Leben mit Demenz Ministerin Rundt besucht Georgsmarienhütter Wohnmodell

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Im Nachbarbundesland Nordrhein-Westfalen erprobt: das Begleitungsgemeinschaft-Modell für ambulant betreutes Wohnen an Demenz erkrankter Menschen im Haus Dröper und Haus Krüpperspatt an der Wellendorfer Straße. Sozialministerin Cornelia Rundt (im Vordergrund mit roter Jacke) machte sich zusammen mit der SPD-Landtagsabgeordeten Kathrin Wahlmann Mittwoch auf Einladung der GMHütter SPD ein Bild vom Betreuungsalltag der 18 Bewohner in beiden Häusern. Foto: Elvira PartonIm Nachbarbundesland Nordrhein-Westfalen erprobt: das Begleitungsgemeinschaft-Modell für ambulant betreutes Wohnen an Demenz erkrankter Menschen im Haus Dröper und Haus Krüpperspatt an der Wellendorfer Straße. Sozialministerin Cornelia Rundt (im Vordergrund mit roter Jacke) machte sich zusammen mit der SPD-Landtagsabgeordeten Kathrin Wahlmann Mittwoch auf Einladung der GMHütter SPD ein Bild vom Betreuungsalltag der 18 Bewohner in beiden Häusern. Foto: Elvira Parton

Georgsmarienhütte. Eine Stunde im eng getakteten Terminkalender von Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt geblockt zu bekommen, ist etwas Besonderes. Genauso lang wie für die Einweihung des Franziskushospital-Neubaus hat sich die SPD-Politikerin am Mittwochnachmittag Zeit genommen, um sich ein Bild von der Arbeit in der seit 2010 bestehenden ambulanten GMHütter Betreuungseinrichtung „Haus Dröper“ für an Demenz erkrankte Menschen zu machen.

Der Grund: Es handelt sich um ein in Niedersachsen bisher einmaliges Angebot.

Das Wohngemeinschafts-Projekt an der Wellendorfer Straße hat sich in den vergangenen vier Jahren als eine „Win-win-win-Situation“ für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie Pflegedienst und Vermieter erwiesen und ist so erfolgreich, dass es seit rund zwei Monaten direkt nebenan noch eine weitere Begleitungsgemeinschaft gibt. Sozialministerin Rundt bekam vom Ehemann einer Demenzkranken, der sich täglich um seine Frau kümmert, auch die Erklärung, warum das Betreuungsangebot so gefragt ist: „Das ist eine familiäre Atmosphäre hier, in der sich die Betroffenen wohlfühlen.“ Er machte deutlich: „Das hat eine ganz andere Qualität, als ich sie zuvor bei einer Heimbetreuung erlebt habe, bei der pflegende Angehörige kaum Einflussmöglichkeiten besaßen.“

Ausgangspunkt des ambulanten betreuten Wohnens für jeweils neun an Demenz erkrankte Menschen in einer Wohngemeinschaft mit barrierefreien Einzelzimmern, offener Wohnküche, Gartenbereich und Rund-um-die-Uhr-Service, aber nicht einer Heimbetreuung, ist vor mehr als fünf Jahren eine Anzeige der Kreishandwerkerschaft gewesen: „Zentral gelegene Immobilie für ein ambulantes Pflegeangebot gesucht.“

Die Organisation der Arbeitgeber im Handwerksbereich wollte das Betätigungsfeld ihrer Gesellschaft Soziale Dienste Handwerk“ (SDH) erweitern – durch ambulant betreutes Wohnen für an Demenz erkrankte Menschen nach einem in Nordrhein-Westfalen erprobten Service-Modell, das nicht den Heimgesetzvorgaben unterliegt. Der GMHütter Handwerksunternehmer Peter Schröder und seine Frau Mechthild, die in der eigenen Familie über Erfahrungen mit den Herausforderungen der Pflege von Demenzkranken verfügten, konnten als Vermieter ein geeignetes Objekt für das Projekt zur Verfügung stellen – mit ausreichender Wohnfläche und einem Grün-Außenbereich. Die in Ahaus ansässige Europäische Seniorenakademie und der SDH-Pflegedienst sorgen für Konzept und rechtlichen Rahmen sowie die Wohngemeinschaft-Betreuung und die hauswirtschaftlichen Leistungen im „Haus Dröper“ sowie dem „Haus Krüperspatt“.

Das Besondere des Modells: die Aufteilung der Verantwortung, die den WG-Ansatz von einer Heimbetreuung unterscheidet. Denn die Angehörigen oder Betreuer der neun Pflegebedürftigen bilden in jedem Haus eine Trägergemeinschaft in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die mit dem Pflegedienst einen jederzeit kündbaren Betreuungsvertrag abgeschlossen hat. So ist anders als in einem Heim nicht ein einzelner Träger verantwortlich, sondern es gibt ein Zusammenspiel von Vermieter, Pflegedienst und Angehörigen beziehungsweise gesetzlichen Vertretern.

Sieben bis acht fest angestellte Kräfte sorgen für die Pflege, hauswirtschaftliche Leistungen und Betreuung, die auch einen Service in den Nachtstunden umfasst – zu Konditionen, die deutlich unter den Kosten einer Heimbetreuung liegen.

Die spannende Frage für Ministerin Cornelia Rundt, die gerade eine Novelle zum Heimgesetz in den Landtag eingebracht hat: „Wie ist die Selbstbestimmung der Betroffenen sichergestellt?“ Da ist das GMHütter Modell für sie ein interessanter Ansatz.


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