Malaria macht Festtage chaotisch GMHütterin Louisa Peters ist Freiwillige in Uganda

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Georgsmarienhütte/Kumi. Die neunzehnjährige Georgsmarienhütterin Louisa Peters leistet seit vier Monaten einen vom Bistum Osnabrück organisierten Freiwilligendienst in Kumi im östlichen Uganda ab. Dort lebt sie zusammen mit drei Priestern in einem Pfarrhaus und bringt sich als Lehrerin und Betreuerin in einer Grundschule und einem Kindergarten ein. Ein Erfahrungsbericht.

Am Heiligen Abend lief ich hektisch und schwitzend durch die Stadt. Nicht etwa in Osnabrück, und nicht etwa, um die letzten Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Ich verbrachte das Weihnachtsfest ganz anders: ohne Familie und Freunde in der trockenen 30°C-Hitze von Ruai, einer kleinen Vorstadt der staugeplagten kenianischen Hauptstadt Nairobi. Dort lief ich über den Markt, um für den Weihnachtsschmaus am Abend einzukaufen.

Das war so nicht geplant. Die eigentliche Einsatzstelle meines Freiwilligendienstes, und damit meine neu gewonnenen Freunde, befindet sich in Kumi, einem kleinen Ort im Osten Ugandas. Dort lebe ich seit Anfang September mit drei Priestern und einer variierenden Anzahl von weiteren Mitbewohnern im Pfarrhaus der St.-Paul’s-Gemeinde und hatte geplant, das Weihnachtsfest im örtlichen Gefängnis zu verbringen.

Als meine Mitfreiwillige Julia Kleene, die ihren Freiwilligendienst in einer Kumi nahe gelegenen Stadt ableistet, und ich nach Kenia aufbrachen, wollten wir eigentlich nur vier Tage bleiben. Das sahen die Moskitos, die Julia zuvor gestochen hatten, wohl anders, denn nach den ersten drei Tagen unseres Urlaubs fand Julia sich mit der Diagnose Malaria im Krankenhaus wieder, weshalb wir unseren Bus zurück in die neue Heimat verpassten. Wie es das Weihnachtsgeschäft so will, war es dann unmöglich, noch vor Weihnachten Sitzplätze in einem Bus zu ergattern. Kurzerhand blieben wir also bei unseren vier liebenswürdigen Gastgeberinnen, den Ordensschwestern eines Konvents, eigneten uns spontan die Gelassenheit und Flexibilität eines Durchschnittsafrikaners an und fanden uns schließlich damit ab, das Weihnachtsfest nicht nur weit weg von unserem deutschen, sondern auch noch weit weg von unserem ugandischen Zuhause zu verbringen.

Dies brachte einige Ungewohntheiten mit sich. Obwohl die meisten Afrikaner wahrscheinlich noch nie Schnee gesehen haben und einige nicht von dessen Existenz wissen, schallten aus der Kirche Lieder wie „Jingle Bells“. Auch der im Konvent aufgestellte Weihnachtsbaum wurde mit Watte und Bonbons geschmückt. Weiße Weihnacht also. Am Heiligen Abend fand außer einem Krippenspiel und einer – für Afrika typisch – langen Messe keine große Feier statt. Also kochten Julia und ich ein ugandisch-mexikanisches Menü, um unserem Weihnachtsgefühl ein bisschen gerecht zu werden. Das klappte zwar gut, jedoch warteten unsere aus Deutschland geschickten Geschenke bei unseren Einsatzstellen auf uns. Am Tag darauf warfen sich dann nicht nur die Ordensschwestern in ihr hellstes Kleid und ihre höchsten Schuhe, auch ich machte mich für den morgendlichen Boxing-Day-Gottesdienst schick. Anschließend bereiteten diesmal die Nonnen das köstliche Festmahl zu.

Silvesterreise

Nach diesem chaotischen, aber trotzdem schönen Weihnachtsfest freute ich mich auf die Ruhe und familiäre Atmosphäre in Kumi. Diese konnte ich aber nicht lange genießen, denn schon kurz vor Silvester ging es auf in die Hauptstadt Kampala, wo ich wieder Julia und zwei weitere Bistums-Freiwillige, Lydia Weiß und Linus Kruse, traf. Die Nacht zum neuen Jahr erfährt hier in Uganda weniger Beachtung als in Deutschland. Um Mitternacht durften wir dennoch ein kleines Feuerwerk bewundern. Lange hielt es uns nicht in Kampala. Wir fuhren in ein nahe gelegenes Fischerdorf, von wo aus wir spontan bis zu den im Viktoria-See gelegenen Ssese-Inseln mitgenommen wurden. Auf der paradiesischen Insel Bukasa kam uns wieder die ugandische Gastfreundschaft zugute, weshalb wir dort zwei Nächte blieben. Neben einem wunderschönen Ausblick vom Hügel der Insel badeten wir auch in einem Wasserfall. Neben diesem befand sich eine Höhle, in der die Einheimischen noch heute Opfergaben als Dank für das saubere Quellwasser darbringen.

Solche und ähnliche Abenteuer prägen meine bisherige Zeit in Uganda. Das Leben und Arbeiten in einer neuen Kultur birgt oft ungeahnte Herausforderungen. Trotzdem überwiegen die schönen Momente. Ich habe hier gelernt, mit Rückschlägen umzugehen, und lasse mich mehr von meinen positiven Erfahrungen leiten. Anfangs beschäftigte mich das Gefühl, mehr eine Last als eine Hilfe darzustellen. Mittlerweile ist mir klar geworden, dass ich viel mehr mitnehmen und lernen werde, als ich den Menschen hier helfen kann. Ich sehe es als meine Aufgabe an, auch nach dem Freiwilligendienst durch Berichte und Erzählungen ein von Klischees weniger belastetes Bild von Afrika und Uganda an die Menschen in meiner deutschen Umgebung weiterzugeben. Das Kennenlernen einer völlig anderen Kultur, die zum Teil auch von unterschiedlichen Moralvorstellungen geprägt ist, kann zur gesellschaftlichen und politischen Verständigung der Völker verschiedener Kontinente beitragen.

Mehr über Louisas Freiwilligendienst in Uganda auf www.bistumsblog.de/category/weltwaerts


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