Vortrag über Carl Friedrich Gauß Wie der Vermessungsstein auf den GMHütter Dörenberg kam

Von Danica Pieper

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Eine Infotafel am Grenzstein auf dem Dörenberg wünscht sich Joachim Vogelpohl. Foto: Petra RopersEine Infotafel am Grenzstein auf dem Dörenberg wünscht sich Joachim Vogelpohl. Foto: Petra Ropers

Georgsmarienhütte/Bad Iburg. „77 Jahre geballte Wissenschaft“ – so beschreibt Heimatforscher Joachim Vogelpohl das Leben von Carl Friedrich Gauß. Gauß war Mathematiker, Physiker, Astronom und er hat weite Teile des heutigen Niedersachsens vermessen. Auf dem Dörenberg erinnert noch heute ein Vermessungsstein an die sogenannte „Gaußsche Landesaufnahme“, wie Vogelpohl jetzt in einem Vortrag vor dem Stadtgeschichtlichen Stammtisch im GMHütter Rathaus erklärte.

Es war ein echtes Mammutprojekt, mit dem Georg IV. Carl Friedrich Gauß 1821 beauftragte: die Vermessung des Königreichs Hannover . Die Ergebnisse sollten als Grundlage für die Erhebung von Steuern dienen, wie Heimatforscher Joachim Vogelpohl den etwa 25 Zuhörern im Saal Osnabrück erklärte. Bis 1844 war Gauß für die Triangulation des Königreichs verantwortlich. Dazu wird ein Netz aus Dreiecken über das zu vermessenden Gebiet gelegt. Sobald eine Seitenlänge des Dreiecks bekannt ist, lassen sich mithilfe von Winkelmessungen die Längen der anderen beiden Seiten bestimmen. Als Eckpunkte dienten bestimmte Messpunkte, wie Türme oder Bergkuppen – unter anderem auch die Spitze des Dörenbergs .

Gauß übernahm aber nicht nur die notwendigen Berechnungen, in der Anfangszeit war er auch praktisch mit der Vermessung beschäftigt. Bis zum Dörenberg schaffte er es jedoch nie: Nachdem er vermutlich einen Unfall im Gelände erlitt, übertrug er die Arbeiten seinem Sohn Joseph, der 1830 den Triangulationsstein auf dem Dörenberg aufstellte. Von dort aus peilte Joseph Gauß andere Messpunkte zur Winkelbestimmung an, etwa die Burg Bentheim oder den Queckenberg in der Ankumer Höhe . Der originale Stein ist allerdings nicht mehr erhalten: „Damals wurden viele Vermessungssteine zerstört“, so Vogelpohl – möglicherweise von „Steuersündern“, die die Pläne des Königreichs sabotieren wollten. Der heutige Stein neben dem Hermannsturm wurde wohl 1860 von Offizieren des Hannoverschen Generalstabs als Ersatz für den ersten aufgestellt. Die Grundsteuer setzte Hannover übrigens 1870 neu fest – auf Grundlage der von Gauß miterstellten Karten.

Auch nach Gauß diente der Dörenberg immer wieder als Triangulationspunkt für Landesvermessungen, unter anderem für die Preußische Landesaufnahme. Der Vermessungsstein sei der letzte im Osnabrücker Land, der auf die Gaußsche Landesaufnahme zurückgeht, so Vogelpohl. Angesichts dieser Bedeutung forderte der Heimatforscher am Ende seines Vortrags die Stadt GMHütte auf, den Stein zu erhalten und eine Informationstafel für Besucher aufzustellen – auch im Hinblick auf die Landesgartenschau in Bad Iburg 2018 : „Meine Bitte ist es, diesen äußerst seltenen Stein wirksam zu schützen.“


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