Öffentliches Zeitunglesen Diakonie informiert mit Straßenaktion über Sucht

Von Bärbel Recker-Preuin

Mitarbeiter der Diakonie klärten Passanten mit einer ungewöhnlichen Aktion über die Gefahren des Glücksspiels auf, wie hier Georg Weitekämper. Foto: Bärbel Recker-PreuinMitarbeiter der Diakonie klärten Passanten mit einer ungewöhnlichen Aktion über die Gefahren des Glücksspiels auf, wie hier Georg Weitekämper. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Georgsmarienhütte/Bissendorf. „Wetten, dass Sie Geld dafür kriegen, dass Sie hier sitzen?“, fragte ein Passant. Auch ohne Wetteinsatz wurde diese Frage schnell beantwortet. Bei den drei Zeitungslesern, die vor dem Rathaus saßen, handelte es sich um Mitarbeiter der Diakonie Suchtberatungsstelle. Und die wollten mit ihrer Aktion in Wort und Schrift auf die Gefahren von Sportwetten hinweisen, die große Schäden an Geldbeutel und Seele verursachen.

Wenn drei Personen mitten in der Einkaufszone oder an der Bushaltestelle sitzen und Zeitung lesen, ist das zunächst nicht ungewöhnlich. Deshalb gingen auch etliche Passanten weiter. Wer sich den Lesern – Beratern der Diakonie Suchtberatungsstelle – näherte, profitierte davon, denn es ging bei der Zeitungslektüre um Informationen zur Sucht bei Sportwetten.

„Wetten, dass es Paderborn nie auf den ersten Platz der Bundesliga schafft?“ So lautete zum Beispiel ein Satz der Lektüre. Leicht gewettet ist schnell gewonnen oder – wie in diesem Fall – doch nicht. Denn kein Glücksspiel garantiert den Gewinn, dafür leider immer häufiger Geldsorgen, Persönlichkeitsverlust und Abhängigkeit, erläuterte Suchtberater Georg Weitekämper, der mit seinen Kollegen Frank Stier und Dagmar Thole mit der Lese-Sitzaktion auf die Straße ging. Auch die Schüler Yanik und Kilian, die sich vor dem Schulzentrum für die Riesenzeitungslektüre interessierten, haben schon mal gewettet. „Bei der WM und prompt gewonnen“, sagten die beiden.

Für regelmäßige Wetten sei ihnen jedoch das Taschengeld zu schade. Mit diesen Erfahrungen sind Yanik und Kilian nicht allein. 60 Prozent aller 16-Jährigen geht es ebenso.

Bei einigen – besonders häufig bei jungen Männern zwischen 18 und 26 Jahren – führt das vermeintliche Spiel- und Wettglück in die Sucht. Sportwetten liegen nicht erst seit der WM voll im Trend. Etwa 80000 Menschen sind in Niedersachsen sportwettenabhängig, in Georgsmarienhütte dürften etwa 170 Menschen risikoreich zocken.