Steiler Aufstieg GMHütter Carl-Stahmer-Weg erinnert an den Unternehmer

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Georgsmarienhütte. Die Realschule GMHütte ebenso wie das Gymnasium Oesede, das Panoramabad und nicht zuletzt das Museum Villa Stahmer haben eines gemeinsam: die Adresse am Carl-Stahmer-Weg. Die von der Klöcknerstraße abzweigende und relativ steil ansteigende Straße könnte geradezu als Sinnbild der Karriere ihres Namensgebers gedeutet werden, der sich als ehemaliger Mitarbeiter des Hüttenwerks mit einer eigenen Eisengießerei selbstständig machte und in der Gründerzeit ein äußerst erfolgreicher Unternehmer wurde.

Der Maschinenbaumeister Carl Stahmer (1833– 1905) stammte aus Clausthal-Zellerfeld und zog auf der Suche nach Arbeit wie so viele Harzer in der Mitte des 19. Jahrhunderts gen Westen. 1854 heuerte er auf der Beckeroder Eisenhütte in Hagen an, die mit der Gründung des Georgs-Marien-Bergwerks-und-Hüttenvereins 1856 in diesem aufging. Schnell erkannte Stahmer, dass die Produktion von Eisen und Stahl für den Schienen- und Eisenbahnbau bestens ergänzt werden konnte durch weiterverarbeitende Betriebe. Angrenzend an das Hüttenwerk, errichtete er auf Oeseder Gemeindegrund eine eigene Eisengießerei, in der er ab 1862 mit zwei Mitarbeitern zunächst Eisenbahnwaggons reparierte und später Weichen, Schranken und andere Eisenbahntechnik produzierte. Dank seiner Branchenkenntnisse entwickelte sich das Unternehmen, das 1886 den Namen „Vereinigte Eisenbahnsignalwerke“ erhielt, prächtig. Die Hütte und das Stahmer’sche Signalwerk konkurrierten damals um die besten Arbeitskräfte.

Sparsamer Patriarch

Carl Stahmer muss nicht nur ein weitsichtiger, sondern auch ein sehr sparsamer Patriarch gewesen sein, denn es wird von ihm berichtet, dass er noch zu Zeiten, als das Werk um die Jahrhundertwende bereits auf 500 Mitarbeiter angewachsen war, jeden rostigen Nagel vom Werkstatt-Boden aufgeklaubt und einer Verwertung zugeführt habe. Andererseits war er jedoch auch großzügig und stiftete zum Beispiel den Altar für die im Bau befindliche Kirche St. Peter und Paul in Oesede.

Auch soziales Engagement für die Mitarbeiter ist mit dem Namen Stahmer verbunden. Carls Söhne Ernst und Robert, die die Firma zu einer Gruppe mit mehreren Standorten weiterentwickelten, ließen zahlreiche Werkswohnungen für die Mitarbeiter errichten. Schon 1897 wurde mit dem Bau von Stahmers Kolonie begonnen. An der heutigen Klöcknerstraße entstanden über 60 Werkswohnungen, die allerdings inzwischen auch schon wieder abgerissen worden sind. Die ab 1911 in Oesede für leitende Mitarbeiter erbaute Wohnsiedlung, benannt nach Ernsts Frau Karoline, ist auch heute noch eine beliebte Wohnlage.

Carl Stahmer selbst lebte eher bescheiden in einem Wohnhaus gegenüber der Alten Post in Georgsmarienhütte; seine Söhne Robert und Ernst hingegen ließen um 1900 zwei repräsentative Villen oberhalb des Werks am heutigen Carl-Stahmer-Weg errichten. Die größere Villa des Firmennachfolgers Ernst wurde bereits 1939 auf Anweisung seiner Witwe wieder abgerissen, und auch in der kleineren, heute noch erhaltenen Jugendstilvilla, die mit einem Stromanschluss und einem orientalischen Bad damals höchsten Wohnkomfort bereithielt, wohnte Robert Stahmer nur sieben Jahre. 1907 übernahm er ein Zweigwerk in Bruchsal, in seiner Villa wohnten dann leitende Angestellte des Werks. Nach dem Krieg war dort kurzzeitig britisches Militär stationiert, bevor das Arbeitsamt einzog. Anschließend wurde die Villa als Mehrfamilienhaus genutzt und ziemlich abgewohnt.

Als das Haus 1968 in den Besitz der Gemeinde Oesede kam, dachte man an Abriss. Nur durch entschiedenes Engagement des damaligen Kulturamtsleiters und einiger entschlossener Bürger gelang es schließlich, das historische Gebäude zu retten, zu sanieren und als Museum zu etablieren .

Hier finden Sie den Carl-Stahmer-Weg in Georgsmarienhütte.


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