine Boulette essen würde. Aber wo kriegst du das denn noch?“

Mandy Vincenz wechselt ins Freizeitland Hasbergen

Seltsam ist das Ende von „Mandys Grillstube“ auch für Vanessa Kleyer, die 18-jährige Tochter der Inhaberin. „Ich bin mit dem Imbiss aufgewachsen, ich kenne es ja gar nicht anders.“ Als ihre Mutter in ihr Zimmer gekommen sei, um zu sagen, dass sie den Imbiss schließen müsse, sei sie zunächst sicher gewesen, auf den Arm genommen zu werden, sagt Vanessa. 

Immerhin muss sich die junge Frau keine Sorgen um die Zukunft machen, denn Mandy Vincenz hat einen neuen Job. „Ich fange beim Freizeitland in Hasbergen an.“ Ab 1. Juli habe sie dort eine leitende Position im „Sauna-, Sport- und Bistrobereich.“ Wie sie an den Job gekommen ist? „Der Chef war hier regelmäßiger Kunde.“

Mit den in Zukunft geregelten Arbeitszeiten will sich Mandy Vincenz auch wieder stärker ihren Hobbys widmen. „Ich male und fahre viel Motorrad und Rennrad. Und mit dem Rennrad werde ich demnächst auch von GMHütte nach Hasbergen zur Arbeit fahren.“


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