Ferienaktion in der Bibliothek Funkamateure helfen Jungs beim Radiobau

Von Claudia Sarrazin


Georgsmarienhütte. Ein Raum neben der Stadtbibliothek im evangelischen Gemeindezentrum wurde am Dienstag wieder zur Werkstatt: Gemeinsam mit den GMHütter Funkamateure und der Sprachwerkstatt veranstaltete Bibliotheksmitarbeiterin Renate Becher einen zweitägigen Elektronikkurs, bei dem Kinder selbst ein Radio zusammenbauen konnten.

Während der Kindergarten- und Schulzeit leitet Becher den Leseclub Pfiffikus, und für die Ferien lässt sie sich stets etwas ganz Besonderes einfallen. Nach dem großen Erfolg der ersten Ferien-Elektronikkurse in den Osterferien, konnten jetzt in den Herbstferien neun Kinder an zwei Nachmittagen selbst ein UKW-Radio bauen. „Beim ersten Treffen am Freitag haben wir aus den Geschichten vom ,kleinen Ingenieur und dem Hund Elektromix' vorgelesen – aber nur kurz“, erklärte Becher. Schließlich hatten die jungen Techniker viel zu tun.

Dieses Mal hatten sich nur Jungs angemeldet, und bevor diese mit dem Radiobau anfangen konnten, mussten sie erst einmal löten üben. „Das ist bei diesem Radio schon eine Herausforderung, weil die Platine und die Bauteile so klein und die Lötstellen deshalb winzig sind“, berichtete Werner Ludwig von den GMHütter Funkamateuren. Zum Üben haben die meisten Kinder vor Drahtgitter gelötet, die manche mit dem eigenen Namen verzierten. „Andere haben auch eine Blume gemacht, und Tim den Eiffelturm“, wusste Ludwig.

Beim zweiten Treffen am Dienstag lagen nun neben Lötkolben und Werkzeugen, Drähte und Einzelteile von kleinen Radio-Baukästen auf dem großen Arbeitstisch in der Mitte des Raumes. Und obwohl die Jungs schon mehr als zwei Stunden am Arbeiten waren, herrschte vornehmlich konzentrierte Ruhe. Diese wurde lediglich unterbrochen, wenn einer der jungen Techniker Hilfe oder ein bestimmtes Werkzeug benötigte. Ansonsten saßen alle mit gebeugten Köpfen hoch konzentriert vor ihren Radioteilen.

Jürgen (10), der auch sonst öfter beim Pfiffikus-Leseclub mitmacht und besonders gerne die „Drei ???“ liest, erklärte auf Nachfrage: „Dieses Tablett zu machen, war schwierig.“ Dabei zeigte er auf eine kleine Platine, auf der er schon zwei Spulen und einige Drähte befestigt hatte. Jürgen wusste auch schon, was er anschließend mit dem Radio machen wollte: „Ich möchte es behalten, und versuchen, es nicht kaputt zu machen.“

Nick (11), der ihm gegenüber saß, war noch am Überlegen: „Entweder behalte ich das Radio oder schenke es meiner Oma zum Geburtstag.“ Nick hatte zwar vorher schon einmal mit seinem Vater zusammen gelötet. Doch er fand ebenfalls: „Das hier war schon schwer.“

Derweil rief Jürgen: „Frau Becher, ich kriege das nicht ab.“ Und Ludwig bat einen anderen Jungen: „Gibst du mir mal die Knippszange?“ Bechers Sohn Rainer berichtete währenddessen: „Funken ist so ein tolles Hobby, geht aber zurück und uns fehlt die Jugend.“ Daher hätten die GMHütter Funkamateure auch schon einmal eine Ferienpass-Aktion angeboten. Und auch für die kommende Weihnachtszeit hätte Rainer Becher schon eine Idee für einen Elektronik-Bastel-Nachmittag. „Denn wir haben festgestellt, das Basteln kommt bei den Kindern gut an“, so der Hobbyfunker. Allerdings müssten auch immer genügend Vereinskollegen Zeit haben. „Wir machen das hier immer Schritt für Schritt zusammen, da braucht man genügend Leute“, so Becher. Daher stünde bisher auch noch kein konkreter, neuer Termin fest.

Inzwischen kamen auch schon die ersten Eltern. Insbesondere die Väter schauten ihren Söhnen interessiert über die Schultern und der eine oder andere kam darüber hinweg, dass er ursprünglich die Wartezeit zum Einkaufen nutzen wollte.