Landvolkhochschulseminar in GMHütte Landwirte beschäftigen sich mit Rechtsextremismus

Über das Thema Rechtsextremismus sprach Eike Bredow vom niedersächsischen Verfassungsschutz (ganz links) mit jungen Landwirten. Foto: Claudia SarrazinÜber das Thema Rechtsextremismus sprach Eike Bredow vom niedersächsischen Verfassungsschutz (ganz links) mit jungen Landwirten. Foto: Claudia Sarrazin

Georgsmarienhütte. Gleich drei Tage lang beschäftigten sich junge Landwirte im Rahmen eines Seminars der Katholischen Landvolk Hochschule Oesede mit dem Thema „Bedrohung durch Rechtsextremismus im ländlichen Raum“.

Zunächst eigneten sich die jungen Landwirte zwei Tage lang zusammen mit Inka Feldmann, Dekanatsjugendreferentin des Osnabrücker Bistums, Fachwissen in Sachen Rechtsextremismus an. Am dritten Tag kam Eike Bredow vom niedersächsischen Verfassungsschutz hinzu.

Er ging unter anderem auf verschiedene rechtsextreme Gruppen ein. So könne die Partei „Die Rechte“ möglicherweise bei einem NPD-Verbot ein Auffangbecken für deren Mitglieder werden, erklärte Bredow. Sie habe seit 2013 einen niedersächsischen Landesverband, dessen örtlicher Schwerpunkt in der Region Braunschweig läge. Zu den subkulturellen Gruppen, die Bredow genauer vorstellte, gehörte auch die ursprünglich aus Frankreich stammende „Génération Identitaire“, die sich in Deutschland „Die Identitären“ nennt. Diese besteht seit 2012, mittlerweile als eingetragener Verein, und will sich gegen eine angebliche Überfremdung und Islamisierung wehren und für „ein Europa der souveränen Völker kämpfen“.

Wie Rechtsextreme unter anderem bei Youtube für sich werben, zeigte der Verfassungsschützer anhand mehrerer Videos. Danach stellte ein Seminarteilnehmer fest: „Das ist echt professionell gemacht, das machst du nicht nebenbei.“ Ein anderer fand: „Die Aussagen sind echt krass“, während ein Dritter erklärte: „Ich finde, man hat schon den Hass rausgehört.“

Außerdem wies Bredow die jungen Leute darauf hin, dass die Gruppen zwar teilweise auf echte Missstände hinwiesen, dabei allerdings nur „eine Seite der Medaille“ zeigten. „Die Grenzen zwischen angemessener Kritik und Rechtsextremismus sind fließend.“ Rechtsextreme Äußerungen zeichneten sich jedoch immer durch die Abwertung anderer aus.

Außerdem berichtete er über die Werte der Gruppe „Die Identitären“, unter anderem Tradition, Heimat, Familie, Kultur, Ordnung und Schönheit. Diese Begriffe seien an sich „nicht schlimm“, Rechtsextreme würden ihnen aber eine spezielle Bedeutung zuweisen.

Später wies Bredow darauf hin, dass Musik in der rechten Szene eine enorme Bedeutung habe. Verboten werden könnten Songs jedoch nur aufgrund entsprechender Liedtexte. Daher gebe es Bands, deren Mitglieder bekanntermaßen rechtsextrem seien, deren Songs jedoch nicht alle verboten seien.

In einer Pause zog Lukas Beeboom ein erstes Resümee: Für ihn waren einige typische Symbole der rechten Szene neu. Und Matthias Bolte berichtete: „Ich fand interessant, dass die oft relativ normal aussehen, bis auf kleine Erkennungszeichen.“ „Viele sind wohl Wölfe im Schafspelz“, mutmaßte Beeboom. Und Lena Endbrock, die selbst auch singt, erklärte: „Mich hat die Musikschiene ziemlich beeindruckt.“ Musik höre jeder, aber nicht jeder überlege, was die Texte bedeuteten. Anhand der vorgespielten Beispiele stellte sie fest: „Das sind schon krasse Aussagen, und die fallen im ersten Moment gar nicht so auf.“ Ihr Fazit: „Mich hat das Seminar für das Thema Rechtsextremismus sensibilisiert.“


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