Der Ort in alten Karten Heimatverein Kloster Oesede forscht zum Steinigerturm

Von Petra Pieper


Georgsmarienhütte. „Wo genau stand der historische Steinigerturm?“ Diese Frage treibt den Heimatverein Kloster Oesede immer stärker um, seitdem der Baubeginn eines „lebensgroßen“ Modells des alten Wehrturms auf dem Kreisel an der Bielefelder Straße in greifbare Nähe rückt.

„Wir haben die Unterstützung der zuständigen Behörden, der Bauantrag ist gestellt, eine Finanzierungszusage von der Sparkassenstiftung liegt vor, und wir haben Material aus dem Abriss der ehemaligen Overbergschule gesichert“, listet Vereinsvorsitzender Günter Rolwes die Fortschritte auf. Er hofft auf einen Baubeginn noch in diesem Winter.

Mit dem Bau des Turmes geht es dem Heimatverein nicht nur darum, einen optischen Akzent an der Ortseinfahrt nach GMHütte zu setzen, gerade die geschichtliche Bedeutung des Steinigerturms in Kloster Oesede soll erforscht und der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Unterstützung kam dabei vom Kartografen Klaus Meinert aus Osnabrück, der die Kartenlage über die Bauerschaft Kloster Oesede in den Jahren 1770 bis 1870 sondiert hatte.

Der Steinigerturm wurde erstmals 1441 in der Osnabrücker Bischofschronik erwähnt. Die älteste Karte des Gebiets, eine eher symbolisch zu verstehende Übersichtskarte, geht bereits auf das Jahr 1581 zurück. Räumliche Darstellungen gibt es etwa ab 1767, so von Benoit, der 1774 erstmals auch den Steinigerturm verzeichnet, und zwar westlich der damals Frankfurter Straße genannten Verbindung (heute Bielefelder Straße), die schon in vorchristlicher Zeit existierte. Diese und andere Angaben werden heutigen Anforderungen an Präzision allerdings nicht gerecht.

„Da im Spätmittelalter die technischen Mittel zu genauer Kartografie noch nicht zur Verfügung standen und da Adel und Klerus zumeist Vorbehalte gegen eine Veröffentlichung ihrer Eigentumsverhältnisse hatten, gab es genaue Karten erst seit der Kurhannoverschen Landesaufnahme durch Du Plat 1786 beziehungsweise nach der Säkularisation ab 1805“, erläuterte Meinert der Arbeitsgruppe. Doch da war der Steinigerturm vermutlich schon abgerissen.

Unklarheit wegen des Standorts

Die Stadt- und Kreisarchäologie kann auch nicht weiterhelfen: „Wir haben zwar Steinhaufen westlich der Bielefelder Straße gefunden, können aber nicht mit Bestimmtheit sagen, ob sie von dem abgerissenen Steinigerturm stammen und ob sie von einem anderen Punkt dahin verbracht wurden“, merkte Archäologe Axel Friederichs an. Andere Quellen gehen davon aus, dass die Steine des Turms im Straßenbau verwendet wurden.

Der Heimatverein Kloster Oesede jedenfalls fühlt sich durch die verschiedenen Karteneinträge, die alle im 100-Meter-Umkreis des heutigen Kreisverkehrs liegen, in seinem Vorhaben bestätigt, das historische Bauwerk wieder in Erinnerung zu bringen.

Offen ist neben dem exakten Standort auch seine genaue Funktion. Die Deutungen reichen von Wegezollstelle bis Wehrturm, wobei die in der Nähe befindlichen „sieben Wälle“ als Wallanlage eines Landwehrturms durchaus für letztere Deutung sprechen.