Gekommen, um vielleicht zu bleiben Landkreis Osnabrück begrüßt Praktikanten aus Spanien

In GMHütte begrüßten der Landkreis die acht spanischen Praktikanten, ihre Gastfamilien und die Vertreter der Firmen. Foto: Stefan BuchholzIn GMHütte begrüßten der Landkreis die acht spanischen Praktikanten, ihre Gastfamilien und die Vertreter der Firmen. Foto: Stefan Buchholz

In den Räumen der Firma Pötter-Klima begrüßte der Landkreis Osnabrück jetzt acht neue Praktikanten aus Spanien. Sie arbeiten in den nächsten drei Monaten in Osnabrück und im Landkreis, um ihre Ausbildung abzuschließen.

Anders als in Deutschland, wo die Azubis im Dualen System Ausbildungsbetrieb und Berufsschule durchlaufen, absolvieren die Spanier ihre Lehre überwiegend in der Schule. Erst mit einem Praktikum schließt man dort die Ausbildung ab. Um ihre Karrierechancen zu verbessern, aber auch, um der desolaten Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu entgehen, kommen seit drei Jahren zumeist junge Spanier in den Landkreis, um hier das geforderte Praktikum zu machen. Möglich macht das eine Kooperation zwischen dem Osnabrücker Landkreis und zwei Berufsschulen in Vigo, einer Stadt im Nordwesten der iberischen Halbinsel. Während der Finanzkrise und ihren Folgen, die Spanien hart trafen, entwickelte sich das Austauschprogramm aus losen Mailkontakten zu einem mittlerweile fast eingespielten System.

Wer von den spanischen Azubis in die Region Osnabrück will, hat zunächst ein Jahr Deutsch zu lernen. Unterrichtet werden sie dort von deutschen Studenten der Universitäten Osnabrück und Bielefeld. Deren Transfer und dreimonatigen Aufenthalt zahlt die EU. Fördergelder aus Brüssel gibt es auch für die spanischen Praktikanten. Während ihres dreimonatigen Aufenthaltes in Deutschland bekommen sie 800 Euro. Da das natürlich nicht zum Unterhalt reicht, leben die Spanier in Gastfamilien. Der 20-jährige Alvaro Pellon, einer der acht Praktikanten, wohnt bei Holger und Renate Klanke in Ostercappeln. „Wir haben selber noch drei Kinder. Zwei von ihnen lernen Spanisch und wir wollten uns offen für alle Nationalitäten zeigen“, erklärte Renate Klanke. Ein besonderes Kulturprogramm habe man für den jungen Gast nicht entwickelt. Man wolle ihm erst mal Zeit geben, um anzukommen. Doch gleich nach der Ankunft am Karsamstag lernte Alvaro schon Osnabrücker Regionalkultur kennen. Da er sich als Fußballfan und _-spieler outete, nahm ihn ein Sohn der Gastfamilie gleich mit zu einem VfL-Spiel. „Und mit meinem Mann hat er ein Altherrentraining mit gemacht“, so Renate Klanke. Alvaro hat auch schon die ersten zwei Tage im Marienhospital gearbeitet. Der Azubi für Medizinisch Technische Radiologie-Assistenz will den Aufenthalt etwa zum Kennenlernen der deutschen Arbeitsweise nutzen. Und um die Sprache weiter zu lernen. Sie ist immer noch die größte Hürde für die jungen Spanier.

Hinzu kommen die Mentalitätsunterschiede, wie Oliver Neils als Vertreter der Praktikumsbetriebe bei der Begrüßung sagte. Der Personaler von Solarlux schilderte Anlaufschwierigkeiten, die es 2013 gegeben habe. „Ich hätte daher nicht damit gerechnet, dass ein Praktikum auch zu einer festen Stelle führt.“ Denn: Über die Hälfte der jungen Spanier blieben nach ihrem Praktikum hier, weil sie eine feste Jobzusage bekamen.


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